Teil 3: Tricky | Arthur Leclerc | Felipe Drugovich x Logan Sargeant

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Tricky



Bahrain
17. März 2022



Er war froh, dass es nach der Winterpause endlich wieder losging.
Die viele Freizeit hatte ihm nicht wirklich gutgetan. Logan, Piastri und dieser verdammte Drugovich fuhren jetzt alle in der Formel 2, während er eben immer noch in der Formel 3 feststeckte. Es war nicht so, dass er deswegen mies drauf war. Damit kam er schon klar. Es war nur zu allem, was im vergangenen Jahr passiert war, der totale Dämpfer.
Logan wusste noch immer nicht, dass Drugovich ihn nur verarschte. Selbst derjenige zu sein, der es wusste, machte es nicht unbedingt leichter, aber etwas war ihm an diesem ersten Rennwochenende auch deutlich aufgefallen. Piastris schlechtes Gewissen. Der fühlte sich ganz sicher nicht mehr wohl in seiner Haut und klar würde er am liebsten zu ihm gehen und ihn daran erinnern, dass es seine verdammte Aufgabe wäre, Logan die Wahrheit zu sagen.
Die Zwei waren Freunde. Sicher, er wusste nicht, wie eng diese Freundschaft war, aber ein bisschen hatte er Piastri doch selbst schon erlebt und der Kerl konnte gewiss vieles sein, aber so eine Arschlochnummer stand dem Australier gar nicht. Er begriff nicht, wieso er nicht einfach ehrlich zu Logan sein konnte. Dann müsste er selbst nicht mehr ständig darüber nachdenken, wie er ihn darauf stoßen könnte.

Noch viel schlimmer war, dass Logan ihr kurzes Gespräch im Hotel wohl auch nicht vergessen hatte und ihn seither durchaus zu mögen schien.
Schon während den Wintertests und auch gestern, als sie hier angereist waren, ließ Logan es sich nicht nehmen, ihn sofort zu begrüßen, wenn er ihn sah und sich so furchtbar nett mit ihm zu unterhalten. Er fand ich nach wie vor unfassbar süß, mochte dieses Lächeln und die etwas schüchterne Art, die Logan unbestreitbar hatte. Er konnte sich in dessen Gegenwart ja kaum drauf konzentrieren, was der ihm sagte. Der war so unfassbar niedlich und er konnte es ihm nicht einmal sagen.
Er musste jedes Mal vor ihm stehen und daran denken, dass dieser furchtbar sympathische Mensch von seinem Partner und seinem Freund hintergangen wurde. Einerseits war es so schön, sich mit ihm zu unterhalten und in seiner Nähe sein zu können und andererseits machte das alles noch sehr viel schlimmer. Ein bisschen hatte er ja gehofft, dass das besser geworden war. Charles hatte ihn den ganzen Winter abgelenkt, noch mal ein wenig mehr mit ihm unternommen, als er es sonst schon tat, damit er nicht dauernd grübelnd auf dem Dach hockte. Er war sich so sicher gewesen, dass er darüber hinweg wäre.
Aber weit gefehlt. Jetzt fühlte er sich wieder genauso furchtbar und geknickt wie schon am Ende der vergangenen Saison. Er überlegte wirklich, ob er mal mit Piastri reden sollte. Es Logan mitzuteilen, würde er wohl nicht über sich bringen und klar müsste er damit zugeben, dass er etwas wusste, was er nicht wissen sollte, aber sie waren hier im Formel-Sport und nicht bei der Maffia. Er würde dafür schon nicht direkt irgendwo im Fluss versenkt werden.

