Teil 1: Request | Max Verstappen x Christian Horner

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Request


Montréal, Kanada
7. Juni 2015



Max



Es war frustrierend.
Bis auf den siebten Platz in Malaysia wechselten sich bei ihm Ausfälle mit Platzierungen außerhalb der Top-Ten ab. Das nervte ihn. Er wusste, dass mehr drin wäre und er wollte es eben allen zeigen. Keiner glaubte an ihn, weil er bereits mit siebzehn in die Formel 1 aufgestiegen war. Er musste sich beweisen, wollte es besonders gut machen und dann streikte entweder das Auto oder das Glück.
Sein Vater sah auch schon so unzufrieden aus. Der hatte das abschließende Meeting schon lange verlassen und kümmerte sich sicherlich um die Flüge. Er war selbst enttäuscht von sich, wollte das aber keinem so recht sagen. Ihm ging so viel durch den Kopf. Vor allem aber, dass Christian ihn so viel besser verstand. Red Bulls Teamchef, der so viel getan hatte und riskierte, damit er diese Chance bekam, bei Toro Rosso zu fahren und irgendwann sollte er bei Red Bull ein Cockpit erhalten.
Aber das musste er sich erarbeiten und dafür brauchte er gute Ergebnisse. Er kannte diesen Druck. Sein Vater hatte ihm das durchaus beigebracht, doch anders, als er erwartet hatte, setzte Christian ihn nie unter Druck. Tatsächlich hatte er wieder lobende Worte für ihn gehabt. Nach der Besprechung, hatte er einen kurzen Abstecher zu Christian gemacht. Er brauchte wohl die Sicherheit, dass von seiner Seite aus immer noch alles okay war.
Er wollte es einfach schaffen und nicht schon im ersten Jahr komplett versagen.

Er wusste auch nicht genau, was ihn dann plötzlich geritten hatte.
Als Christian ihm wieder sagte, dass es gut war, dass man immer noch zufrieden mit ihm und seinen Leistungen war, alles in die richtige Richtung ging und er nicht mehr Fehler machte, als andere Rookies, überkamen ihn diese Gefühle, die ihn schon so lange beschäftigten. Er war einfach aufgesprungen, hatte die Distanz zwischen ihnen schnell überwunden und den anderen einfach geküsst. Sowas hatte er noch nie gemacht. Sowas war ihm auch nie zuvor mal in den Sinn gekommen.
Das war ein reiner Reflex gegen den er gar nichts machen konnte. Er hatte Christian damit dermaßen überfahren, dass der im ersten Moment wohl gar nicht wusste, wie er darauf jetzt reagieren sollte und er selbst wusste auch, dass man sowas echt nicht machen sollte. Dafür könnte er direkt sein Cockpit verlieren oder noch Schlimmeres. Es war sicher ein Fehler, dass er diese Grenze überschritten hatte, weshalb er sich auch recht schnell wieder zurückzog.
Dabei hätte er lieber weitergemacht und darauf gehofft, dass Christian mitmachen würde. Klar, wenn er sowas wie Anstand im Leib hatte, ließ er das besser sein, nur wünschte er sich in diesem Moment, dass Christian dahingehend keinerlei moralische Vorstellungen hätte. Hatte er aber natürlich und das war ja auch gut so. Das war ja einer der Gründe, weshalb ihm an diesem Mann so viel lag und er sich überhaupt zu dieser überhasteten Aktion hinreißen ließ. Sein Verstand setzte komplett aus.

„Max, das geht auf gar keinen Fall", wurde ihm auch direkt mitgeteilt, als er bei den Schultern gepackt und wieder auf Abstand zurückgeschoben wurde.
Natürlich tat diese Zurückweisung ein bisschen weh, aber er wäre ein kompletter Trottel, wenn er geglaubt hätte, dass das anders ausgehen würde. So einer war Christian nicht. Es mochte hier sicher Teamchefs geben, die nichts dagegen hatten, ihren Fahrern ein paar Gefälligkeiten anzubieten, wenn sie bereit waren, körperlich ein bisschen aktiv zu werden. Aber er wusste ganz intuitiv, dass Christian nicht zu ihnen gehörte.
„Und warum nicht?", wollte er also wissen. Auch, wenn er sich das denken konnte, nur wollte er doch zumindest auch seine verschwindend geringe Chance nutzen zu erklären, was dabei in ihm selbst vor sich ging. Natürlich war das zum Scheitern verurteilt, aber möglicherweise würde er wenigstens ein bisschen verstanden werden.
„Weil ich locker dein Vater sein könnte und du noch nicht einmal volljährig bist. Wie denkst du dir das denn?", nannte Christian ihm direkt auch zwei Gründe, die schwer von der Hand zu weisen waren. Aber Christian war nicht sein Vater und dieser Kuss war ja auch von ihm selbst ausgegangen. Dennoch durfte er wohl nicht erwarten, dass das in den Augen des anderen irgendwas besser machte.
„Ich werde älter und ich will das wirklich", probierte er also zu insistieren, biss jedoch auf Granit. Wieder frustrierte es ihn, obwohl er es auch verstehen konnte. Immerhin waren die Gesetze in dieser Hinsicht fast überall auf der Welt sehr eindeutig. Zumindest innerhalb Europas. Nur irgendwie war ihm das gerade total egal.

