Kapitel 28 - König der Hölle

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Sam

Wie erstarrt beobachtete ich Stefan und Kiéra von der Tür des Bunkers aus. Gedankenverloren strich ich mit der Hand an meinem Hals entlang, wo die Vampirin mich gebissen hatte.

Wir hörten sie vom Wohnzimmer aus poltern und randalieren. Ihr Bruder versteifte sich augenblicklich und man sah ihm die Sorge an. Also wollten wir runter und nachsehen. Kaum war die Stahltür offen, erstarrte Kiéra in der Bewegung und starrte uns an, wie ein Raubtier in der Falle. Ihr Blick huschte zwischen uns allen hin und her und blieb schlussendlich an mir hängen. Ihre Augen verengten sich kaum merklich und ich konnte sehen wie ihre Muskeln unter der Anspannung zu zittern begannen, ehe sie sich zähnefletschend in meine Richtung stürzte. Und sie war schnell. Noch ehe jemand reagieren konnte, packte sie mich am Kragen und zerrte mich quer durch den Raum, presste mich an die Wand und funkelte mir hasserfüllt entgegen.
"Du bekommst sie nicht", knurrte sie. "Meine Brüder bekommst du nicht."
"Kiéra, ich bins. Sam. Du kennst mich, was ist los?", presste ich hervor doch sie reagierte gar nicht.
"Ich würde für sie durch die Hölle und zurück gehen. So ein kleiner Jäger wie du hält mich nicht auf. Verschwinde John, oder ich töte dich!"
"John?", fragte ich atemlos. Ich verstand sie nicht. "Mein Name ist Sam."
Mit einem Knurren versenkte sie ihre Zähne in meinem Hals und ein unsäglicher Schmerz durchzog mich. Ihre Finger bohrte sie in meine Arme, hielten mich an Ort und Stelle und ich konnte mich nicht wehren. Gegen einen Vampir hätte ich ohnehin keine Chance. Zumindest nicht unbewaffnet.
Bobby stand noch immer fassungslos in der Tür, nur Stefan reagierte. Er schoss auf uns zu und jagte Kiéra eine Spritze in den Körper. Erschrocken hielt sie inne ehe sie leblos zusammensackte. Stefan fing sie auf und legte sie behutsam wieder in das Feldbett.
Er kam zu mir zurück, riss sich das Handgelenk auf und hielt es mir hin.
"Trink", forderte er mich auf. "Es hilft."
Ich nickte und kam seiner Aufforderung nach. Ohne ein weiteres Wort setzte er sich wieder zu seiner Schwester.

Seitdem hatte sich Kiéra nicht mehr gerührt. Stefan hat ihren Kopf auf seinem Schoß gebetet und strich ihr immer wieder übers Haar. Mich machte dieses ungewisse Warten krank und ich konnte mir kaum vorstellen, wie es ihm gehen musste. Als Dean mir erzählte er habe nur noch ein Jahr zu Leben bevor in die Hölle musste, habe ich mich auch vor den Kopf gestoßen gefühlt. Ich habe alles versucht um ihm zu retten, aber ich wusste immer dass er noch dieses eine Jahr hatte. Stefan hat seine Schwester mehr als ein Jahrhundert nicht gesehen und kaum dass sie zusammen waren sollte sie sterben?
"Sie war nicht sie selbst, als sie dich angriff", hörte ich Stefans tränenerstickte Stimme. "Das Gift hat ihre Sinne vernebelt."
"Ich weiß", sagte ich nur. "Es ist ja nichts weiter passiert, alles in Ordnung."
"Kiéra hält sich deswegen für ein Monster. Sie glaubt, sie verdiene es zu sterben, weil sie einen Freund angegriffen hat."
"Ich bin ihr nicht böse", versuchte ich ihn irgendwie zu beruhigen.
"Woher weißt du das?", fragte Bobby währenddessen.
"Ich rede mit ihr, mit ihrem Unterbewusstsein indem ich ihr einen Traum schicke."
"Du schickst ihr einen Traum?"
"Ja, damit sie die Schmerzen vergisst", sagte er und die Tränen liefen ihr unaufhaltsam übers Gesicht.
"Wo bleibt Damon nur?", fragte er verzweifelt und zog Kiéra ein wenig höher. Vorsichtig legte er ihren Kopf an seine Schulter und vergrub den eigenen an ihrer.
Sein Körper begann von Schluchzern durchgeschüttelt zu beben und auch der Kloß in meinem Hals schwoll immer weiter an. Bobby konnte ich schwer schlucken hören.
"Du musst durchhalten", flüsterte er. "Du kannst mich doch mit Damon nicht alleine lassen, ohne dich schlagen wir uns gegenseitig die Köpfe ein. Das weißt du doch!"

Ein Ruck ging durch Kiéras Körper und sie setzte sich hustend auf, ehe sie kraftlos wieder in Stefans Armen zusammensank. Sie sah mich an der Tür stehen und auch in ihren Augen sammelten sich Tränen.
"Es tut mir leid", formte sie mit den Lippen. Doch ich versuchte mich an einem Lächeln und winkte ab. Darüber sollte sie sich nun wirklich keine Gedanken machen.
Sie sah zu ihrem Bruder nach oben und hob zitternd die Hand, versuchte ihm die Tränen aus dem Gesicht zu wischen. Stefan küsste sie liebevoll auf die Stirn und wiegte sie vorsichtig hin und her. Wieder begann sie zu Husten und ihr Atem ging rasselnd, wurde immer unregelmäßiger. Und ganz langsam fielen ihr die Augenlider zu, ihr Körper wurde schlaffer und ich konnte sehen wie das Leben aus ihren Adern floss.

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