Das war ihm natürlich alles beim Trackwalk durch den Kopf geschossen und nun...
Nun hatte er leider überhaupt nicht aufgepasst, was die Ingenieure ihm alles erzählt hatten. Er war so bescheuert! Wieso grübelte er nicht nachher auf dem Hotelzimmer, wo er alleine war? Warum musste er das denn ausgerechnet machen, wenn er aufpassen sollte?
Da musste er wohl wenigstens morgen in der Teambesprechung mal gut aufpassen. Er wollte ja nicht sofort den Saisoneinstieg vermasseln, nur weil er seine dummen Gefühle nicht im Griff hatte. Am besten, er fragte Charles mal, wann er mit allem durch war, dann könnten sie vielleicht wenigstens noch zusammen Essen. Es war schon toll, dass sie trotz ihrer vielen Termine immer so viel Zeit gemeinsam hatten, weil sie so oft an denselben Orten waren.
Er wollte ihm gerade schreiben, als ihm allerdings mal wieder jemand auffiel. Sofort senkten sich seine Schultern ganz automatisch, denn da hatte sich Logan ganz abseits der Strecke einen Platz gesucht, wo er mehr oder weniger für sich war. Niemand war bei ihm. Keiner vom Team und auch sonst war er komplett alleine. Und irgendwie verriet ihm dessen Haltung auch sehr deutlich, dass er Gründe haben musste, sich so zurückzuziehen.
Ja, eigentlich wollte er das alles einfach vergessen, nur Logan bedeutete ihm etwas. Völlig egal, ob der seine Gefühle erwiderte oder nicht. Er brachte es nicht über sich, ihn einfach so dort sitzen zu lassen, also steckte er das Handy wieder ein und ging zu ihm rüber.

„Alles okay?", sprach er ihn ohne Umschweife an, als er sich neben ihn setzte.
Offensichtlich erschreckte er ihn allerdings ein wenig damit, hier so völlig aus dem Off reinzuplatzen. Er war bei sowas auch nicht immer so geschickt, aber Logan sah ihn auch wahnsinnig zerstreut an. Vermutlich wäre es ganz egal gewesen, auf welche Art er aufgetaucht wäre, es hätte ihn dennoch aufgewühlt.
„Was?", wurde er sofort von ihm gefragt und er konnte ihm sehr deutlich ansehen, dass es ihm gerade nicht so gut ging. Er sah so nachdenklich aus und als habe er nicht sonderlich viel Schlaf bekommen.
„Ob alles okay ist?", wiederholte er also und sah, dass Logan sich irgendwie unwohl fühlte. Nicht seinetwegen sondern das wirkte sehr allgemein. Seine Körpersprache war diesbezüglich sehr eindeutig für ihn.
„Ähm... Ja... natürlich", probierte Logan aber zunächst, sich ein wenig rauszureden. Das war diese Unsicherheit, die er auch letztes Jahr schon bei ihm festgesellt hatte. Er konnte diese Dinge nicht sonderlich gut verbergen. Für ihn war das alle sehr offensichtlich. Er wünschte, er müsste vor ihm auch nichts verbergen.

„Du kannst echt nicht gut lügen. Aber ich kann auch nicht gut fragen. Es müsste eher heißen: Was ist los?", korrigierte er sich an dieser Stelle lieber und sah, wie Logan ein wenig das Gesicht verzog. Dieser typische Ausdruck, der sagte, dass es ganz lieb war, sich zu erkundigen, aber derjenige glaubte, es dennoch nicht erzählen zu können und richtig...
„Arthur, ich... Ich will dir nicht mit meinen Problemen in den Ohren liegen" wurde ihm geantwortet. So schätzte er ihn auch ein. Er war niemand, der schwach rüberkommen wollte, aber mit mehr Dingen zu kämpfen hatte, als man bewältigen konnte. Dadurch übernahm er sich selbst ganz automatisch und das tat ihm nicht gut.
„Ich würde dich nicht fragen, wenn es mich nicht ehrlich interessiert." Und ihn würde noch so viel mehr interessieren, was er ihn nicht fragen konnte. Dennoch tat er das hier nicht ausschließlich, weil er hoffte, Logan würde endlich mal seine Meinung ändern oder am besten seine Gefühle für diesen brasilianischen Klappspaten, sondern er machte es vorzugsweise, weil der andere ihm echt wichtig war.
Logan biss sich auf die Lippe, warf ihm einen unsicheren Blick zu. „Du sagst keinem was, oder?", vergewisserte der andere sich lieber noch einmal. Er hatte ja bei ihrem Gespräch letztes Jahr im Hotel schon deutlich gemerkt, wie schwer es Logan fiel, darüber zu sprechen.
„Ganz bestimmt nicht", versprach er ihm also erneut. Er würde sein Wort diesbezüglich niemals brechen. Nicht einmal dann, wenn Logan ihm aus irgendwelchen Gründen übel mitspielen würde. Nicht, dass er sich das bei ihm überhaupt vorstellen konnte. Aber für ihn gab es Dinge, die er auch niemals aus Rache oder dergleichen weitergeben würde.