„Das ist nicht der Punkt. Das können wir auf gar keinen Fall tun", blieb Christian wie erwartet bei seiner Linie. Was sollte er auch sonst machen? Das Schlimmste war wirklich, dass er ihn so gut verstehen konnte und eben doch so sehr wollte, dass er von seinen Überzeugungen etwas abrücken könnte. Er wüsste nämlich nicht, was er sich mehr wünschte, als diese körperliche Nähe zwischen ihnen. Der Gedanke daran hielt ihn dauernd wach.
„Wieso nicht? Wenn es dich so stört, können wir auch warten, bis ich achtzehn bin", warf er mal ein, denn um diesen Wunschvorstellungen näher zu kommen, würde er tatsächlich eine ganze Menge tun. Er hatte sich nun einmal verliebt. Dagegen konnte er ja schwerlich etwas tun. Auch, wenn das möglicherweise niemand außer ihm verstehen konnte.
„Ich bin mehr als doppelt so alt wie du. Und ich werde mich sicher nicht strafbar machen oder sonst etwas", bekam er die nächsten Argumente, die sich nur sehr schwer entkräften ließen. Wie sollte er dagegen ankommen? Aufgeben war allerdings nicht seine Stärke.
„Aber du würdest es tun, wenn ich älter wäre", wagte er sich mutig vor. Denn er hatte durchaus das Gefühl, auch wenn das eventuell auch mehr seinen eigenen Sehnsüchten geschuldet war. Gut möglich, dass er sich da etwas einbildete, nur war ihm die Sache deutlich ernster, als man ihm wohl glauben mochte.
„Max, darüber will ich nicht einmal nachdenken. Ich bin verheiratet und hab eine Familie. Was willst du denn überhaupt mit mir? Es gibt doch sicher auch genügend nette Jungs in deinem Alter." Worte, mit denen er ebenfalls schon gerechnet hatte. Innerlich seufzte er. Es passierte exakt das, was ihm schon durch den Kopf geschossen war, wann immer er sich das hier vorgestellt hatte.

„Ich will aber keinen in meinem Alter, nur weil sich das so gehört. Diese Gefühle sind eben da und ich kann sie auch nicht ändern", blieb er also bei seiner ehrlichen Meinung.
„Dann überleg dir mal, was hier los ist, wenn dein Vater das rausfindet. Oder Helmut oder Didi. Das geht auf gar keinen Fall. Selbst wenn ich wollte", lehnte Christian weiterhin ab und er wünschte, er könnte ihm einen Blick in seinen Kopf werfen lassen, damit er wenigstens begriff, wie ernst ihm das Ganze hier war.
„Liegt es an mir? Bin ich dir nicht gut genug?" Gut, das mochte jetzt etwas albern sein, nur er wollte auch genau rausfinden, ob es da eine theoretische Chance gab.
„Das hat damit gar nichts zu tun. Du bist mir einfach nur deutlich zu jung für sowas", stellte Christian klar, nur reichte ihm das irgendwie nicht. Er wollte mehr.
„Na gut, aber nur, dass du es weißt, ich kann mich zurückhalten. Es würde keiner erfahren. Wir könnten es geheim halten. Auch vor meinem Vater. Er weiß gar nicht, dass ich auf Männer stehe", ging er komplett in die Offensive und setzte alles auf diese eine Karte.
„Wenn du deswegen Probleme hast, helfe ich dir jeder Zeit. Aber mehr kann ich dir auf gar keinen Fall geben. Das tut mir sehr leid", blieb Christian hart und das sorgte dafür, dass er nun tatsächlich etwas geknickt die Schultern hängen ließ. Er hatte selbstverständlich auf etwas anderes gehofft.

Wenigstens innerlich.
„Schon okay", murmelte er, nachdem er diese Abfuhr etwas verdaut hatte. „Aber ich garantiere dir, dass ich da nicht so schnell aufgeben werde. Ich möchte das. Auch, wenn du dir das nicht vorstellen kannst. Ich hab mir das sehr lange und gründlich überlegt."
Das hatte er wirklich und so lange er Christian noch dazu brachte, selbst nachzuhaken, machte er wohl nicht alles falsch und hielt sich womöglich eine verschwindend geringe Chance offen.
„Wie lange hast du darüber nachgedacht?", fragte Christian ihn mit ehrlichem Interesse.
„Seit den Wintertests im Dezember", gestand er. Das war schon ein halbes Jahr und er konnte nicht aufhören, darüber nachzudenken. Egal, ob das falsch war oder nicht.
„Das ist...", setzte Christian an, hatte aber keine Worte dafür.
„Schon ziemlich lange! Ich bin mir meiner Sache sicher und natürlich wusste ich, dass du das ablehnen wirst. Ich bin nicht blöd. Ich wusste, was du dazu sagst, deswegen wollte ich es nicht tun. Aber es ist, wie es ist und ich wollte einfach, dass du weißt, wie ich das sehe", begründete er sein Handeln so gut er konnte.
Worte, die Christian augenscheinlich tatsächlich etwas zu denken gaben.
„Das ist mutig und ich schließe nicht aus, dass ich dich wegen deines Alters auch unterschätze. Meine Haltung kann ich trotzdem nicht aufgeben", änderte es dessen Meinung jedoch nicht und das war ja auch verständlich. Auch, wenn es wahnsinnig schade war.
„Ja, ich weiß. Ich wollte nur jede Chance nutzen. Und dass du weißt, dass ich das nicht mache, weil ich mir davon Vorteile oder sowas verspreche. Ich weiß, dass du nicht so einer bist. Ich hab's nur gemacht, weil von meiner Seite echte Gefühle da sind, die ich nicht leugnen kann."

Er war nur froh, dass Christian ihn nicht direkt aus seinem Büro geworfen hatte.
Auch das hätte er durchaus verstehen können. Immerhin hatte er ihn einfach ungefragt geküsst und dummerweise hatte ihm das auch sehr gefallen. Er würde nun gewiss ewig nur noch an diesen Kuss denken können. Eine Ablenkung, die er nicht gebrauchen konnte, aber es war eben das, was er gerne wollte.
„Können wir ganz offen reden?", wurde er von Christian gefragt.
„Ja, sicher!" Das wäre ihm ohnehin lieber, als wenn sie hier umeinander herumdrucksten und keiner wirklich auf den Punkt kam. Auch, wenn es weh tun konnte, waren ihm ehrliche Worte um einiges lieber.
„Mir entgeht nicht, dass du ein schwieriges Verhältnis zu deinem Vater hast. Kann es nicht vielleicht eher sein, dass du in mir eher eine Vaterfigur siehst?", versuchte Christian in Erfahrung zu bringen und er konnte ihm nicht verübeln, dass er eine solche Intension hinter seinem Verhalten vermutete.
„Die Frage hab ich mir längst gestellt und das ist es nicht. Ich will keinen Ersatz für die Dinge, die ich mit meinem Dad nicht bequatschen kann. Ich will sehr viel mehr als das", gab er selbstsicher zurück, denn das war nichts als die Wahrheit.
Christian sah hingegen noch sehr skeptisch aus. „Bist du sicher?"
„Ganz sicher. Von einem Vater würde ich mich ja nicht vögeln lassen wollen, oder?", konterte er und brachte Christian damit augenscheinlich doch etwas in Verlegenheit.
„Ähm..."
„Du wolltest offen reden", zuckte er mit den Schultern.
„Ja, ich weiß", murmelte sein Gegenüber etwas peinlich berührt, fing sich dahingehend aber schnell wieder.

Einen Moment war es still zwischen ihnen.
Christian musste sich wohl erst einmal sammeln und die Informationen verdauen, die er ihm eben entgegengebracht hatte. Aber wie er bereits festgestellt hatte, konnte er wohl froh sein, dass sie überhaupt noch redeten.
„Max, wenn du über irgendwas reden willst, egal was es ist, du kannst immer zu mir kommen. Das ist kein Problem und ich helfe dir wo ich kann. Aber mehr kann ich dir nicht anbieten", schloss Christian ihr Gespräch schließlich ab und selbst, wenn er damit nicht das bekam, was er sich erhofft hatte, war er dennoch froh darüber.
Er hatte schon ein bisschen Angst gehabt, dass er es mit dieser Offensive vermasseln könnte, dass Christian ihn direkt wieder aus dem Nachwuchsprogramm nahm und bei Toro Rosso dafür sorgte, dass sie ihn direkt wieder rauswarfen.
„Klar, ich verstehe das schon. Aber vielleicht änderst du deine Meinung irgendwann ja", blieb er hoffnungsvoll. Natürlich würde er Christian nicht stalken oder sonst was veranstalten, nur seine Hoffnungen gänzlich aufgeben, konnte er auch nicht.
Es mochte sein, dass das für andere schwer nachzuvollziehen war. Jeder würde ihm raten, sich einen Freund in seinem Alter zu suchen. Nur verliebte er sich eben nie in jemanden, der in seinem Alter war und dazu wollte er sich auch nicht zwingen. Er fühlte, was er fühlte und er würde zumindest vor sich selbst dazu stehen, wenn er es überall sonst schon verbergen musste.


Es fiel ihm nicht so leicht, die Situation zu verlassen, aber es war besser so.
Christian musste sich bestimmt auch viel durch den Kopf gehen lassen. Er durfte ihm damit jetzt nicht auf die Nerven gehen. Ihm war klar, dass er ihn nicht mal so eben dazu kriegen konnte, was mit ihm anzufangen. Der Mann war verheiratet, hatte Kinder und vierundzwanzig Jahre mehr Lebenserfahrung. Er konnte da nicht mithalten, so sehr er es auch bedauerte.
Wenn er bei Christian jemals eine Chance haben wollte, würde das sicher eine Menge Zeit brauchen. Für jemanden, der so ungeduldig war, wie er, eine echte Herausforderung. Aber das war es ihm irgendwie auch wert. Wahrscheinlich würde jeder sagen, dass das seine Teenager-Hormone waren, dass er so viel Weitblick noch lange nicht hatte und gar nicht wusste, was er hier tat. Dass sich seine Gefühle noch änderten, wenn er älter und reifer wurde. Er konnte es nicht genau erklären, doch er fühlte, dass es nicht so war, wie alle glauben würden. Es war so viel mehr. Er konnte es nur nicht in Worte fassen.
Er hatte gar nicht mehr so sehr darauf geachtet, wo er langlief. Er wollte ja nur zurück zum Hotel, dann auf sein Zimmer und das Rennen irgendwie vergessen. Ihm war nicht aufgefallen, dass er bereits in der Lobby erwartet wurde. Er war einfach an ihm vorbeigerannt. Erst an den Aufzügen, wurde er eingeholt.

„Wo treibst du dich schon wieder rum?", wurde er ohne Begrüßung von seinem Vater gefragt und schrak heftig zusammen. Er wusste nicht, wo er so plötzlich herkam und hatte auch nicht mit ihm gerechnet. Er war davon ausgegangen, dass er schon auf seinem Zimmer war. Auf ihrem. Denn sein Vater duldete nicht, dass er sich vielleicht irgendwelche Ablenkungen mitnahm. Er hatte immer ein Auge auf ihn, ganz egal, wohin er ging.
Er hasste diese Dauerüberwachung. Wieso konnte sein Vater ihm denn nicht ein bisschen mehr vertrauen? Was sollte er denn schon großartig anstellen? Er war schließlich nur hier, um Rennen zu fahren. Alles andere interessierte ihn doch nicht. Gut und Christian, aber das durfte sein Vater unter keinen Umständen wissen. Der wäre schon mit jemanden in seinem Alter nicht zufrieden.
„Nirgendwo, wieso?", zuckte er also mit den Schultern. Das ging ihn doch nichts an. Es war so lächerlich, hier zu fahren und andererseits seinen Vater dauernd wegen jeder Scheiße um Erlaubnis zu fragen. Wenn man ihm zutraute, es mit den besten Rennfahrern der Welt aufzunehmen, konnte man ihm den Rest doch wohl auch zugestehen. Fand er wenigstens. Genauso wie er fand, dass sein Vater ohnehin nicht immer die besten Entscheidungen traf.

