Kapitel 1

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Kapitel 1


Sie war viel zu spät dran, das wusste sie als sie auf dem Weg zum Keller jeweils drei Stufen auf einmal nahm. Zumindest so lange bis sie eine Stufe verpasste und beinahe das Treppenhaus runterrammelte.

Annalena hatte zu lange im Bad gebraucht. Aber das war auch nicht einfach, wenn man sich das noch mit anderen Leuten teilen musste.

Anne war schon ein paar Minuten zuvor losgegangen, sie hatte ihr versprochen den Busfahrer so lange wie möglich aufzuhalten. Ihr Improvisationstalent in allen Ehren, aber sechs Minuten hätte sie keinen Bus in dieser Stadt aufhalten können. Zumal sie es sich lieber nicht mit dem Busfahrer verscherzen sollten, sie waren schließlich auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen.

Annalena war mittlerweile im Keller angekommen. Ihr Fahrrad lehnte wie immer im Abstellraum an der Wand, aber als sie näher trat konnte sie nicht anders als zu fluchen. „Was zur Hölle?" Sie kniete sich hin und begutachtete das platte Vorderrad.

„Scheiße, das sieht aus wie ein Schnitt." Fuck, waren das ihre Nachbarn von unten gewesen? Schnell schoss Annalena ein paar Beweisfotos und dann machte sie sich auf den Weg zur Haltestelle – da musste sie dann heute doch den Bus nehmen.

Ein Blick auf ihr Handy verriet ihr, dass der nächste Bus in zwei Minuten an ihrer Haltestelle sein würde. Das Ding war halt, dass sie mit dem Fahrrad in vier Minuten an der Uni war... wenn die Ampel beim Abbiegen grün war und sie sich an die Verkehrsregeln hielt. Mit dem Bus brauchte man etwa sieben Minuten wegen der ganzen Zwischenhaltestellen. Und diese sieben Minuten hatte sie jetzt eigentlich nicht mehr.

Sie schrieb Anne eine WhatsApp-Nachricht, dass sie den Bus verpasst hat und den nächsten nehmen würde. Keine Minute später klingelte ihr Handy. Das war Robert. Annalena kramte die Kopfhörer aus ihrer Jeansjacke und nahm dann ab.

„Hi, bist du noch unterwegs? In fünf Minuten gehts los."

„Hey Robert, ja, ich hab den Bus verpasst. Das wird wohl heute nichts bei mir mit der Pünktlichkeit."

„Anne hats mir gerade schon gesagt – hey, kein Ding Annalena, ich warte auf dich. Du weißt, es wird übel, wenn du alleine zu spät kommst." Es war kurz still, dann fügte er hinzu: „Außerdem hab ich dich seit Freitag nicht gesehen."

„Was ist mit Videochat? War das etwa nichts?", grinste Annalena. Der Bus fuhr vor, sie stieg ein und setzte sich.

„Videochat zählt nicht. Also, ich bin hier, wie immer."

„Robert, du musst echt nicht warten. Strazi wird mir schon nicht den Kopf abreißen." Sie schickte das Foto von dem zerstochenen Reifen in die WhatsApp Gruppe der WG.

„Ich möchte keine Experimente machen."


Sieben Minuten später eilte Annalena von der Haltestelle zum Eingang des Gebäudekomplexes, vor dem Robert bereits wartete. Er winkte ihr schon von weitem zu und als sie sich gegenüberstanden zog er sie zur Begrüßung in eine feste Umarmung.

„Danke. Aber du hättest echt nicht warten müssen." Zusammen machten sie sich auf den Weg nach drinnen, erst bei Annalenas Spind vorbei in den sie ihre Sporttasche quetschte, und dann zum Redaktionsbüro. „Wie war dein Wochenende?", fragte Annalena.

Robert holte seinen kleinen Reporterblock hervor. „Oh, super, ich hab mir ein paar Themen für die neue Ausgabe überlegt."

„Na, dann hau mal raus."

„Da hätten wir... eine philosophische Fragestellung zur Unsterblichkeit." Er wartete Annalenas Reaktion ab, sie schien nicht sehr begeistert zu sein.

„Oder... was zur Todesstrafe – ist sie moralisch vertretbar?"

Annalena hob eine Augenbraue, „Was hattest du bitte für ein Wochenende?"

„Okay, also dann doch", er blickte auf den Block und zeigte auf sein Gekrakel, „Werden wir die globale Erwärmung rechtzeitig stoppen können?"

„Mit dieser Regierung? Auf keinen Fall. Nimm die Todesstrafe, die ist aussichtsreicher", brachte Annalena ihre Empfehlung trocken herüber.

„Hey, nicht so pessimistisch."

Sie waren vor dem Raum angekommen, Annalena grinste wegen Roberts Reaktion, „Sorry. Ich bin heute ein bisschen angepisst, ich glaub mir hat jemand den Reifen zerstochen." Sie öffnete die Tür.

„Was?!" Robert war entsetzt.

Sechs paar Augen schauten zu ihnen beiden, als sie langsam mit einem „Guten Morgen" den Raum betraten. Die Gruppe saß bereits um den großen, runden Tisch herum, der mit reichlich Kaffeetassen, einer Kanne und einer Box kalorienreicher Leckereien geschmückt war.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann (, im Folgenden nur noch als MASZ oder Strazi genannt,) begrüßte die zwei mit einem Lächeln. „Guten Morgen. Nächstes Mal bitte wieder pünktlich. Habt ihr etwa noch auf der Toilette rumgeknutscht?"

„Ne. War eine lange Nacht", meinte Annalena. Sie sah nicht wie rot Robert von der Bemerkung zum Rumknutschen wurde.

„Irgendwas, das wir in unsere Zeitung schreiben können? Wenn nicht, dann darfst du uns gerne später darüber berichten, aber jetzt fangen wir erstmal an."

Bundestag College AUGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt