Kapitel 74

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Kapitel 74

Annalena lief zu Ria, um hallo zu sagen. Sie waren vor knapp fünf Minuten erst wieder aus der Umkleidekabine auf den Platz gekommen und schon war die Sonne beinahe unerträglich. War es letztes Jahr um diese Zeit eigentlich auch schon so warm gewesen, oder bildete Annalena sich da was ein?

„Ihr habt gutes Wetter mitgebracht", scherzte sie ein wenig, als sie mit Ria einschlug; diese lachte.

„Das wird ein gutes Spiel." Die Kapitänin der Jungen Liberale sah zu Annalena. „Bist du fit?"

„Ist das normaler Smalltalk oder steckt mehr hinter der Frage?" Annalena fuhr sich mit der Hand durchs Haar und lächelte. Ria auch.

„Smalltalk der Höflichkeit wegen." Sie zwinkerte ihr zu.

Der Schiedsrichter begrüßte sie beide und stellte sich vor. Sie schüttelten nacheinander seine Hand, danach noch mal untereinander; Jan stand auf dem Feld und machte Fotos. Dann kam es zum Münzwurf und zur Seitenwahl, Ria durfte wählen und entschied sich zudem auch den Anstoß zu nehmen.

Die SpielerInnen beider Mannschaften stellten sich auf, der Schiri pfiff und das Spiel begann.

Die ersten Minuten brauchten alle ein bisschen, um wieder reinzukommen, oder war es die Hitze, die sie alle ein bisschen träger als sonst machte?

Das Passspiel war ausgewogen und der Ballbesitz so weit auch. Obwohl es sein könnte, dass die JuLis den Ball teilweise öfter hatten und länger behielten. Zumindest solange er in Spielerinnenbesitz war, wenn es dann mal in den Zweikampf ging. Die Spieler der JuLis waren irgendwie fast alle... um es jetzt möglichst nett auszudrücken... sie überschätzten ihr Können im Zweikampf teilweise. Sehr.

Torchancen gab es auch in der ersten Halbzeit. Drei vom BT AM, fünf von den JuLis. Außerdem gab es eine gelbe Karte für ein versehentliches Handspiel von Bijan mit anschließendem Freistoß für die JuLis und keine fünf Minuten später gelb für Wolfgang (von den JuLis) und einen anschließenden Freistoß fürs BT AM.

Annalena wischte sich mit ihrem Trikot den Schweiß von der Stirn. 35 Minuten und das Spiel wurde für einen Moment unterbrochen, weil ein Spieler der JuLis wohl aufgrund der Hitze zusammengeklappt war, und jetzt untersucht und ausgewechselt werden musste. Sogar Bärbel war heute etwas verändert, sie rief ihren SpielerInnen normalerweise ununterbrochen Anweisungen zu, heute tat sie das nicht ganz so oft. Naja, die Sonne machte auch ihr zu schaffen.

Das Spiel war einfach nur frustrierend bis jetzt. Trotz mehrerer Chancen von beiden Seiten war noch kein Tor zustande gekommen. Zusätzlich knallte die Sonne erbarmungslos auf sie herunter und zehrte so schon an den Kräften, da brauchte Annalena nicht noch die Sorge, dass als nächstes eine oder einer ihrer TeamkollegInnen umkippen könnte.

Jetzt ein kleiner Regenschauer wäre toll. Obwohl, danach war es in der drückend schwülen Luft noch unangenehmer zu spielen, also lieber doch kein Regen.

Der Schiri ließ noch fünf Minuten Nachspielzeit anzeigen, die sie vorhin wegen des kleinen Vorfalls verloren hatten. In diesen fünf Minuten versuchten die JuLis nochmal aufs Tor zu kommen. Ein Stürmer befand sich gerade im Zweikampf mit Heiko. Der holte sich den Ball, spielte einen langen Pass zu Janine und es wurde abgepfiffen.

Pause.

Annalena fühlte zum einen Erleichterung, dass jetzt erstmal Pause war, sie musste unbedingt etwas trinken und eine motivierende Rede von Bärbel wäre auch nicht schlecht. Zum anderen ging es ihr im Bauch herum. Dieses 0:0 mit dem sie in die Halbzeitpause gingen ließ alle Möglichkeiten für die zweite Halbzeit offen. Eben auch die von den JuLis abgezogen zu werden.

