Teil 4: Troublemaker | Arthur Leclerc | Felipe Drugovich x Logan Sargeant

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Troublemaker



Imola, Italien
21. April 2022



An das Gespräch mit Logan hatte er noch häufiger denken müssen.
Es hatte ihn den vergangenen Monat über durchaus beschäftigt und obwohl sie ihre Nummern getauscht hatten, hielt er sich doch ziemlich zurück. Er fürchtete, dass er Logan die ganze Wahrheit unüberlegt schreiben würde, wenn sie nun regelmäßigen Kontakt hätten. Er wollte ihm auch nicht so stark das Gefühl geben, sich in ihn verliebt zu haben. Das könnte ihm schließlich auch unangenehm sein.
Er hielt es für besser, wenn Logan selbst begriff, dass Drugovich ein blödes Sackgesicht war. Er wollte das nicht aktiv zerstören. Nicht, weil er wollte, dass Logan noch länger mit so einem zusammen war, nur würde es bei ihm wohl nicht gut ankommen, wenn er ihm erst seine Beziehung schlechtredete und dann ein Liebesgeständnis ablegte. Außerdem half es Logan sehr viel mehr, es selbst zu erkennen, statt ihn auf das Offensichtliche hin zu weisen.
Der Trackwalk bot sich ein wenig dafür an, diese Gedanken zu ordnen. Er war unsicher und wusste auch nicht so recht, ob es richtig war. Er hatte große Bedenken, die Sache völlig falsch anzugehen. Er konnte Logan einige Schritte vor sich erkennen und nicht nur das. Etwas abseits stand Oscar, der die ganze Zeit in Logans Richtung starrte. Wie gut, dass sie im Grunde schon fertig waren. Das gab ihm etwas Zeit, die Szene zu beobachten.

Tatsächlich nahm keiner Notiz von ihm.
Logan sprach mit seinen Ingenieuren, während Oscar den Blick scheinbar überhaupt nicht von ihm abwenden könnte. Das war ja eigentlich eine ganz gute Möglichkeit für ihn. Er hatte sich in den vergangenen Wochen oft hin und her überlegt, ob er das tun sollte. Aber sah bei ihm einfach eine bessere Chance.
„Hast du mal eine Minute?", fragte er ohne große Umschweife, als er regelrecht an Oscars Seite sprang. Dezent war eben auch nicht zwingend seine Stärke und er wollte nicht direkt zu ernst oder irgendwie anders wirken als sonst. Oscar fuhr allerdings leicht zusammen, sah dann durchaus ein wenig erschrocken aus und griff sich nervös in den Nacken.
„Eigentlich hab ich es gerade etwas eilig", behauptete dieser und es war echt erstaunlich, wie auffällig Leute sich verhalten konnten. Er hatte doch noch überhaupt nichts Schlimmes gesagt oder gefragt. Er bat ihn lediglich um einen Moment seiner Aufmerksamkeit und wollte ihn nicht dazu überreden, Serienkiller zu werden.
Aber gut, wenn Oscar meinte, dann wurde er eben sofort direkt.
„So eilig, dass du Logan die ganze Zeit anstarrst?", wollte er wissen und fiel damit natürlich direkt mit der Tür ins Haus. Er wollte eben nicht riskieren, dass Oscar genug Zeit hatte, sich um ein Gespräch zu drücken. Das bekam hier gerade eh keiner mit. Es gab keinen Grund, so schockiert zu sein. Aus der Ferne waren sie nur zwei Fahrer, die redeten.

„Mach ich gar nicht", behauptete Oscar, was er sich schon gedacht hatte.
„Doch. Exakt eine Minute und dreißig Sekunden." Dabei hielt er ihm die geöffnete Stoppuhr auf seinem Handy entgegen. Wenn man Argumente vorbringen wollte, schadete es ja nie, sie auch irgendwie untermauern zu können.
„Wieso interessiert dich das?", wurde er allerdings zurückgefragt und sah, wie Oscar die Arme vor der Brust verschränkte und sich sehr unwohl zu fühlen schien. Ein Gefühl, welches er durchaus noch steigern würde. Sollte er das alles möglicherweise etwas diplomatischer angehen? Sich mehr Zeit lassen und behutsam...
Nee, drauf geschissen!
„Weil ich von dir und Drugovich weiß", eröffnete er Oscar und brachte ihn damit vollkommen aus dem Konzept. So sehr, dass er erst einmal erschrocken zurückwich, sich hektisch umsah und ihn dann ein bisschen wütend anfunkelte.
„Du...!", stockte Oscar, legte dann aber seine ganze Wut in den nächsten Satz, wohl um direkt abzublocken und dieses Gespräch zu beenden. „Fuck, das geht dich gar nichts an, klar?!"
„Hey, kein Stress deswegen", blieb er selbst aber gelassen, hob abwehrend die Hände, um Oscar zu signalisieren, dass er keine Bedrohung für ihn war. Gut möglich, dass die ganze Aktion schiefging, aber so langsam hatte er auch einen Punkt erreicht, wo er einfach mal Dinge ausprobieren musste, um weiterzukommen.
Charles Worte, eigentlich, nicht seine.

