Kapitel 47 - Ein Kind der Nacht

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Kiéra

„Gott hab ich Kopfschmerzen", murmelte ich stöhnend als die Flut an Erinnerungen langsam nachließ und ich legte den Kopf in den Nacken, stütze ihn an der Sofalehne auf.
„Also erinnerst du dich wieder?", fragte Elijah vorsichtig. Als ich aus dem Augenwinkel zu ihm hinüber schielte konnte ich erkennen, dass er mich aufmerksam musterte.
„Zumindest an das Meiste", gab ich zu. Wenn ich die Bilder in meinem Kopf Revue passieren ließ, dann erkannte ich vor allen Dingen dass ich in Elijahs Gesellschaft stets glücklich war. Er hatte mich, so oft es ihm möglich war, ausgeführt und mich vor meinem ausgesprochen eigenwilligen, zukünftigen Verlobten gerettet.
"Ich glaube, dass ich dir danken sollte", murmelte ich und setzte mich wieder richtig auf.
"Danken?", fragte der Urvampir ungläubig.
"Immerhin habe ich es dir zu verdanken, dass ich nicht in die Ehe mit diesem Wichtigtuer abgeschoben wurde. Mein Vater sah es gern, dass ich deine Gesellschaft gesucht habe."
"Erinnerst du dich an alles?", hakte Elijah vorsichtig nach und strich mir eine Locke aus dem Gesicht.
"Die Erinnerungen sind noch ein wenig... unwirklich aber ja ich den-"
Auf die Ewigkeit Kiéra
"ich erinnere mich", beendete ich mich meinen Satz leise als ich erkannte, dass ich mir selbst keinen Glauben schenkte. Auf die Ewigkeit...

"Aber du weiß es, nicht wahr?", fragte ich den Urvampir seufzend.
"Was weiß ich?"
"Warum ich ein Vampir bin", erklärte ich.
"Du... du musst Vampirblut in deinem Organis-"
"Nein, das meinte ich nicht und das weißt du. Du bist dort gewesen, nicht wahr? In der Nacht, als ich mich verwandelt habe", unterbrach ich ihn harsch. Ich hatte die Nase gestrichen voll davon, dass mir niemand die Wahrheit sagen konnte weil er meinte, dass er mich beschützen müsste.
"Kiéra...", druckste Elijah herum und rutschte nervös auf der Couch hin und her.
"Auf die Ewigkeit, Kiera", zitierte ich die Erinnerung in meinem Kopf und unterbrach ihn ein weiteres Mal.
"Was?"
"Das hast du zu mir gesagt, oder? Ich habe deine Stimme gehört, Elijah. Also lüg mich nicht an. Es ist mein Leben, ich habe ein Recht darauf zu erfahren, was mit mir passiert ist."

"Ja, ich weiß was damals passiert ist", fing Elijah schließlich an. "Wir hatten uns angefreundet, erinnerst du dich daran?"
Ich nickte nur argwöhnisch. "Du hattest mich auf dem Friedhof angesprochen und gesagt, du wolltest deine Wurzeln erkunden. Also war das gelogen?"
"Nein, nicht alles war eine Lüge. Meine Familie hat wirklich einst hier gelebt. Wir gehörten mit zu den ersten Siedlern."
"Ich hätte nicht gedacht, dass das dein Ernst war. Als du sagtest, dass du eine alte Seele hättest", erwiderte ich und musste bei der Erinnerung lächeln. Ich hatte Elijah damals als ausgesprochen charmant empfunden und dachte, er sei vor allen Dingen wortgewandt. Das hatte mir gefallen, aber die wäre mir in den Sinn gekommen, dass er seine Worte genau so meinte, wie er sie ausdrückte.
"Wie könntest du auch?"
"Ich wusste, dass Vampire nicht nur Legenden sind. Und doch kam es mir nicht in den Sinn. Auch mein Vater hatte es nicht gemerkt."
"Ich habe schon ein langes Leben gelebt, Kiéra. Man lernt es schnell sich anzupassen, wenn die Menschen einen jagen wollen. Dein Vater ist nicht der Erste gewesen."
"Warum warst du 1864 wirklich wieder zurück in Mystik Falls?", fragte ich neugierig.
"Ich glaube, dass ich damals schon deinetwegen dort war", gestand er vorsichtig.
"Meinetwegen? Also haben wir uns nicht zufällig getroffen?"
"Möglich. Ich kann dir nicht alles sagen. Ich habe nie alles gewusst, Kiéra."
"Und wer könnte es?"
"Niklaus vermutlich. Er hat mich damals in die Heimat gerufen."
"Und du kommst wenn er ruft?", hakte ich nach.
"Auch wenn Niklaus und deine Brüder bei dir den Eindruck erweckt haben mögen, dass wir Urvampire herzlos und grausam sind und doch ist mir meine Familie wichtig. Und, egal was Niklaus auch planen sollte, er ist mein jüngerer Bruder. Und wenn er mich um meine Hilfe bittet, dann helfe ich ihm."

Ich nickte verstehend. Vielleicht waren wir gar nicht so verschieden. Elijah schien alles für seine Familie zu tun. Ich glaubte nicht, dass Elijah von Grund aus Gut war. Er hat schon damals zu glatt gewirkt, fast selbstgerecht. Doch er war nobel und immer freundloch in meiner Gegenwart, ich hatte keinen Grund ihm gegenüber misstrauischer zu sein als es mir üblich war. Doch egal wie grausam und verräterisch dieser Urvampir auch werden könnte, seine Familie würde er über alles stellen.

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