Erleichterung und zugleich Besorgnis spiegelten sich in seinem Gesicht, als er langsam auf ihn zu lief. Marcus schien so in Gedanken zu sein, dass er den Besucher erst bemerkte, als sich dieser neben ihn setzte. "Bitte renn' nicht weg", bat Caius Marcus, als er Anstalten machte sich zu erheben...
Marcus überlegte kurz und ließ sich dann wieder nieder. Einige Minuten herrschte Stille, nur der kleine Wasserfall plätscherte fröhlich vor sich hin. Dieser Ort war selten besucht und daher lebten hier viele Tiere mit der Natur in Frieden. Und diese idyllische Atmosphäre beruhigte auch oft Marcus, wenn er Zeit allein brauchte oder nachdenken musste.
"Wir haben die Vorstellung abgesagt und bis auf weiteres verschoben", erklärte Caius und blickte weiter auf das Türkis schimmernde Wasser. Marcus beobachtete den Wasserfall und nickte nur. Erneut herrschte Stille.
"Marcus, als ich jemanden zum Zuhören und Reden brauchte, warst du da", setzte Caius erneut an, "Und jetzt bin ich für dich da!" Der Angesprochene biss sich auf die Unterlippe. "Es ist okay zu weinen. Wenn die Seelenverwandtschaft das zulässt, solltest du es gerade dann nicht unterdrücken!" Caius' Blick ging zu Marcus, der immer noch mit den Tränen kämpfte. "Ich werde dich für rein gar nichts verurteilen, Marcus!" Der Ältere spürte den wissenden warmen Blick auf sich. Und als Caius die zitternde Hand in seine nahm, da war es um Marcus geschehen. Ein Fluss von Tränen rollte seine Wangen hinunter und war begleitet von einigen zweifelnden Schluchzern. "Es ist okay", flüsterte Caius und lächelte ihn traurig an, "Komm her". Marcus klammerte sich panisch an ihn und drückte sein Gesicht in seinen trainierten Oberkörper. Der Braunhaarige weinte und weinte und ließ all seine unausgesprochenen Ängste und Befürchtungen hinaus. Caius wurde zunehmend besorgter und ernster. Selten sah man seinen Bruder so aufgelöst. Aber dennoch schaffte es nur Aro, da niemand sonst ihm so sehr am Herzen lag. Caius verstand Marcus' Aufregung. Würde er sich mit Caesar streiten, würde es ihm mit Sicherheit ebenfalls schlecht gehen. Doch das wäre nicht einmal die Hälfte von dem, was Marcus spürte, wie ihm bewusst war. Caius hielt ihn fest, da er Angst hatte, er würde keine Kraft mehr haben und hinunter ins Wasser fallen. "Caius", schluchzte Marcus. "Ja, ich bin hier!", flüsterte dieser und strich über seinen Rücken. "Aro hat sich verändert!" Caius sah ihn traurig an. "Wein' dich erstmal aus und dann kannst du mir alles erklären, was du möchtest!" Marcus dankte Caius im Stillen für sein Verständnis und weinte weiter. Die Vögel zwitscherten über ihnen und die Fische schwammen ruhig im See. Idyllisch. Kein Wunder, dass Marcus hier her kommt, dachte Caius. Es vergingen viele Minuten, bis Marcus in Caius' Armen langsam ruhiger wurde. Der Blonde sagte kein Wort und ließ Marcus mit seinen Gedanken allein. Er wollte sich nicht unnötig einmischen. Denn wenn Marcus reden wollte, dann würde dieser es sagen.