„Ach ja? Und wieso sagst du mir das dann? Willst du mich damit erpressen?", ging Oscar natürlich direkt vom Schlimmsten aus und das sollte ihn eigentlich gewaltig enttäuschen. Wirkte er denn echt wie jemand, der hier seine Fahrerkollegen erpresste? Also, er war sich ziemlich sicher, dass er ein ganz anderes Image hatte.
„Was hab ich denn davon? Nein, du Idiot, will ich nicht. Mir wäre es viel lieber, wenn du Logan die Wahrheit sagst", antwortete er also. Darum ging es schließlich. Nur, selbstverständlich war Oscar noch lange nicht bereit, mit ihm über sowas zu reden. Kein Wunder, er überfuhr ihn damit ja regelrecht. Aber wie hätte er es denn anders angehen sollen? Unauffällig fragen konnte er überhaupt nicht gut.
„Pfff! Wieso soll ich denn mit Logan über solche Sachen reden?", zuckte Oscar mit seinen angespannten Schultern. Er seufzte innerlich. Es war so dermaßen offensichtlich, allerdings würde er selbst genauso vorgehen. Er wollte schließlich auch nicht, dass irgendwer über ihn Bescheid wusste, aber zumindest vor Logan hatte er sich bereits geoutet.
„Stell dich nicht blöd. Ich weiß Bescheid. Wenn er dein Freund ist, dann solltest du ihm wenigstens sagen, dass er mit einem Arschloch zusammen ist", versuchte er es weiterhin mit der ungefilterten Meinung und wenn das kein schlechtes Gewissen auf Oscars Zügen war, dann übersprang er nächstes Jahr die Formel 2 und landete direkt in der Königsklasse.

Oscar wandte sich regelrecht unter seinen Worten, wollte wohl nichts lieber, als endlich aus dieser Situation entkommen.
„Woher weißt du das alles überhaupt?" Offensichtlich hatte er den anderen ein wenig in die Enge getrieben. Das war nicht unbedingt seine Absicht, aber wenn ihm das weiterhalf, sollte ihm das auch recht sein. Er konnte ja nicht den Rest seines Lebens grübelnd auf Hotelzimmer sitzen und sich überlegen, was er machen sollte.
„Da seid ihr selber schuld, wenn ihr zwischen den Trucks rumvögelt und dann noch in Russland. Dümmer hättet ihr es gar nicht machen können", konfrontierte er ihn mal mit der Wahrheit, die er bisher nur Charles gegenüber geäußert hatte. Gut möglich, dass er sich gerade zu weit aus dem Fenster lehnte. Er würde es sehen.
„Ähm...", war die mehr als peinlich berührte Reaktion darauf. „Shit." So langsam fiel bei Oscar der Groschen und er schien zu begreifen, in welche Lage er sich da gebracht hatte. Die konnten echt nur froh sein, dass es außer ihm niemand mitbekommen hatte.
„Kannst du laut sagen. Dir muss ich doch nicht erzählen, wie klasse Logan ist. Ich denke ihr seid Freunde. Warum machst du dann sowas?" Er wollte ihn jetzt nicht belehren, wie leichtsinnig das gewesen war. Das dürfte Oscar damit auch geschnallt haben. Es ging ihm um Logan und darauf wollte er sich konzentrieren.

