Kapitel 52
Sahras kleine unfreiwillige Showeinlage sorgte glücklicherweise dafür, dass sie das schreckliche Zimmer verließen und sich stattdessen auf dem Weg zum Esszimmer machten. Das Esszimmer war kein Zimmer, sondern irgendwie eher ein kleiner Saal. Hier hätten locker Esszimmer, Küche und Wohnzimmer der WG reingepasst.
Am Tisch standen acht Stühle, es war aber nur für vier Personen gedeckt. Alice schob Sahra ihren Stuhl hin als sie sich setzte und nahm dann neben ihr Platz. Sahra sah sich kurz ein wenig um. Das hier war irgendwie alles ein bisschen wie in einem Film. Und sie wusste immer noch nicht, ob sie Teil des Films sein wollte.
Sie sah zu dem Mann, der gerade gegenüber von Alice Platz nahm. Irgendwoher kannte sie ihn, sie wusste nur noch nicht woher.
„Was arbeiten Sie?", fragte Sahra direkt. Die Frage war an beide Eltern gerichtet gewesen, trotzdem antwortete Alices Vater zuerst; beziehungsweise als einziger.
„Ich habe mehrere Firmen im Ausland."
Also ließ er für sich arbeiten. Aber das hatte sie sich ja schon denken können, bei dem Haus.
„Und wo, wenn ich fragen darf?" Sie schaffte es irgendwie den angewiderten Ton in ihrer Stimme zu verbergen.
„Hauptsächlich in Asien."
Er blieb vage. Sahra konnte sich schon denken weshalb. Sie wollte sich gar nicht ausmalen, wie viele Menschen für den Kauf des Kronleuchter über dem Tisch ausgebeutet worden waren.
Schlimm genug, dass Arbeiter in Deutschland von der Bourgeoisie ausgebeutet wurden; hier hielten sich die meisten der Ausbeuter wenigstens an ein paar Regeln. (Was in ihren Augen trotzdem kein wirklicher Kompromiss war.)
„Kann es sein, dass Sie auch unter einem anderen Nachnamen aktiv sind, Herr Weidel? Ich habe Sie schon mal irgendwo gesehen, ich komm grad nur nicht darauf."
„Das kann sein. Ich habe ein paar Freunde im politischen Berlin. Aus Sicherheitsgründen trage ich in der Öffentlichkeit einen anderen Nachnamen. Du kannst dir vielleicht vorstellen, dass ein paar Leute nicht so gut zu sprechen sind auf einen erfolgreichen Geschäftsmann."
Erfolgreicher Geschäftsmann. Sahra könnte kotzen. Sie wusste, dass es wahrscheinlich gute Gründe dafür gab, dass gewisse Leute nicht leiden konnten, sagte aber nichts.
Sie sah zu Alice, die einfach nur schweigend neben ihr am Tisch saß und die Tischdeko anstarrte. Sicherheitsgründe. Bei dem Wort wurde Sahra ein wenig flau im Magen.
Eine brünette Frau kam und servierte das Abendessen.
Sahra erkannte sie. Sie hatte sie letzten Monat mal bei einem Fußballspiel gesehen. Annalena meinte damals Alice hatte sie mal als Freundin der Familie vorgestellt. Helena war ihr Name.
Sahra ging ja eher unregelmäßig zu den Spielen. Hauptsache zu den großen. Um ihre Freunde zu unterstützen, oder wenn sie wieder mal mit Linda und Robert dafür verabredet war – meistens war das, wenn Linda sowieso hinmusste, um Fotos für die Website oder die Unizeitung zu machen. Aber seitdem sie sich irgendwie in Alice verguckt hatte, war das alles auch viel erträglicher geworden.
„Sitz gerade", kam es von der Frau, die gegenüber von Sahra saß.
Erst dachte Sahra, sie wurde angesprochen, aber Alice antwortete mit einem Grummeln: „Ich sitze gerade" und setzte sich gerade hin.
Dann begannen sie zu speisen.
„Und was machen Sie beruflich, Frau Weidel?", fragte Sahra ernsthaft interessiert und blickte zu ihr über den Tisch.
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Bundestag College AU
FanfictionDer Titel und das Cover Art sagen eigentlich schon alles aus, was man über diese Geschichte wissen sollte. Falls es doch etwas detaillierter sein soll, dann gibt es vor dem ersten Kapitel eine kleine Übersicht. :) Crack-esque
