Teil 2: Smile Again | Daniel Ricciardo x Sergio Pérez

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Smile Again



Budapest, Ungarn
23. Juli 2016



Er sah ein wenig gequält aus, als er so m Fahrerlager saß und über die vergangenen Rennwochenenden nachdachte.
Was für eine Achterbahnfahrt... In Kanada hatte es nur für den zehnten Platz gereicht. Das war nach dem Podium in Monaco schon ziemlich enttäuschend, wenngleich er sich auch nicht eingebildet hatte, dass er es jetzt andauernd nach da oben schaffen würde.
Davon träumte er, klar. Aber er war ja nicht doof. Er wusste, dass sein Auto das eigentlich nicht hergab und dass er immer dann in Lauerstellung gehen musste, wenn die großen Teams patzten. Dann konnte er punkten und sich vielleicht noch etwas mehr verbessern.
Allerdings hatte es in Baku auch wieder mit einem dritten Platz geklappt. Zugegeben, sehr überraschend. Und auch, wenn er wieder von dem Debakel anderer profitiert hatte...

Was machte das für einen Unterschied? Wenn er schlecht gefahren wäre, hätte er das schließlich nicht ausnutzen können. Auch das zeichnete einen guten Rennfahrer aus. Auch wenn er wusste, dass ihm das nur die wenigsten Leute zuschreiben wollten.
Nach seinem Ausfall in Österreich hatte er das schließlich wieder deutlich zu spüren bekommen. Und das so kurz vor Rennende. Er verstand nicht, wie es zu diesem Bremsdefekt hatte kommen können. Und auch, wenn nichts passiert war, aber in die Streckenbegrenzung zu krachen war nie besonders schön.
Und obwohl die meisten im Team wirklich besorgt darum waren, dass ihm etwas passiert sein könnte und sich anschließend um aufbauende Worte bemüht hatten... Ein paar tuschelten trotzdem wieder hinter vorgehaltener Hand.
Sie sagten, er habe sicher nur wieder das Material unnötig verschlissen mit seiner Fahrweise und sei doch selbst schuld, dass er so oft ausfallen würde. Dass es Hülkenberg eher im Rennen auch mit einem Ausfall erwischt hatte, davon sprach niemand.

Nicht, dass er auf seinen Teamkollegen wütend war. Nein, von Nico selbst kam in die Richtung kein böses Wort, aber es belastete einen dennoch, wenn man merkte, dass im Team nicht jeder hinter einem stand.
In Silverstone war er dann gar nicht schlecht gewesen. Ein sechster Platz war für Force India immer eine große Leistung. Damit war er sogar einen Platz vor Nico geblieben und der hatte sich nicht über ihn beklagt. Keine Missstimmung, keine Blicke, die ihm verrieten, dass er lieber vorne gewesen wäre. Wäre er natürlich schon, aber er zeigte das nicht so.
Wenigstens einer... Aber hier und da waren die Stimmen wieder in eine andere Richtung gegangen. Vor allem, weil so viele der Meinung waren, dass Nico talentierter war, obwohl er die Podiumsplätze geholt hatte und nicht sein Teamkollege. Das war nicht fair. Es war auch nicht seine Schuld, dass Nico es noch nie dorthin geschafft hatte und darauf schon so lange wartete. Aber er war es nun einmal gewesen, der diese Chancen hatte nutzen können.
Dafür musste er sich bestimmt nicht rechtfertigen. Vor niemandem! Sie waren alle hier um zu gewinnen und ihr Möglichstes zu tun und... Und eigentlich wollte er über solche Dinge jetzt gar nicht nachdenken. Er hatte nämlich zu viel anderes im Kopf.