Je mehr sich Marcus beruhigte, desto tiefer sank die Sonne. Und schlussendlich löste er sich aus der Umarmung und schluchzte ein letztes Mal. Sein Gesicht war nass, vom vielen Weinen. Caius holte ein sauberes Taschentuch aus seiner Hosentasche und reichte es ihm. "Hier", lächelte er sanft. "Danke", murmelte Marcus mit kratziger Stimme und nahm es an, um sein Gesicht von den Tränen zu befreien. "Möchtest du darüber reden, oder lieber nicht?" erkundigte sich Caius vorsichtig. Marcus nickte und holte tief Luft. "Du hast mit Sicherheit mitbekommen, dass Aro nicht sehr zufrieden mit der engen Verbindung zwischen Caesar und dir ist, oder?", fragte Marcus leise. Caius nickte. "Er hat mir schon mehrere Male gesagt, dass er dir eine Chance gibt. Das letzte Mal hat er mir das sogar versprochen... Aber davon spüre ich nichts. Er bemüht sich, euch ständig zu trennen und beobachtet euch. Aro versucht Caesar vor dir zu verstecken. Er hat sich krampfhaft auf sie versteift und benimmt sich nur noch so, als ob sie das Einzige wäre, weswegen er noch dort wäre... Er nimmt sich kaum noch Zeit für mich. Caius, er schläft teilweise nicht, weil er ständig sichergehen muss, dass du nicht bei ihr bist. Und heute Vormittag wollte er euer Treffen wieder verhindern. Nachdem ich allerdings dazwischen gegangen bin und ihr weg wart, haben wir uns gestritten. Naja eigentlich habe ich ihm, nach seiner Herausforderung, meine Meinung gesagt. Ich habe ihn daran erinnert, dass du und ich ihn bei allem unterstützt haben und unsere Bedürfnisse und Vorstellungen hinten angestellt hatten. Und dass er sich nur Sorgen um Caesar macht, aber du genauso verletzt werden kannst. Ich habe ihm gesagt, dass wenn wir, du und ich, uns ähnlich sind und immer an seiner Seite waren. Und dass er an dir zweifelt bedeutet nur, dass er Angst hat, dass ich ihn verletze oder ich ihn schon verletzt habe!" Caius beobachtet ihn unauffällig und folgte seinen Worten. "Was Aro vergessen hat, ist unsere Einigkeit. Wir waren einst alle Bauern und haben uns bis hier hin hochgearbeitet. Sobald einer von uns fehlen würde, würde alles zusammenbrechen. Er behandelt dich wie eine untergeordnete Person. Aber das ist falsch, wir stehen alle drei auf derselben Höhe. Und das muss er endlich begreifen. Bevor er das nicht tut, ist jede Diskussion sinnlos", erklärte Marcus weiter. "Du vermisst ihn", stellte Caius fest und Marcus sah überrascht auf, "Du vermisst den Aro, in den du dich einst verliebt hast!" Nun verstand Caius die ganzen Zusammenhänge. Früher waren die drei ein eingespieltes Team. Jeder respektierte jeden. Doch durch Caesar veränderte sich Aro und stellte sich damit nicht nur über ihn, sondern auch über Marcus. Es zählten nur noch Caesars und seine Bedürfnisse. Der wahre Aro war verschwunden. "Jetzt verstehe ich das alles", murmelte Caius und lehnte sich an Marcus an, "Er ist nicht der, den du liebst!" Marcus nickte traurig und nahm Caius' Hand in seine. "Wenn er will, dann kann er so liebevoll und niedlich sein, aber davon habe ich die letzte Woche nichts gespürt", flüsterte Marcus, "Hast du einen klugen Rat für mich?" "Ich stimme dir zu aller erst einmal zu. Wenn er diese Einstellung beibehält ist ein Gespräch sinnlos. Es würde dich mehr rückwärts als vorwärts bringen", erläuterte Caius nachdenklich, "Ich würde an deiner Stelle warten, bis er wenigstens etwas zur Vernunft kommt. Ich gehe davon aus, dass er schon genug Material bekommen hat, um seine Handlungen zu überdenken. Etwas anderes als Abwarten bleibt dir sowieso nicht übrig!" Marcus nickte. "Wenn du möchtest, dann rede ich kurz mit Aro und sage ihm, dass er dich in Ruhe lassen soll, bis er zur Vernunft kommt", bot Caius ihm an. "Nein, das ist nicht nötig. Ich denke, ich schaffe das schon allein... Allerdings funkt Caesar dazwischen... Hättest du Interesse sie in seine Gemächer zu führen?", erkundigte sich Marcus. Caius' Augen begannen zu strahlen. "Da fragst du noch?" Marcus lachte.
DU LIEST GERADE
"Because we love you!" ~Volturi
FanfictionNachtträumer. Sie waren besonders selten und machtvoll, wenn man sie auf ihrer Seite und unter Kontrolle hatte. Diese Geschöpfe des Mondes gelten als ausgestorben. Doch was ist, wenn Emmet einen weiblichen Nachtträumer kennenlernt, die noch extrem j...