Annalena war im wahrsten Sinne des Wortes zum Kotzen und sie wusste nicht, ob das die letzten 50 Minuten Sport in der prallen Sonne waren oder der Druck, dieses Spiel gewinnen zu müssen. Sie kratzte sich am Hinterkopf und schloss die Augen für einen Moment.

Als sie sie wieder öffnete, merkte sie, dass sie noch auf dem Feld rumstand. Sie sah Alice und Franca in der Ferne sich unterhalten. Anne stand bei Heiko und Bijan und machte einige Notizen auf ihren Block. Annalena selbst hielt jetzt Ausschau nach ihren FreundInnen auf der Tribüne, fand sie aber nicht.

„Hey Captain", Lars kam zu ihr und legte ihr eine Hand an den Rücken, mit der anderen reichte er ihr seine Flasche. „Gut gespielt bis jetzt."

Annalena trank ein paar kleine Schlucke. „Ja, aber es reicht heute eben nicht gut zu spielen. Wir müssen besser als die anderen sein."

„Diese Hitze sind wir nicht so gewohnt. Das ist ein Faktor, den wir vornerein mehr Beachtung hätten schenken müssen."

Annalena sah Robert auf der Tribüne. Er winkte ihr zu und plötzlich begann er so Zeichen und Gesten zu machen, die lustig aussahen, aber wahrscheinlich motivierend sein sollten; Annalena musste schmunzeln, wie gerne hätte sie sich jetzt einfach mit Robert irgendwo im Schatten an einen See gesetzt und das Wetter genossen.

„Annalena, Lars, auf jetzt!", rief Bärbel die beiden aus der Ferne, ihre KollegInnen waren schon fast alle vom Feld verschwunden.


„Ey, habt ihr das eben gesehen? Die JuLis haben sogar extra jemanden nur für ihre kühlen Handtücher."

Nein, das hatte Annalena tatsächlich verpasst. Sie murmelte: „Ist doch voll übertrieben" und nahm die Oberarmbinde vom Arm. Sie saß neben Janine, stützte ihre Hände auf den Oberschenkeln ab und konzentrierte sich auf ihre Atmung.

„Ja schon, aber ich hätte jetzt auch gerne eins, to be honest", grinste Bijan.

Julia, die schon da war und wohl auf Christian wartete improvisierte schnell und reichte Bijan dann ein kühles Handtuch. Er war begeistert und bedankte sich.

Bärbel fragte nach, wie sie sich fühlten, ob es ihnen gut ging und bat sie jetzt alle mal etwas zu trinken. Annalena verschwand auf der Toilette, um sich zu übergeben.

Als sie zurückkehrte kam gerade auch Christian in die Umkleide. Er atmete schnell und lächelte unschuldig. „Tschuldigung, hier bin ich."

Julia warf ihm einen leicht genervten Blick zu.

Die beiden Sanis versorgten die SpielerInnen mit kühlen Handtüchern, wer mochte, und führten kurze Gesundheitschecks durch. Christian sagte Annalena sie müsse mehr trinken. Außerdem hörte er sich ihre Beschwerden an, riet aber von der Einnahme von Medikamenten ab.

Die Sanis verschwanden wieder und jeder ging die nächsten drei Minuten, seinem oder ihrem persönlichen Ritual nach. Annalena wechselte ihr Trikot, das sich mittlerweile unangenehm kühl auf ihrer Haut anfühlte gegen ein frisches. Sie legte die Kapitänsbinde wieder an und begann nochmal Gesicht, Nacken und Arme mit Sonnencreme zu bedecken.

„Lille, du bist ziemlich rot. Creme dich bitte auch nochmal ein."

Sie wendete sich an die gesamte Mannschaft: „Leute, das gilt für euch alle. Bitte nochmal eincremen. Ich weiß, dass es ein unschönes Gefühl ist, aber es ist wichtig."

Schnell war es dann auch schon so weit, die erste Halbzeit zu reflektieren und Bärbel gab einige Beobachtungen weiter, die sie gemacht hatte. Anschließend besprachen und diskutierten sie die Möglichkeiten und Chancen der zweiten Halbzeit, es war auch die Rede davon die Strategie zu wechseln.

Die Pause endete mit einer traumhaft motivierenden Ansprache von Bärbel, die so keine andere Trainerin hinbekommen hätte und Annalena führte das Team mit einem Lächeln auf den Lippen zurück auf den Platz.


Am Mittwoch gehts wieder ein bisschen actionreicher weiter. Habt einen schönen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

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