Er beobachtete, wie Logan einmal tief Luft holte und den Blick wieder senkte.
„Ich glaub, ich pack das alles nicht", kam es ihm kurz darauf über die Lippen.
„Was meinst du?"
„Du sagst es schon selbst, ich kann nicht lügen. Dieses Jahr hab ich noch mehr Termine, als im letzten und immer hab ich dabei Angst, jemand könnte etwas merken", vertraute Logan ihm an, während er dabei war, an seinen Fingernägeln herum zu kratzen.
„Wieso das? Dir steht doch nicht auf der Stirn geschrieben, dass du auf Männer stehst", merkte er mit deutlich gedämpfter Stimme an, denn das sollte ja nun wirklich niemand außer ihnen hören.
„Das fühlt sich aber so an. Als würde es jeder sehen können und das macht mich fertig. Mein Freund ist schob ganz genervt davon."
Er verdrehte innerlich die Augen. Nicht, weil er von Logan genervt war oder so. Es war ja logisch, dass er den so bezeichnete. Er hasste ihn halt nur.
„Drugovich?"
Er konnte dessen Vornamen einfach nicht sagen, so sehr er sich auch bemühte.
„Ähm, ja..."
Schon niedlich, wie Logan sich jetzt ertappt in den Nacken griff. Es war echt schwer, hier zu sitzen und ihm zuzuhören und nicht die ganze Zeit daran zu denken, wie gerne er Drugovich auf die Fresse hauen wollte.

„Hast du mal versucht mit ihm darüber zu reden, dass dir das schwerfällt?", hakte er näher nach, wobei es ihn wundern würde, wenn dieser Knilch dafür die nötige Empathie aufbringen könnte. Wer beim Fremdgehen noch so schäbig über seinen Freund redete, wie er es in Sotchi getan hatte, konnte ja nicht sonderlich einfühlsam und verständnisvoll sein.
„Ja. Schon oft. Aber ich glaube, er ist genervt davon. Er sagt immer, dass ich nicht so viel nachdenken soll", eröffnete Logan ihm, was er sich irgendwie schon gedacht hatte.
Er musste aufpassen, dass er Drugovich jetzt nicht beleidigte. Logan wusste es nicht. Es wäre aus seiner Sicht komplett irrational, wenn er sich wegen dieser Information nun komplett über den ausließ.
„Das letzte stimmt schon, aber wieso ist er denn genervt? Es ist doch verständlich, dass man da erstmal Angst hat", probierte er sich lieber auf Logans Problem, als auf Drugovichs Verhalten zu konzentrieren.
„Findest du? Ich meine, es ist ja so und ich kann das sowieso nicht ändern...", ließ dieser durchblicken, was ihn natürlich ebenfalls aufhorchen ließ. Das klang so, als würde Logan sich wünschen, gar nicht schwul zu sein und wenn man damit haderte, konnte es einem das Leben unfassbar schwer machen. Er war so froh, dass es bei ihm anders war.

„Willst du es denn ändern?"
„Eigentlich nicht. Aber es würde viele Dinge leichter machen, wenn es anders wäre."
Den Gedanken kannte er zumindest ein bisschen. Klar wäre es angenehmer, nichts erklären zu müssen. In einer idealen Welt könnte man einfach schwul oder lesbisch sein und müsste das keiner Menschenseele erklären. Nur soweit war diese Welt noch lange nicht.
„Nicht wirklich. Ich hab gehört, dass Beziehungen mit Frauen auch verdammt kompliziert sind. Vielleicht erspart man sich auch viel", warf er mal eine etwas positivere Sichtweise ein. Damit wollte er selbstverständlich nicht sagen, dass Frauen schrecklich waren. Aber er bekam ja durchaus mal die Reibungspunkte zwischen seinen Brüdern und ihren Charlottes' mit. Das war immer noch bescheuert, dass beide eine Freundin mit demselben Vornamen hatten.
„Wow. Du kannst das alles so locker sehen. Ich wünschte, ich könnte das auch", meinte Logan und klang tatsächlich ziemlich bewundernd dabei.
„Das kommt schon noch. Weißt du es noch nicht so lange oder warum setzt dir das so zu?", wollte er von ihm wissen. Er hatte sich ja seit ihrer Begegnung damals durchaus einige Gedanken dazu gemacht.

Logan brauchte einen kurzen Moment, um das in Worte packen zu können.
„Ich weiß es schon ein bisschen länger, aber ich kann darüber nicht so wirklich reden..." Logan seufzte, fuhr sich durchs Haar und konnte ihn gerade nicht so richtig ansehen. „Mein Vater weiß nichts davon und der würde durchdrehen, wenn ich es ihm sage. Meine Mutter ahnt etwas, aber sie hält da auch nicht so viel von. Nur mein Bruder weiß Bescheid und akzeptiert das. Aber seitdem komme ich nicht mehr gerne mach Hause und suche nach Ausreden, es nicht zu müssen."
Das klang furchtbar in seinen Ohren. Er könnte es sich niemals vorstellen, ein derart schlechtes Verhältnis zu seiner eigenen Familie zu haben. Familie bedeutete bei ihnen eine Menge. Dass das hart für Logan sein musste, war daher wohl verständlich.
„Also besuchst du deine Familie kaum, weil du Angst hast, sie finden es raus und hassen dich dann?"
„Ja. Mein Vater würde das nie akzeptieren können. Eher schlägt der mich tot", lauteten die harten Worte, die Logan dafür übrighatte und das erschreckte ihn irgendwie schon. Wie konnten Menschen denn nur so sein? Manchen schien nicht bewusst zu sein, was für Geschenke das Leben ihnen machte.
„So schlimm?"
Logan nickte und ließ den Kopf und die Schultern noch deutlich mehr hängen.
„Ja." So leise, dass er es mehr von seinen Lippen ablas, als dass er es hörte.

Das war echt verstörend.
Natürlich wusste er eben nur, wie sein Vater war und konnte das schwer mit anderen Vätern vergleichen. Es war für ihn so unvorstellbar, dass es da draußen so furchtbare Exemplare gab.
„Aber er ist doch dein Vater", lautete daher auch sein vielleicht etwas verständnisloser Einwand.
„Das wird ihn dann nicht mehr interessieren. Ich bin für ihn sowieso schon in manchen Dingen eine Enttäuschung. Wenn das noch dazukommt..."
Das tat richtig weh. Dann hatte Logan nicht nur einen beschissenen Partner, einen miesen Freund, sondern auch noch einen entsetzlichen Vater. Das war nicht fair.
„Das heißt, du spielst eigentlich allen etwas vor." Das musste so unfassbar anstrengend sein.
„Das muss ich...", zuckte Logan mit den Schultern, wollte dann aber nicht länger bei sich selbst bleiben und fragte ihn stattdessen: „Wie ist das eigentlich bei dir gewesen? Weiß deine Familie das?"
„Ja, sie wissen Bescheid. Bei uns war das aber für niemanden ein Problem. Ich weiß es schon ziemlich lange. Das war einfach offensichtlich", gab er also zu.
„Echt?"
„Naja, wenn sich bei den hübschesten Mädels nichts tut, aber beim Baden mit den Kumpels, muss man wohl nicht mehr grübeln, was los ist."
Das war echt peinlich gewesen. Er hatte sich deswegen ja nicht mehr aus dem Wasser getraut und irgendwann wurde es schwer, vernünftige Begründungen zu finden. Er war darin sowieso schon immer mies.
„Oh...", machte Logan erst einmal etwas peinlich berührt, aber er hatte nichts dagegen, dass er darüber ein wenig lachte. Das war lange her und triggerte ihn sicherlich auch nicht. Er hatte ja immer jemanden gehabt, mit dem er reden konnte. „Und dann?"

Das war nicht schwer zu beantworten.
„Ich hab's Charles zuerst gesagt. Ich hatte nämlich auch Angst, wie unsere Eltern darauf reagieren und Charles stehe ich näher. Da wusste ich ganz intuitiv, dass er das nicht verurteilen wird. Aber ich brauchte mir keine Gedanken machen. Meine Mutter hat das wohl auch längst geahnt, Lorenzo hat es überrascht, aber das ist alles und mein Vater war ziemlich erleichtert, dass ich es gleich gesagt und mir nicht ewig Gedanken deswegen gemacht hab."
Daran erinnerte er sich noch sehr gut. Wie er erfuhr, wäre es für seinen Vater eine schlimme Vorstellung gewesen, hätte er das ewig mit sich ausgemacht und sich deswegen schlecht gefühlt. Er war immer darum bemüht gewesen, dass sie alle immer zu ihm kommen konnten, ganz egal worum es ging. Er hatte ihnen immer zugehört.
„Wirklich? Er hat überhaupt kein Problem damit gehabt?", konnte Logan das aufgrund seiner Erfahrungen nicht so ganz glauben. Kein Wunder. Er wünschte, Logan hätte auch so einen tollen Dad, denn er selbst wusste es sehr zu schätzen, dass er sich wegen seinen Neigungen nie hatte schämen oder vor seiner Familie verstecken müssen.
„Nein. Mein Vater hat mir gesagt, wen man liebt ändert nicht, wer man ist", vertraute er Logan also den vermutlich wichtigsten Satz an, den sein Vater ihm jemals gesagt hatte. Daran würde er sich immer erinnern und ihm unendlich dankbar dafür sein. Und besonders schön war, dass Charles erste Worte darauf ungefähr dieselben gewesen waren. So eine Einigkeit darüber in der Familie, gab einem verdammt viel Sicherheit.

Obwohl Logan traurig aussah, lächelte er über diese Worte.
Das bedeutete ihm etwas. Viele Menschen konnten sich nicht ehrlich darüber freuen, wenn andere etwas hatten, was man selbst nie bekommen würde. Es freute ihn, dass Logan nicht so war und dass er offensichtlich genauso toll war, wie er immer von ihm gedacht hatte.
„Dein Dad muss ein toller Mensch gewesen sein", stellte Logan fest und es war schön, es aus seinem Mund zu hören. Er redete ja auch nicht mit jedem Menschen auf der Welt über seinen Vater. Es tat selbstverständlich auch nach vier Jahren noch wahnsinnig weh, dass er nicht mehr da war, wenn man nach Hause kam.
Trotzdem fühlten sie sich ihrem Vater immer noch sehr nahe und dadurch, dass er ihm damals davon erzählt hatte, war heute auch das gute Gefühl da, dass er sich dafür freuen würde, wenn er irgendwann mal einen Freund hatte, mit dem er glücklich war.
„Das war er auch. Deswegen find ich es schlimm, wenn deiner dich dafür verurteilen würde. Bist du sicher, dass man es ihm nicht erklären kann?" Sicher, Logan würde es kaum so drastisch formulieren, wenn es anders wäre. Er wünschte sich nur irgendwie so sehr, dass es anders sein könnte. Logan verdiente es nicht, dass er umgeben von Menschen war, die ihm das Leben so schwer machen mussten.
„Nein. Das geht auf keinen Fall. Er...", erklärte Logan sofort aufgewühlt und man merkte richtig, wie extrem ihm das zusetzte. „Nein, du müsstest ihn reden hören und ich weiß, dass sie einen alten Schulfreund von ihm mal ganz übel zusammengeschlagen haben, als sie sowas über ihn rausgefunden haben. Und die waren bis dahin wirklich eng miteinander. Ich weiß hundertprozentig, dass er damit ein gewaltiges Problem haben würde."

Also so, wie man es aus schlechten Filmen und leider auch manchmal dem realen Leben kannte. Wieso konnten Menschen nicht sehen, wie wertvoll eine Familie war und dass man sich mit seinen übersteigerten Erwartungen an Perfektion nur um ganz viele schöne Momente brachte, die man stattdessen haben könnte.
„Das ist echt hart...", fand er. Dass Logan darunter sehr litt, konnte er ihm ansehen. Er konnte ihm natürlich nicht einen besseren Vater geben oder ihm komplett die Angst nehmen. Er konnte ihm nur eine Sache anbieten. „Aber du kannst immer mit mir reden, wenn dir das hilft. Ich kann vielleicht deinen Dad nicht ändern, aber wenn du etwas loswerden willst, dann kannst das jeder Zeit."
Manchmal tat es schon unendlich gut, jemanden zu haben, der einen verstehen konnte. Das ersetzte nicht das, was innerhalb der Familie falschlief und es war für ihn selbst schwer, Logan nur ein Freund und nicht der Freund zu sein. Aber er mochte ihn wirklich und er liebte ihn nun einmal auch. Da konnte er seine eigenen Bedürfnisse zurückstecken.
„Meinst du das ernst?", wollte Logan etwas ungläubig von ihm wissen. Noch ein Angebot, welches er wohl bisher in seinem Leben noch nicht bekommen hatte.
„Natürlich. Ich würde dir sowas nie anbieten, wenn ich es nicht so meinen würde, darauf kannst du dich verlassen", versprach er ihm also. Niemand verdiente es, mit solchen Ängsten und Sorgen alleine zu sein. Er wusste nicht, ob er tatsächlich viel für ihn tun konnte, doch wenn es nur ein bisschen war, stellte sich die Frage, ob er es tat auch gar nicht.

„Das ist... Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. So nett wie du sind die Wenigsten", hatte er Logan wohl etwas sprachlos gemacht und dieses Kompliment brachte ihn durchaus selbst ein wenig in Verlegenheit.
„Das ist keine große Sache", redete er das automatisch ein bisschen klein.
„Für mich schon. Mit Felipe kann ich nie so über das alles reden."
Schlimm genug. Der Trottel bezeichnete sich schließlich als Logans Freund. Da sollte er ihm gefälligst zuhören und ihm beistehen, wenn er Sorgen hatte.
„Vielleicht kann er nicht so gut über Gefühle reden", warf er ein. Das ging ihm nicht leicht über die Lippen. Er wollte den Arsch nicht in Schutz nehmen, nur wollte er auch nicht Gefahr laufen, etwas auszuplaudern.
„Das kann schon sein. Aber manchmal hab ich das Gefühl, er will nur...", setzte Logan an und wurde dann allerdings schon wieder ein bisschen rot.
„Nur?" Eigentlich konnte er es sich ja denken.
„Naja, nur Sex und nie reden."
Definitiv und wenn er dann sexuell frustriert war, weil sein liebenswerter Freund es wagte, mal reden zu wollen, speiste er ihn ab und bumste einfach mal mit dessen Kumpel rum. Da konnte einem echt nur schlecht werden.
„Dann mach ihm klar, dass du dir dafür zu schade bist."
Denn das sollte Logan. Er war so ein freundlicher und toller Mensch. Er hatte mehr verdient, als nur jemand zu sein, mit dem man sich ein bisschen Spaß gönnte. Wer ihn zum Freund hatte, sollte sich für ihn interessieren und dafür sorgen, dass es ihm gutging.
Und viel mehr noch...

„Ich bin nicht so selbstbewusst wie du", meinte Logan, was er sich kaum vorstellen konnte.
Klar, er war schüchtern, aber er schätzte ihn da nicht weniger selbstbewusst ein, als sich selbst. Er hatte auch oft Zweifel an sich selbst.
„Das bin ich auch nicht."
„Das glaub ich dir nicht."
Da waren sie dann offensichtlich schon Zwei.
„Dann achte mal drauf, wenn ich aus dem Auto steige. Dann siehst du mein Selbstbewusstsein sicher schreiend vor mir davonlaufen", entgegnete er und brachte Logan damit zum Lachen.
Er mochte dieses Lachen. Hoffentlich würde er ihn noch häufiger dazu bringen können. Eigentlich hätte dieser ganze Moment wirklich verdammt schön sein können. Zumindest, bis plötzlich eine andere Stimme zu hören war, die dafür sorgte, dass sie sich beide umdrehten.
Dieser Blödmann hätte gerne irgendwo auf dem Flug hier her verschollen gehen dürfen.

„Ach, hier steckst du also!", richtete Drugovich das Wort auch sofort an Logan, dessen Lächeln auf seinem Gesicht nahezu komplett erstarb.
„Felipe...", kam es Logan noch über die Lippen, als dessen dämlicher Kerl schon weiterredete.
„Was wird das hier?"
Das war doch pure Eifersucht. Und wenn Drugovich da nicht aufpasste, war dieses Verhalten genauso auffällig, wie Logans Nervosität. Zum Glück war er schon im Bilde, sonst hätte er sich vermutlich auch einfach nur über dessen Erscheinen gewundert und was er von Logan wollte. Aber er wusste ja Bescheid.
„Wir haben uns nur kurz unterhalten."
Logans Worte klangen tatsächlich wie diese typische Ausrede, mit der man den eifersüchtigen Partner wieder beruhigen wollte.
Diese Beziehung war doch einfach nur toxisch. Warum konnte Logan das nicht sehen, Schluss machen und ihn endlich von seiner Schweigepflicht erlösen. Schon wieder würde er so gerne sagen, was er wusste, aber das würde ihm in diesem Augenblick gerade nicht helfen.
„Pfff, worüber willst du dich denn mit Leclerc unterhalten? Der kann nicht mal seinen eigenen Namen richtig schreiben."

Interessant.
Gut, er wusste um seinen verpeilten Ruf, den versteckte er ja auch nicht. Er musste der Welt nicht beweisen, dass er Mr. Perfect war. Aber er fand es ganz schön drüber, wie Drugovich ihn hier anging, obwohl sie noch nie ein wirklich ein Wort miteinander gewechselt hatten.
„Felipe!", empörte Logan sich auch direkt, aber verteidigen konnte er sich sehr gut selbst.
„Den muss ich nicht schreiben können. Ich bin nicht so selbstverliebt, mich nur mit mir selber zu beschäftigen", gab er gelassen und möglicherweise seinerseits auch mit einer leichten Arroganz zurück. Er würde sich hier zwar nicht bis aufs Blut mit diesem lächerlichen Trottel zoffen, aber er würde sich von dem ganz sicher nicht alles gefallen lassen.
„Willst du mir was unterstellen?", sprang dieser Dummkopf auch noch direkt darauf an.
„Fühlst du dich denn angesprochen?", konnte er seine Impertinenz seinerseits auch nicht mehr ganz zurückhalten. Was sollte man auch machen, wenn Drugovich einem solche Vorlagen gab?
„Vorsicht, überleg dir besser, mit wem du dich hier anlegst, Kleiner."
Lächerlich.
„Das weiß ich besser als du denkst."

Und damit war der Schlagabtausch auch beendet.
Logan warf ihm noch einen entschuldigenden Blick zu, bevor er mit Drugovich verschwand. Er hätte gerne gewusst, was da zwischen den Beiden los war, was sie einander nun sagten, was der Idiot ihm alles vorwerfen würde.
Hoffentlich hatte er es mit seiner Art nicht schlimmer für Logan gemacht. Ob er nach diesem Auftritt überhaupt noch mal wagen würde, sich irgendwo mit ihm zu unterhalten? Er wusste es nicht. Er würde noch mal mit Charles darüber reden. Wen sollte er sonst fragen? Vielleicht wusste er ja, wie er sich nun am besten verhalten sollte.
Außerdem hatte er vor mit ihm darüber zu reden, ob er Piastri mit seinem Wissen konfrontieren sollte. Er war sich nicht ganz sicher, ob das der richtige Weg wäre. Vielleicht sollte er sich auch besser aus allem raushalten, nur fiel ihm das schwer.
Was würde er nur machen, wenn er Charles nicht um Rat fragen könnte. Bei ihm konnte er sich ganz sicher sein, dass er das trotz allem ernstnehmen und ihm nicht zu irgendeinem Mist raten würde.
Er zückte also das Handy, um seinem Bruder endlich die Nachricht zu schreiben, die er ihm vorhin schon hatte schicken wollten. Wie er sah, hatte Charles sich in der Zwischenzeit gemeldet und seinerseits gefragt, ob er heute Abend noch Verpflichtungen hatte.

Wenigstens das ließ ihn wieder lächeln.

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