„Erzähl mir keinen Scheiß, Max. Wo bist du gewesen?", polterte sein Vater auch direkt los, als sich die Aufzugtüren schlossen und er heftiger als nötig auf den Knopf mit der Vier schlug.
Er kante diese Ausbrüche von seinem Vater schon, deswegen konnte er sich einigermaßen zusammenreißen und fuhr kein zweites Mal zusammen. Er wollte seinem Vater nicht erzählen, wo er gewesen war und erstrecht nicht warum. Also entgegnete er: „Meine Gedanken sortieren. Was spricht denn dagegen?" Er zuckte unbekümmert mit den Schultern um zu unterstreichen, dass er wirklich nichts ausgefressen hatte. Sein Vater durchschaute das direkt, was irgendwie auch zu erwarten gewesen war.
„Du warst noch bei Red Bull. Du warst bei Horner", konfrontierte sein Vater ihn mit der Wahrheit und das nervte ihn so krass. Was sollten diese dummen Spielchen immer? Wenn den etwas störte, dann sollte er es ihm halt sofort sagen und ihm nicht so kommen.
Es machte ihn wütend und das sorgte auch dafür, dass er ziemlich trotzig dagegenredete. „Wenn du das weißt, brauchst du mich ja nicht fragen", stellte er mit einem Schulterzucken fest und das brachte bei seinem Vater dann wohl doch irgendwie das Fass zum Überlaufen.
Er wusste überhaupt nicht, was er falsch gemacht hatte, als ihn die flache Hand seines Vaters schon direkt an der linken Wange traf. Diese fühlte sich sofort heiß an und schien augenblicklich anzuschwellen. Sein Vater hatte einen heftigen Schlag drauf. Er hielt sich die betroffene Stelle und sah seinen Vater nun mit recht großen Augen an. Er hatte es nicht kommen sehen.

„Ich will von dir nicht angelogen werden, verdammt noch mal!", wurde er von ihm angeschrien, fühlte sich unter seinen Aggressionen mal wieder klein, schwach und dämlich.
„Schon gut. Es tut mir leid, okay? Dad, ich wollte doch nur wissen, ob meine Ergebnisse zu schlecht sind. Ich will das Team nicht am Ende des Jahres verlassen. Was soll ich denn sonst da gewollt haben?", versuchte er sich also an einer vernünftigen Erklärung, denn anders kamen sie ja kein Stück weiter.
„Dass du ehrgeizig bist, werfe ich dir sicher nicht vor, aber ich verbiete dir, weiter wie so ein Hündchen zu dem zu rennen und dich anzubiedern. Du bist mein Sohn und du bist der beste Fahrer da draußen. Du bettelst niemanden an, du überzeugst sie von dir. Hast du das verstanden?", bläute sein Vater ihm mal wieder ein, doch er konnte ihm gar nicht richtig zuhören.
Sein Blick war fest auf den Boden gerichtet, während er versuchte, sich selbst zu kontrollieren. Jedes Mal für nichts so mies behandelt zu werden, wirbelte seine Gefühlswelt durcheinander. Er wusste, dass er sich nicht auflehnen konnte, aber das Bedürfnis, seinem Vater mal ein paar Zähne auszuschlagen, wurde immer heftiger.

„Ob du das verstanden hast, verdammt noch mal?!", polterte sein Vater, als er nach einer halben Minute noch immer nicht auf seine Worte reagiert hatte. Schon wieder machte es ihn verdammt wütend, wie sein Vater mit ihm umging. Das war genau das, was er meinte. Bei Christian hätte er sowas nie zu befürchten. Der brüllte ihn nicht an und der schlug ihn auch nicht, wenn er mal etwas vermasselte.
„Ja, ich bin ja nicht taub!", gab er einmal mehr trotzig zurück, woraufhin sein Vater direkt wieder andeutete, ihm eine reinzuhauen. Ausgeholt hatte er schon und er zuckte auch kaum noch zusammen. Er wusste immerhin, wie sich das anfühlte.
„Lass diese Frechheiten, Max. Du bist so weit gekommen, jetzt sei auch ein Mann", lautete die Ansage seines Vaters, als sich auch endlich die Türen des Aufzugs öffneten und sie ihre Etage erreicht hatten. Er wünschte so sehr, er müsste ihm jetzt nicht treudoof hinterherdackeln. Viel lieber würde er sich jetzt auf ein eigenes Zimmer zurückziehen.

Er wollte sich doch nur bei einem liebevollen Menschen mal richtig fallen lassen können.

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