47_Wahrheit

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Denn Caius und ich sind ähnlich, aber wir stehen dennoch gleich. Und wenn du Caius zutraust, dass er Caesar, deine einzige Tochter, verletzt, dann sagst du mir damit, dass ich dich auch verletzen würde oder es sogar schon getan habe!"

Aro folgte gespannt seinen Worten und sah ihn schlussendlich durch aufgerissene Augen an. "Nein, das darfst du nicht denken!", rief er. Kurz herrschte Stille und Marcus musterte Aro. "Was du nicht verstehst ist, dass Caesar ihn genauso verletzen kann. Das hast du in keiner deiner Optionen in Erwägung gezogen. Aber es kann genauso passieren", murmelte Marcus, "Du hast nur Augen für Caesar und vergisst nach und nach die Realität. Ich warte darauf, dass der echte Aro, den Mann, den ich liebe, mein Freund, endlich wieder da ist!" Mit diesen Worten stand er auf und lief zur Tür. Ehe er jedoch den Raum verließ, hielt er noch einmal inne. "Rede erst wieder mit mir, wenn du der bist, den ich liebe!" Marcus zögerte nicht und verließ nun den kleinen Saal. Aro blieb zurück mit den Vorwürfen, Gedanken und der Realität.
Hatte er sich wirklich so sehr auf Caesar versteift? Hatte er seinen eigenen Freund vernachlässigt? Und hatte er den Glauben an Caius so sehr erdrückt, dass er vergaß, dass man auch ihm Schaden zufügen könnte? Ja, das hatte er. Marcus lag bei allen richtig. Aros Realität versteifte sich nun nur noch auf seine Tochter, weil er nichts falsch machen wollte. Dabei vergaß er vollkommen, dass er nicht allein war. Dass Caius sein Bruder und immer an seiner Seite war. Und dass Marcus, sein Lebensgefährte, ihn bei allem unterstützte und es auch seine Tochter war.
Während Aro über sein Verhalten nachdachte und immer mehr verstand, was Marcus meinte, saß der Braunhaarige im Garten auf einer Bank. Es war Anfang Dezember und die Luft war kalt. Marcus dachte über Caius und Caesar nach, um sich von Aro abzulenken. Die beiden schienen seit dem Kuss vor Aro und ihm nur etwas offener geworden. Marcus stellte zufrieden fest, dass Caius seiner Tochter die Zeit und den Raum gab, den sie benötigte. Deshalb kamen sie sich nur langsam näher. Es war das Tempo, welches Caesar für angemessen hielt und Caius respektierte das. Generell verhielt sich Caius in letzter Zeit verständlicher und offener. Doch sobald Caesar in der Nähe war, hatte er ein Auge auf sie. Marcus schmunzelte, als er darüber nachdachte. Die Liebe. Caesar hatte Glück, dass Caius ihr Auserwählter war. Obwohl viele Außenstehende es vielleicht anders betrachteten. Aber für Marcus stand fest, dass die beiden eine blühende Zukunft gemeinsam hatte. Sie lernten sich wie Freunde kennen und respektieren und wie ein Paar schätzen und lieben. Und genau so einen Start braucht eine gute Beziehung. Genauso hatte es bei Aro und ihm auch begonnen. Marcus dachte eigentlich gern über seinen Freund nach, doch jetzt in diesem Augenblick war er enttäuscht und erzürnt, bei dem Gedanken an Aro. Was hatte zu seinen Taten und seinem Verhalten geführt? Warum musste er sich so auf Caesar fokussieren? Marcus fühlte sich zurückgelassen. Aro gab ihm das Gefühl, dass er nicht mehr zu den wichtigsten Dingen gehörte. Und gerade das verletzte ihn zutiefst. Marcus schloss die Augen und versuchte sich zu beruhigen. Doch es klappte einfach nicht. Egal an was oder an wen er dachte, immer erschien Aros Gesicht vor seinem inneren Auge. Zuerst wütend, doch dann traurig flossen die Tränen über seine Wangen. In der Seelenverwandtschaft zwischen den beiden Königen war es ab und zu möglich menschliche Fähigkeiten auszuüben. So auch das Weinen. Es passierte nicht oft, doch dennoch war es erleichternd sie zu spüren. Marcus saß noch den Rest der freien Zeit ruhig weinend dort und sah über die Mauer in die Ferne.
Doch auch er musste sich für die Vorstellung seiner Tochter fertig machen. Es fiel ihm schwer, sich von der Bank zu erheben. Widerwillig betrat er dennoch das Schloss und machte sich auf den Weg in seine Gemächer. Bevor er diese jedoch betrat, wischte er sich die Tränen aus dem Gesicht. Aro saß immer noch auf seinem Stuhl hinter dem Schreibtisch. Er sah verzweifelt aus. Als sein Freund den Raum betrat, erhob er sich sofort. Marcus schenkte ihm allerdings keine Beachtung, sondern lief zum Schlafzimmer, um von da aus ins Ankleidezimmer zu gelangen. Aro zögerte nicht lang und folgte ihm. Marcus hatte sich schon entkleidet und suchte aus seinen Schränken gerade die passende Kleidung. "Marcus", begann Aro, doch bekam keine Reaktion. Er seufzte und begann sich ebenfalls umzukleiden. Immer wieder ward er einen Blick zu seinem Gefährten, der ihm aber keinerlei Beachtung schenkte. Einige Minuten später war Marcus neu eingekleidet. Es fehlte nur noch die Krawatte. Seine Haare musste er auch noch kämmen, stellte er fest. Also stellte er sich vor den Spiegel und startete den Versuch sich die Krawatte zu binden. Doch egal wie sehr er sich bemühte, er schaffte es einfach nicht. Aro war inzwischen ebenfalls fertig und sah zu seinem Lebensgefährten, der zweifelnd versuchte sich die Krawatte zu binden. Er erkannte es als seine Chance. Denn Marcus schaffte es ohne Glück selten eine perfekte Krawatte zu binden. Langsam lief er zu ihm hinüber drehte ihn vorsichtig zu sich um. Marcus zeigte etwas Widerstand, als Aro seine Hände beiseiteschob, doch ließ ihn schlussendlich machen. Aros Blick war traurig sowie hoffnungsvoll. Kaum hatte Marcus sich mit der gebundenen Krawatte zufrieden gegeben, da verschwand er auch schon im Badezimmer, um seine Haare zu kämmen. Aro spürte an Marcus' unausgesprochener Ablehnung, dass ihm der Streit näher ging und es mit einer einfachen Entschuldigung nicht getan war. Marcus wollte, den Mann zurück, den er liebte. Und wenn es Ablehnung war, die Aro zum Nachdenken anregten, dann sollte es so sein. Aro fasste neuen Mut und folgte dem Braunhaarigen. Doch er blieb im Türrahmen stehen und beobachtete seinen Freund beim Kämmen seiner weichen, glatten Haare. "Marcus?", setzte Aro erneut an, "Können wir bitte reden?" Doch der Angesprochene sah nur kurz prüfend durch den Spiegeln zu ihm, bevor er die Bürste beiseitelegte und das Bad verließ. Im Schlafzimmer legte er sich noch die Kette seines verstorbenen Bruders um, ehe er auch dieses Verließ. Genau in diesem Moment betraten Caesar und Caius ebenfalls den Saal. "Ihr seid vier Minuten zu spät", sagte Marcus trocken und lief zu seinem Stuhl. Aro kam nun auch aus dem Schlafzimmer und sah Marcus traurig an...

"Because we love you!" ~Volturi Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt