Kapitel 13 - Geschwisterliches Band

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Kiéra

Gedankenverloren sah ich die Welt durch die Autoscheibe an mir vorbeiziehen. Nachdem die Brüder merkten dass ich jetzt nicht reden wollte, hörten sie auf Fragen zu stellen. Sie erzählten mir etwas über diese fremde Welt. Sie erklärten mir Handys oder diesen seltsamen Lap-Top. Frauen trugen mittlerweile Hosen und sie durften all das tun was Männer taten. Wie sehr sich die Welt in einhundert Jahren doch verändern konnte...
Erschöpft schloss ich die Augen und hörte nur auf gleichmäßige Geräusch des Motors.
Als ich Deans Räuspern hörte linste ich unter meinen Auenlidern hervor.
"Du, Sammy...?"
Durch den Spiegel sah ich wie dieser gespannt die Augenbrauen hochzog. Dean rang sichtlich nach Worten.
"Hast du irgendwie das Gefühl... nun ja"
"Das ich dir die Kehle aufreißen möchte um dein Blut zu trinken?", endete Sam und Dean nickte.
"Nein. Ich fühle mich großartig!"
"Aber wenn sich das ändert sagst du Bescheid!", verlangte Dean.
"Er verwandelt sich nicht in einen Vampir!", sagte ich und erschrocken sah Dean mich durch den Spiegel an.
"Du bist wach?"
"Ja"
"Was meinst du mit" er verwandelt sich nicht."
"Davor hast du doch Angst oder nicht?"
Wieder ein Nicken.
"Dann brauchst du dir keine Gedanken zu machen. In der Regel hat Vampirblut nur eine sehr starke heilende Wirkung. Das allein löst keine Verwandlung aus."
"Was dann?", fragte Sam.
"Du musst mit Vampirblut im Organismus sterben. Und wenn du dann wieder aufwachst hast du immer noch eine Wahl. Um die Verwandlung abzuschließen musst du Blut trinken, Menschenblut. Tust du es nicht stirbst du innerhalb eines Tages, aber du kannst dich entscheiden. Auch wenn ich noch nie von jemandem hörte der es schaffte sich dem unbändigen Blutdurst zu widersetzten."
"Naja bis wir da sind dauert es noch gut fünf Stunden..."
"Dann ist doch alles gut," beruhigte ich den älteren Bruder und stutze. "Wo fahren wir überhaupt hin?"
Sam reichte mir eine Zeitung mit eingeknickter Seite.
"Lima, Ohio", murmelte ich. "Zwei Leichen. Kratzspuren am ganzen Körper, die Herzen fehlen in beiden Fällen. Polizei geht von Tierangriffen aus... was bedeutet das?"
"Vermutlich Werwölfe"
Bei dem Wort Werwolf versteifte sich alles in mir.
"Schlaf ein wenig", sagte Dean, der meine Reaktion bemerkt hatte. "Wenn wir da sind sehen wir wie wir vorgehen!"
Ich nickte, lehnte meinen Kopf wieder an die Scheibe und versuchte nicht über die bevorstehende Jagd nachzudenken. Stattdessen begann ich zu träumen.

 
Ein Tag im Mai, 1854
(Kiéra ist 9 Jahre alt, Stefan 12 und Damon 16)