Oscar raufte sich die Haare, sah ihn ein bisschen verzweifelt an.
„Keine Ahnung. Ich weiß auch nicht. Das war total dämlich und ich hätte mich darauf niemals einlassen sollen", schien der andere tatsächlich zu bereuen, dass es dazu gekommen war. Zumindest fand er keine Anzeichen dafür, dass Oscar nur so tat, um sich aus der Affäre zu ziehen. Er sah wirklich bestürzt und unglücklich darüber aus.
„Warum sagst du ihm nicht die Wahrheit?" Das war wohl die brennendste aller Fragen. Wenn sie Freunde waren, sollte man keine Lüge leben. Das fiel einem irgendwann doch ohnehin auf die Füße.
„Aus Scham. Ich kann mich doch selber gar nicht mehr im Spiegel ansehen. Und Logan wird am Boden zerstört sein, wenn ich ihm davon erzähle", wandte Oscar ein und biss sich schuldbewusst auf die Lippe. Wohl ein klarer Fall von jung, dämlich und geil. Aber das wollte er nicht bewerten. Falsch verhielt sich jeder mal, auch wenn er es schon sehr krass fand, seinen eigenen Freund – ob platonisch oder romantisch – so zu hintergehen.
„Das wird er dank eurer tollen Aktion doch eh. Drugovich ist ja nicht gerade dezent. Wenn du mit dem weitermachst, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis ihr erwischt werdet", teilte er Oscar mal seine ehrliche Meinung zu der ganzen Sache mit.
War er eigentlich der Einzige, der sah, was für ein dummer Wichser dieser Typ war? Logan und Oscar waren doch genauso alt wie er selbst.

„Ich weiß. Er ist da sehr risikofreudig", meinte Oscar, was ja noch dezent ausgedrückt war.
„Wieso machst du das mit?", hakte er mal nach, denn irgendwie machte Oscar nicht so einen unvernünftigen Eindruck auf ihn. Aber wenn man auf jemanden stand, setzte das Hirn ja auch durchaus mal aus. Das mochte keine Entschuldigung sein, jedoch eine Erklärung.
„Es ist... Wie soll ich dir das beschreiben?", zuckte Oscar etwas ratlos mit den Schultern und er wollte ihm gerade auf die Sprünge helfen, als ihm aber einfiel, dass sie ja von Oscars Affäre mit Drugovich redeten und das war nicht so klasse.
„Ja gut, lass lieber stecken. Aber Logan hat das doch nicht verdient, dass ihr ihn so verarscht", blieb er mal lieber beim eigentlichen Thema. Von den feuchten Träumen der anderen wollte er absolut nichts wissen.
„Hat er auch nicht...", gab Oscar zu, allerdings fiel ihm nun wohl auch noch etwas anderes in ihrem Gespräch auf. „Er ist dir ziemlich wichtig, oder?"
Jetzt musste er selbst wohl mal aufpassen und lieber einen Gang zurückschalten. War ja etwas blöd, den anderen zu erzählen, wie auffällig sie waren und sich dann selbst direkt zu verplappern. Möglicherweise hatte er sich schon ein bisschen zu weit vorgewagt.
„Ich find ihn eben nett. Und keiner verdient es, so verarscht zu werden", probierte er das Ganze möglichst allgemein zu halten, jedoch war Oscar bereits anzusehen, dass er seine Absichten nun ebenfalls durchschaut hatte. Er war nicht gut in sowas.
Falls es mit der Motorsportkarriere am Ende nichts wurde, wusste er schon, was er danach definitiv nicht werden würde: Undercover-Agent.

„Schon klar. Ich kann mir schon denken, wieso dir das so aufgefallen ist", meinte Oscar, was ihn dazu brachte, die Augen zu verdrehen. Der Frust galt mehr sich selbst, denn da hätte man sich geschickter anstellen können.
„Ja, weil ihr dumm gewesen seid", warf er ein.
„Das auch."
Am besten, er ging da jetzt nicht näher drauf ein.
„Okay, was auch immer. Ich wollte dir nur sagen, dass ich es weiß und hatte gehofft, dass du dich als sein Freund vielleicht überwinden könntest ihm zu sagen, dass sein Lover ein mieser Sack ist", fasste er mal zusammen, um von sich und seinen Gefühlen abzulenken.
„Er wird es erfahren", versicherte Oscar ihm, immer noch mit einem sichtlich schlechten Gewissen auf den Zügen. Eindeutig, es nagte sehr an ihm und er konnte nur darauf vertrauen, dass er ihn ausreichend bearbeitet hatte, um auch wirklich mit Logan zu reden. Wenn er es mal durch einen dummen Zufall erfuhr, wäre das viel schlimmer.
Besonders wenn er dann feststellen musste, wie viele Leute es vor ihm gewusst hatten.
„Gut", schloss er ihre Unterhaltung lieber ab. Er hatte ja auch noch ein bisschen was zu tun heute. Nicht viel. Eigentlich überhaupt nichts. Aber er wollte nicht so wirken, als hätte er zu viel Freizeit.
Er wollte nur, dass Logan endlich wusste, was hinter seinem Rücken passierte.


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