Genauer gesagt, jemanden...
Und das war nun genau seit Kanada der Fall. Da war ihm am Freitagabend aufgegangen, weshalb er zwei Wochen zuvor so wütend auf Hamiltons ganze Art gewesen war. Da war ihm klargeworden, weshalb es ihm so ein großes Bedürfnis geworden war, rauszufinden, was mit Daniel los war und seitdem...
Seitdem zerbrach er sich den Kopf darüber, was er machen sollte. Er hatte so etwas in die Art schon sehr früh geahnt. Aus dem Grund war es ihm auch gar nicht so schwergefallen, bereits mit fünfzehn seine eigenen Wege zu gehen und weit weg von seiner Familie zu sein.
Er hatte einfach nicht gewollt, dass sie etwas rausfanden. Wenn sie wüssten, welche Neigungen er so hatte, würden sie garantiert vollkommen austicken.

In den Jahren, seit seinem Auszug von zu Hause, war der Motorsport dann alles für ihn gewesen. Hier war er einfach viel zu beschäftigt, um zwischendurch mal nach Hause zu kommen, zu beschäftigt, um durchzuatmen und zu beschäftigt, um sich über dieses Thema überhaupt noch Gedanken zu machen.
Eigentlich war er wirklich froh darum gewesen. Vor allem, weil er nie einen anderen Fahrer anziehend gefunden hatte oder etwas Vergleichbares. Er hatte immer gewusst, dass das schwierig werden würde und hatte gehofft, dass er nie jemandem begegnen würde, in den er sich verlieben könnte, aber...
Genau das schien mit Daniel einfach eingetreten zu sein und nun wusste er einfach nicht, was er machen sollte. Das konnte er seinen Eltern doch unmöglich antun! Denn genauso würden sie es empfinden. Genauso hatten sie es ausgedrückt, als dieses Thema ein einziges Mal allgemein auf den Tisch gekommen war. Wenn er sich noch recht erinnerte, dann war das durch einen Fernsehbericht so gekommen und er hatte sich gemerkt, was seine Eltern sagten.
„Wie kann ein Kind seine Eltern nur so bestrafen, wenn sie doch immer alles getan haben!", lautete ihre Aussage und das hatte geschmerzt. Das hatte so richtig wehgetan und da waren ihm zwei Dinge klar geworden. Zum einen, dass er wirklich so war, dass er sich bei diesem Gefühl nicht getäuscht hatte und zum anderen, dass er es ihnen niemals würde sagen können.

Da, wo er herkam, war das sowieso nicht leicht. Schon alleine aus religiösen Gründen, würde er damit wohl immer im Konflikt stehen. Darum war er ja so froh, dass er sich davon hatte ablenken können, doch nun...
Nun hatte sein Abend mit Daniel das alles wieder aufgewirbelt. Und eigentlich würde er ihm momentan lieber aus dem Weg gehen, aber das konnte er dem Älteren auch nicht antun, nachdem er sich solche Gedanken um ihn gemacht und dieses Gespräch mit ihm geführt hatte. Er hatte doch die Erleichterung des Australiers gesehen, dass er endlich mit jemandem über das reden konnte, was Hamilton die ganze Zeit abzog. Da war es alles andere als fair, wenn er ihn jetzt einfach damit stehenließ. Das war nicht seine Art.
Trotzdem kostete das immer sehr viel Kraft. Daniel war immer so offen und ehrlich. Sich seinem Charme zu entziehen war sowieso schon unmöglich und dann passierten eben diese unverfänglichen Dinge... Wenn er nur einen Arm um ihn legte oder ihm in die Seite stieß, weil er einen Scherz gemacht hatte... Nichts, was einen normalerweise aus dem Konzept bringen würde, aber in seinem Fall sah das anders aus.
Und Daniel wusste garantiert nicht, was er mit diesen Gesten in ihm auslöste. Die entscheidende Frage bei alldem war jetzt bloß, wie er ihm das beibringen könnte. Aber wie er es auch drehen und wenden mochte... Am Ende musste er mit dem Red-Bull-Piloten reden und...

Er wusste einfach nicht, wie er das anstellen sollte, wenn ihm das Herz beim bloßen Gedanken schon fast aus der Brust sprang...

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