Im Flur des oberen Stockwerkes, vor dem großen Fenster neben ihrem Zimmer, saß das junge Mädchen und blickte hinaus. Es war noch früh, die Sonne stand noch nicht sehr hoch, dennoch hatte sie sich wie jeden Morgen dazu entschlossen sich mit einem großen Kissen hier niederzulassen. Denn wie jeden Morgen übte sich der älteste Salvatore im Reiten. Verträumt betrachtete sie den schwarzen Hengst den Damon auf den Platz führte. Wie gerne würde auch sie sich auf den Rücken dieses Tieres setzten aber ihr Vater gestattete es nicht. Es gehörte sich nicht für eine Dame aus gutem Haus. Dafür beobachtete sie ihren Bruder ganz genau, sie kannte seine Routine und auch die Eigenheiten seines Pferdes. Aus diesem Grund fiel ihr auch auf, dass das Tier ungewöhnlich oft mit den Hufen scharrte. Im Gegensatz zu ihrem Bruder war ihr Blick auf nichts anderes gerichtet. Kurz entschlossen sprang sie auf und beschloss das Training vom Gelände der steinernen Treppe im Vorgarten aus zu beobachten.
Als Damon sie dort bemerkte lenkte er sein Pferd in ihre Richtung.
"Was tust du denn hier? Es ist doch noch früh!", rief er ihr zu.
"Ich schaue dir zu, wie jeden Morgen", antwortete sie verschmitzt.
"Jeden Morgen?", wunderte der Junge sich und seine Schwester nickte. Sie zeigte auf das Fenster vor dem sie zu sitzen pflegte.
"Von dort aus kann ich alles sehen!", teilte sie ihm stolz ihre Entdeckung mit und er lächelte über die kindliche Begeisterung seiner Schwester.
"Wirklich alles?"
Wieder nickte sie.
"Warum bist du dann herausgekommen?", fragte er.
"Im deinem Nachtgewand", setzte er hinzu als er die Bekleidung des jungen Mädchens bemerkte.
Geh wieder hinein", bat er. "Du verkühlst dich noch!"
"Aber es ist doch kaum noch kalt!"
"Kiéra, bitte. Schau mir von deinem Fenster aus zu wenn du magst, aber geh hinein. Ich möchte nicht das du krank wirst!"
"Dein Pferd ist nervös", beharrte sie.
"Was?"
"Ich habe gesehen wie es mit den Hufen scharrt..."
"Das tun Pferde nun einmal", wollte Damon seine Schwester beruhigen doch die schüttelte den Kopf.
"Viel mehr als sonst, deswegen kam ich raus!", versuchte sie ihr Handeln zu erklären.
"Bestimmt hast du es dir eingebildet..."
Ehe der Junge weitersprechen konnte preschte ein Kaninchen durch das Gebüsch am Reitplatz, gejagt von einem der Wachhunde. Das Pferd ging durch und stieg auf die Hinterläufe. Auch Kiéra war aufgesprungen und sah wie Damon sich erschrocken an den Hals seines Reittieres klammerte. Das Mädchen streckte die Arme aus und konzentrierte sich nur auf das Pferd, sah ihm in die Augen und schnalzte leicht mit der Zunge. Sie hatte die Dompteure auf einem Jahrmarkt dabei beobachtet wie sie die Tiere beruhigten. Und ganz langsam entspannte sich der Hengst, ging wieder auf die Hufe und Kiéra legte ihm die Hand auf die Nüstern. Auch Damon streichelte beruhigend durch seine Mähne.
"Er muss das Rascheln der Blätter gehört haben", setzte der Junge an. "Wenn Pferde Geräusche und mögliche Gefahren nur hören und nicht einschätzen können, dann werden sie nervös. Es sind sehr schreckhafte Tiere", erklärte er und Kiéra nickte.
"Das hast du gut gemacht", lobte er sie. "Wo hast du es gelernt?"
"Nirgends. Ich habe immer gespannt zugesehen und nur reagiert..."
Damon nickte und dirigierte den Hengst zum Reitplatz, blickte aber über seine Schulter zurück.
"Wenn du magst kannst du mitkommen und zuschauen."
"Von ganz nah?", fragte sie aufgeregt und ihr Bruder nickte.
"Im Stall hängt noch eine Reitjacke von mir. Hol sie schnell und zieh sie über, dann kannst du gern bleiben."
Wie ein Blitz flitze Kiéra los und kam mit einer Jacke zurück die ihr bis zu den Knien hing. Sie kicherte bei ihrem Aufzug und auch Damon schmunzelte über den Anblick seiner kleinen Schwester in dieser großen Jacke.
Nachdem sie ihrem Bruder bei ein paar Runden beobachtete, fasste sie sich ein Herz und fragte ihn.
"Damon? Bringst du mir das Reiten bei?"
Als er diese Bitte hörte fiel er beinahe aus dem Sattel.
"Das geht nicht. Es ist viel zu gefährlich! Du hast doch gesehen was heute morgen passiert ist!"
"Du reitest doch auch. Außerdem ist doch nichts passiert."
Er seufzte, stieg vom Pferd und band die Zügel am Gatter fest ehe er sich neben das kleine Mädchen setzte.
"Ich will nicht das du dir wehtust."
"Kann ich gar nicht", sprach sie ihm Mut zu. "Du bist doch bei mir."
"Aber Vater würde es niemals erlauben!"
"Dann sagen wir ihm nichts!"
Kiéra konnte sehen wie ihr Bruder mit sich rang. Sie wusste dass er ihr kaum einen Wunsch abschlagen konnte und sah ihre Chance. Mit großen Augen sah sie ihn, legte ihren Kopf an seine Schulter.
"Bitte Damon, bitte. Ich möchte es unbedingt probieren. Nur ein wenig und ganz leise und heimlich. Vater wird es nicht merken, bestimmt nicht!"
Ergeben seufzte er und zog sie mit sich hoch.
"In Ordnung, aber nur kurz!", meinte er streng.
Vergnügt klatschte das schwarzhaarige Mädchen in die Hände und legte sie an den Sattel. Damon drückte sie hoch und sie schwang ihr Bein hinüber. Ihr Schlafkleid zog sie bis zur Hüfte hinauf, wenn ihr Vater das sehen würde...
"Halt dich am Sattelknauf fest", wies Damon sie an und band die Zügel los. "Ich führe dich."
Sie tat wie ihr geheißen und schon setzte sich das Tier in Bewegung. Kiéra wusste gleich, dass sie am liebsten niemals mehr anders reisen wollte als auf dem Rücken eines Pferdes.
Viel zu schnell war dann die Reitstunde auch wieder vorbei.
"Kiéra!!" hörten sie die Rufe aus dem Haus.
Erschrocken blickten sie zum Vorgarten und bemerkten Stefan der auf sie zulief.
"Damon was tust du?", herrschte er seinen großen Bruder an. "Du weißt dass Vater das niemals erlauben würde. Kiéra darf nicht reiten!"
"Sie hat es sich so sehr gewünscht!", rechtfertige Damon seine Entscheidung.
Kiéra schluchzte. Sie fürchtete die Konsequenzen ihres Vaters, ebenso wie ihre Brüder, wenn sie in dessen Augen Unrecht taten.
"Sag es Vater nicht," bat sie und sein Blick wurde weich.
"Natürlich nicht, aber Vater wird seine Gründe haben es dir zu verbieten. Er macht sich Sorgen um dich, ebenso wie wir."
"Aber ich habe keine Angst."
"Kiéra..."
"Brauche ich doch nicht. Ihr seid ja da!"
Sie streckte die Arme aus und lächelnd hob Damon sie vom Pferderücken. Ebenso wie Stefan war er von ihren Worten gerührt, da er wusste das nicht nur die kindliche Naivität aus ihr sprach. Stefan nahm die Zügel des Pferdes und führte es in den Stall, Damon trug Kiéra. Er wollte sie noch nicht loslassen, glücklich legte sie ihren Kopf an seine Schulter.
"Ich hab euch lieb", sagte sie und drückte erst Damon einen Kuss auf die Wange eher er sie absetzte und sie auch Stefan einen Kuss gab.
"Wir haben dich lieb", sagten sie und jeder von ihnen gab ihr ebenfalls einen Kuss bevor sie den schwarzen Hengst absattelten. Hand in Hand gingen die Geschwister zurück zum Haus um sich zu waschen. Immerhin mussten sie dieses Geheimnis vor ihrem Vater hüten.

