Misforståelse
Part 2
Barcelona, Spanien
Kurz darauf
Oliver
„Ollie? Hey, wir müssen langsam mal los."
Das wusste er ja. Aber er war nicht bereit dafür. Zumindest fühlte es sich so an. Natürlich wusste er, wie man solche Dinge beiseiteschob und seinen Job machte. Das musste man zwangsläufig können, wenn man in diesem Sport was erreichen wollte. Trotzdem fiel ihm das gerade alles andere als leicht. Warum musste das denn alles so kompliziert sein?
Wenigstens hatte er noch Jak, der ein bisschen darauf achtete, dass er nicht alles um sich herum vergaß. Was würde er nur machen, wenn er ihn nicht hätte? Bestimmt wüsste das halbe Team dann schon, was mit ihm los war und dann würde er sich womöglich ganz schön was anhören dürfen. Nein, es sollte lieber nicht die Runde machen, dass sich nahezu jeder Gedanke in seinem Kopf um Frederik drehte.
„Ich komme ja schon", seufzte er, als er sich endlich hochgehievt und zur Tür gekommen war. Wenigsten gab es ja die Möglichkeit, sich ein wenig zurückzuziehen. Das brauchte es auch. Sonst würde man an manchen Wochenenden wirklich komplett freidrehen. Nur sollte man dann eben nicht so sehr in seiner eigenen Welt versinken, dass man gar nichts mehr mitbekam oder aus dem Blick verlor, wann man wieder losmusste.
„Schon ist gut", entgegnete Jak ihm auch sogleich und runzelte etwas die Stirn, als er ihn durchaus besorgt musterte. „Hast mal in den Spiegel geguckt?"
„Nee, wieso?", antwortete er wahrheitsgemäß. Als er in seinen kleinen Raum gestürmt war, hatte er echt andere Sorgen gehabt und wollte einfach nur vergessen, dass er sich wegen Frederik schon wieder komplett verrückt machte.
„Weil du ganz schön mitgenommen aussiehst. Geht's dir gut?", wollte Jak von ihm wissen. Im Grunde war ja klar, dass er ihm nichts vormachen konnte. Wem überhaupt? Der Einzige, der nicht zu kapierte, wie sehr er innerlich verging, war ausgerechnet Frederik. Sein Leben wäre so viel leichter, wenn dieser einfach merken würde, was los war und die Initiative ergriff und dann wäre alles gut. Oder nicht?
Gut, sicherlich wäre das etwas zu einfach. Nur, wieso mussten Dinge denn immer kompliziert sein? Wieso ging es denn mal nicht ganz leicht? Sein er überhaupt dazu in der Lage war, sich zu verknallen, passierte ihm dauernd so eine Scheiße. Immer verschoss er sich in Typen, bei denen es so aussichtslos war, wie gehaltvolle Kommentare von Will Buxton.
„Ja, sicher. Wieso denn nicht?", log er also. Er musste ja irgendwie mal wieder klarkommen, nur hätte er dabei auch wissen können, dass Jak das durchschauen würde. Der war schließlich kein Vollidiot. Nach dem Abgang, den er vorhin hingelegt hatte, müsste Jak schon ein ziemlicher Schwachkopf sein, um nicht zu erahnen, was los war.
„Vielleicht wegen vorhin? Und es tut mir leid. Ich wollte dich nicht in Verlegenheit bringen. Ich glaube nur nicht, dass es dir hilft, wenn du ihn weiterhin aus der Ferne anstarrst", gab Jak sich schuldbewusst, was er gar nicht musste. Er nahm es ihm gar nicht übel, dass er für diesen unfreiwilligen Blickkontakt gesorgt hatte. Es war ihm eben nur zu viel gewesen.
„Das stimmt ja auch. Das hilft nicht. Aber was soll ich denn sonst machen? Ich will mich vor ihm nicht lächerlich machen", entgegnete er also, denn das war dabei einfach eine größte Befürchtung. Frederik war immerhin drei Jahre älter. Das mochte nicht viel sein, aber bei ihnen war es eben der entscheidende Schritt von der Minderjährigkeit zur Volljährigkeit, der dazwischenstand und das konnte einem wie Welten vorkommen.
Der hatte doch auf allen Gebieten schon einen riesigen Vorsprung auf ihn. Wenigstens bildete er sich das ein und das hemmte ihn noch zusätzlich. So bekloppt das auch war, nur was sollte er gegen diese Aufregung tun? Und wenn er aufgeregt war, dann redete er totalen Mist und das wollte er auf gar keinen Fall. Dann sah er aus wie ein Idiot.
„Ollie, es ist nicht lächerlich, jemanden zu lieben. Und Fred wirkt schon wie einer, der sowas weiß. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er dich auslacht oder sowas, wenn du ihm die Wahrheit sagen würdest", versuchte Jak ihm Mut zu machen und den Eindruck hatte er auch selbst, nur war das Risiko eben immer da und er traute sich nicht, es einzugehen.
Er biss sich auf die Lippe und wusste kaum, wie er das in Worte fassen sollte.
„Das glaub ich ja auch nicht. Er ist sicher ganz toll in diesen Dingen. Aber entweder, er wird mir sagen, dass er schon in einer Beziehung ist oder dass er auf Frauen steht. Ich kann nur verlieren", war er sich vollkommen sicher. So viel Glück konnte er einfach nicht haben, dass der andere das freudig zur Kenntnis nehmen würde. Selbst, wenn Frederik auf Männer stehen und tatsächlich noch Single sein sollte – was für ihn unvorstellbar war – hieß es ja noch lange nicht, dass er auch auf ihn stand. Er bräuchte schon etwas, was einem Sechser im Lotto gleichkam, damit das funktionierte.
„Nein, du kannst nur gewinnen. Weil jetzt fühlst du dich richtig scheiße und bist in deinen Bedenken komplett gefangen. Wenn du mit ihm sprechen würdest, dann könntest du mehr rausfinden und dann wüsstest du wenigstens mal, woran du bist", meinte Jak und das klang sogar sehr schlüssig in seinen Ohren. Es war zum Haareraufen. Er wollte doch gar nicht so feige sein...
„Du hast ja auch Recht. Ich weiß auch nicht, wieso ich mich so blöd anstelle. Aber, wenn er so vor mir steht, da strahlt einfach alles an ihm und dann kann ich gar keinen klaren Gedanken mehr fassen. Und dann sag ich immer nur ‚Hi' und verschwinde wieder." Was echt bescheuert und extrem peinlich war. Er wollte gar nicht wissen, wie hohl das auf andere Leute wirken musste.
„Aber er strahlt dich immer noch an, also ist das was Gutes. Das würde er nicht, wenn er dich nicht mindestens sehr mögen würde. Du bist ihm sicher auch sympathisch. Ich meine, wie kann man dich auch nicht mögen?", gab Jak einfach nicht auf, ihm ein wenig Mut machen zu wollen und brachte ihn damit tatsächlich kurz zum Lächeln.
Er musste es ihm echt hoch anrechnen, dass er das alles so geduldig mit ihm mitmachte.
Er war sicherlich nicht immer einfach, konnte manchmal komplett durchdrehen, wegen irgendwelchen dummen Gedanken, die er sich machte. Seine Stimmungsschwankungen waren sicher nicht so angenehm, aber Jak sagte nie etwas Böses darüber, nahm es so hin und blieb einfach ein verdammt guter Freund. Anders konnte er es nicht sagen.
„Das ist lieb von dir, aber ich glaube einfach nicht, dass er so denkt oder es so sieht. Der denkt doch, ich bin nur ein kleiner Junge, der von nichts Ahnung hat." Okay, er wurde schon wieder dramatisch und diese Mutlosigkeit war echt nervig. Die brachte ihn ja auch kein Stück weiter. Er trat nur auf der Stelle rum.
„Wie kommst du denn darauf?", fragte Jak unwissend nach und er hasste das, wenn dieser Sachen so genau wissen wollte, die er überhaupt nicht gut erklären konnte.
„Weil... man, ich hab das mal zufällig gehört, als er mit Dennis geredet hat. Er meinte etwas davon, dass Rennfahrer auch immer jünger werden, wenn sie in den Formel-Sport einsteigen. Das ist doch sehr eindeutig, was er davon hält", verteidigte er seine Überzeugung, wobei er irgendwie ahnte, dass Jak diesen Zusammenhang nicht erkannte.
Und richtig, sein Teamkollege ließ seiner Verwunderung mimisch freien Lauf.
„Ich glaube, dass du da zu viel interpretierst. Das kann auch einfach eine Feststellung gewesen sein. Bewerte das doch nicht so stark. Wichtig wäre rauszufinden, was er zu dir sagt und nicht, was er zu anderen sagt", traf Jak es mal wieder genau auf den Punkt.
„Ja, das stimmt schon. Tut mir leid. Ich stell mich absolut bescheuert an", musste er sich natürlich eingestehen. Es gab so Momente, in denen fand er sich ja selbst ätzend und ziemlich anstrengend. Er hatte keine Ahnung, wie seine Mitmenschen das manchmal mit ihm aushielten. Von Jak wurde er dafür allerdings nur gutmütig ausgelacht.
„Das ist sicher normal, wenn man verliebt ist, denk ich", fand Jak.
„Es nervt trotzdem. Ich wünschte, ich würde es mir nicht so schwer machen", entgegnete er, denn das stand ihm wirklich im Weg und er wollte nicht irgendwann einmal schmerzhaft darüber stolpern. Jak schien das allerdings genauso zu sehen, wie er selbst.
„Das wünsch ich dir auch."
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Grid Tales
Fanfiction⊱ Wie sieht so eine Teambesprechung mit der FIA aus? Auf welche Art und Weise haben Nico und Lewis sich früher so duelliert? Was ging bei Checos Marketingtermin so gehörig schief? Was versteht man unter einem kleinen brasilianischen BBQ? Eine bunte...
