Teil 5: Misforståelse | Frederik Vesti x Oliver Bearman

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Misforståelse
Part 5



Barcelona, Spanien
21. Mai 2022



Oliver



Für einen Moment war er sicher, er hätte sich verhört. Alles in ihm schien stillzustehen, während sein Gehirn versuchte, Frederiks Worte zu verarbeiten. Bei dir.

Sein Puls donnerte in seinen Ohren, und er spürte, wie ihm die Hitze ins Gesicht schoss. „Was?" Es war kaum mehr als ein Flüstern, aber Frederiks Blick ließ keinen Zweifel daran, dass er genau gehört hatte, was er gesagt hatte.

Frederik zögerte nur kurz, dann zog er tief die Luft ein. „Ich... bei dir. Ich habe diese Nervosität immer, wenn ich in deiner Nähe bin." Er sprach ruhig, mit Bedacht, doch es war deutlich zu hören, dass es ihn Überwindung kostete, das auszusprechen. „Ich wollte dir das schon so oft sagen, aber ich hatte Angst, dass du... anders fühlst."

Er starrte ihn weiterhin an. Frederiks Worte schwebten schwer und bedeutungsvoll im Raum, während sein eigener Kopf sich wie ein rasendes Karussell anfühlte. Sein Herz hämmerte so laut, dass er sich sicher war, Frederik musste es hören können.

„Ich... ich weiß nicht, was ich sagen soll", stammelte er schließlich, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern.

Frederik hob leicht die Schultern, als wolle er damit die Spannung zwischen ihnen lockern, doch seine Augen blieben ernst. „Du musst nichts sagen, Ollie. Ich wollte einfach nur ehrlich sein."

Dieser Moment war alles, was er sich je erträumt hatte, und doch konnte er sich keinen schlimmeren Zeitpunkt vorstellen. Wie sollte er Worte finden, wenn sein Kopf so laut schrie und seine Gedanken ineinander überstürzten?

„Ich dachte... ich dachte, du wärst mit Dennis zusammen", platzte er plötzlich heraus. Seine Stimme klang zu hoch, seine Worte überhastet, aber er konnte nicht anders.

Frederik sah ihn an, erst verwirrt, dann amüsiert. „Dennis?" Er schüttelte den Kopf und ein leichtes Lächeln stahl sich auf seine Lippen. „Nie im Leben! Dennis ist mein bester Freund. Nicht mehr."

„Oh." Mehr brachte er nicht heraus, während er sich langsam aber sicher wie der größte Idiot der Welt fühlte. Immer noch. All die Monate des Zauderns und Zweifelns – und alles wegen eines Missverständnisses.

Frederik trat einen kleinen Schritt näher. „Und was ist mit dir?", fragte er leise. „Ich meine... Also... Was fühlst du?"

Er wusste, dass dies der Moment war, vor dem er sich gefürchtet hatte, und doch war es genau der Augenblick, den er sich so sehr gewünscht hatte. Die Worte blieben ihm im Hals stecken, seine Nervosität lähmte ihn. Doch dann sah er in Frederiks Augen – und darin lag keine Spur von Zweifel oder Dringlichkeit, nur diese warme, unerschütterliche Geduld, die er an Frederik so bewunderte.

„Ich..." Er atmete tief durch, seine Hände zitterten leicht, während er an seinem Shirt herumfummelte. „Ich hab mich in dich verliebt", sagte er schließlich, seine Stimme leise, aber klar.

Frederiks Gesicht erhellte sich sofort, als hätte jemand die Sonne in seinen Augen angeknipst. „Das wollte ich hören", sagte Frederik sanft, und plötzlich war da diese Nähe, die er kaum bemerkte, bis sie sich berührten.

„Es tut mir leid, dass ich so ein Feigling war", fügte er hinzu, ein immer noch unsicheres Lächeln auf den Lippen.

Frederik schüttelte leicht den Kopf und hob eine Hand, um sie vorsichtig auf seinen Arm zu legen. „Du bist kein Feigling, Ollie. Du bist mutiger, als du glaubst."

Für einen Moment schien die Welt um sie herum stillzustehen. Dann, mit einer Zärtlichkeit, die ihm den Atem raubte, beugte Frederik sich ein Stück vor. Es war keine Eile in seiner Bewegung, nur ein Stilles, fragendes Angebot.

Er wusste, dass er jetzt nicht weglaufen durfte – nicht vor Frederik und vor allem nicht vor sich selbst. Auch er schloss die Augen und kam ihm entgegen.

Der erste Kontakt ihrer Lippen war zaghaft, ein wenig schüchtern, doch es fühlte sich richtig an. So richtig, dass er sich fragte, warum er jemals daran gezweifelt hatte.

Als sie sich schließlich voneinander lösten, war es Frederik, der mit einem warmen, verschmitzten Lächeln sprach. „Das war doch gar nicht so schwer, oder?"

Er lachte leise, die Anspannung wich langsam aus seinem Körper. „Na ja, vielleicht ein bisschen."

„Dann sollten wir es öfter üben", erwiderte Frederik, und diesmal war er es selbst, der grinste – breit und glücklich, zum ersten Mal seit einer Ewigkeit.

Der Kreis aus Unsicherheit und Missverständnissen war endlich durchbrochen.

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