Damon

Ich hab euch lieb...
Die Erinnerung an diesen Tag schwirrte mir durch den Kopf und ließ mich wehmütig lächeln. So oft sagte Kiéra uns dass sie uns liebte und wir erwiderten es, jedes Mal. Dennoch hatte ich das Gefühl es wäre nicht oft genug gewesen, vor allem nicht als Kathrine auftauchte.
Kathrine...
Schon bei dem Gedanken an sie umklammerte ich das Lenkrad fester und meine Fingerknöchel traten weiß hervor.
Ich musste meine kleine Schwester finden und ihr sagen wie sehr ich sie liebte. Und ich musste mich endlich entschuldigen, für alles was passierte als Kathrine Pierce in unser Leben trat.
"Wir müssen uns bei Kiéra entschuldigen", riss Stefan mich aus meinen Gedanken, scheinbar schwelgte auch er in alten Erinnerungen. "Für alles..."
Ich nickte nur, ich wusste wovon er sprach und wir hätten es längst tun sollen...

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Neues Kapitel ^^

Na, warum hat Kiéra wohl so ein ungutes Gefühl dabei einen Werwolf zu jagen?

Achja und noch eine Frage: Kiéras Träume, ihre Erinnerungen mit ihren Brüdern, wie jetzt der Reitunterricht oder das Versteckspiel (Kapitel 2)... lest ihr es gern oder soll ich mich in dem Punkt nur an den "wichtigsten Stationen" (zB wie es zu ihrer Verwandlung kam, oder die Monate die Kathrine bei den Salvatores lebte) halten?

About Salvatores and Winchesters (Crossover)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt