Kapitel 58 - Das Ende der Geschichte

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„Es war die richtige Entscheidung", sagte sie und sah mit mir gemeinsam dabei zu, wie der gläserne Sarg im See verschwand.
„Ich weiß", antwortete ich und beobachtete die beiden Vampirbrüder. „Aber das macht es nicht leichter."
„Aber hast du dir das nicht immer gewünscht Kiéra? Frei zu sein von deinen Schmerzen? Von all dem was du über einhundert Jahre lang ertragen musstest?"
„Ich war frei", erwiderte ich.
„Ja, das warst du. Aber deine Zeit war gekommen."
„Das war sie wohl", seufzte ich. „Niemals hätte ich gedacht, dass ein unsterbliches Leben nicht lang genug sein könnte. Ich hätte gerne mehr Zeit gehabt."
„Mehr Zeit?"
„Ja. Ich hatte meine Brüder doch gerade erst wieder gefunden, ich habe mich verliebt..."
„Und du hast dein Leben gegeben um sie alle zu retten."
„Ich bereue es nicht", erklärte ich. „Aber das bedeutet nicht, dass ich mir nicht wünschte es hätte anders kommen können."

„Wenn du eine zweite Chance bekommen würdest dein Leben noch einmal zu leben, was würdest du ändern?"
„Gar nichts. Ich hatte ein gutes Leben", sagte ich und dachte wehmütig daran zurück.
„Den Tod deiner Mutter als du ein kleines Mädchen warst?"
„Nein. Ich mag gelitten haben, ich habe getrauert, aber es war das Beste was ihr passieren konnte. Sie war nicht glücklich in ihrem sterblichen Leben."
„Du hast sie dafür verachtete, dass sie dich allein gelassen hat."
„Nein, ich habe überreagiert. Ich konnte mit der Situation nicht anders umgehen, aber ich kann sie verstehen. Ich habe ein Jahrhundert und länger in einem Käfig verbracht. Ich weiß, wie es ist, in seinem Leben gefangen zu sein. Ihr Käfig mag golden gewesen sein, aber es war dennoch ein Käfig."
„Und deine Zeit bei Augustine? Würdest du noch einmal in diese Falle laufen?"
„Ohne meine Gefangenschaft hätte ich Dean und Sam niemals kennengelernt", überlegte ich.
„Und diese beiden Menschen wären diese Qualen wert?", fragte diese warme weiche Stimme weiter und ich nickte.
„Die Liebe ist es wert, dass man alles gibt. Seine Freiheit und sein Leben. Ich würde all das noch einmal tun, aber ich wünschte, dass ich ihr Leiden beenden könnte. Ich wünschte, dass sie nicht länger trauern würden."
„Sie haben dich so unendlich geliebt Kiéra. Wie könnten sie nicht trauern? Und irgendwann werden sie mit diesem Schmerz leben können."
„Und dann? Werden sie sich wieder bekriegen? Sich wieder hassen?", fragte ich verzweifelt. Denn es wäre meine Schuld.
„Das weiß nur die Zeit. Gib dir nicht die Schuld. Hättest du dein Leben nicht gegeben, dann wäre das ihrer aller Ende gewesen."

„Ich danke dir", sagte ich irgendwann. „Danke, dass ich sie noch einmal sehen durfte."
„Das ist es nicht, warum ich deine Seele aus dem Fegefeuer holte."
„Warum dann?"
„Ich kann dir diese zweite Chance geben Kiéra."
Überrascht sah ich auf, doch ich konnte diese Stimme nicht sehen. Um mich herum war nur das Licht.
„Das könntest du?"
„Aber ja, ich kann viele Dinge tun."
„Zu welchem Preis?", fragte ich dann. „Was verlangst du von mir?"
„Du hast mir bereits das größte Geschenk gemacht, indem du sie gerettet hast. All diese Menschen. Ich verlange nichts von dir."
„Und du kannst mir mein Leben zurückgeben? Einfach so?", hoffte ich.
„Nein, ein Leben kann ich dir nicht geben."
„Aber du sagtest-"
„Das ich dir eine zweite Chance geben könnte, ja", unterbrach sie mich. „Und das kann ich auch. Aber es wäre kein zweites Leben."
„Was dann?"
„Ich kann deiner Seele eine Aufgabe geben. Eine Aufgabe, die dich zu deiner Familie zurückführt."
„Was für eine Aufgabe?"
„Ich kann dich zu einem der meinem machen. Zu einem Schutzengel."
„Was heißt das für mich?", fragte ich weiter.
„Das du bei ihnen wärst, dass du über sie wachen könntest. So, wie du es auf dem Schlachtfeld schon einmal getan hast. Aber du hättest keinen Körper. Sie würden dich nicht sehen können, sie dürfen nicht von dir erfahren."
„Das sind die Bedingungen?", fragte ich.
„Das sind die Bedingungen", antwortete die Stimme. „Mehr kann ich dir nicht geben. Es ist deine Entscheidung."
„Warum bietest du mir diese Aufgabe an?"
„Weil du eine gute Seele hast, Kiéra. Und diese Rolle die du hattest, die große Macht, hast du nicht verdient. Du hättest ein langes glückliches Leben verdient, gemeinsam mit deiner Familie. Aber auch ich kann das Schicksal nicht betrügen. Ich kann dir nur ein Schlupfloch bieten, wenn du es annehmen möchtest."

„Wie könnte ich nein sagen?", entschied ich dann.
„Aber sei gewarnt, es ist ein einsames Leben. Niemand wird von dir wissen. Du wärst weder Teil ihrer Welt noch irgendeiner anderen. Du wärst körperlos."
„Aber ich wäre bei ihnen. Irgendwie wäre ich da. Und das reicht mir. Es ist mehr als ich erwarten kann und dafür danke ich dir. Das vergesse ich dir nicht."
„So sei es dann", erklärte die Stimme und ich spürte, wie ein Kribbeln durch meinen Körper fuhr. Ich sah, wie die schemenhaften Körper meiner Familie größer wurden, klarer wurden, bis ich wieder bei ihnen war.

Ich wusste nicht genau was ich war oder was mich erwarten würde in diesem neuen Leben. Mit dieser Aufgabe, aber es kümmerte mich auch nicht. Denn ich würde meine Familie nicht verlassen müssen. Sie wussten vielleicht nicht, dass ich da war, aber das war nicht wichtig. Denn ich wusste es. Und das war eine Ewigkeit genug für mich.

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