Kapitel 22

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Kapitel 22


Mittwochmorgen kam Annalena zum Anschauen ihres Armes ins Büro der UnisanitäterInnen. Christian war anwesend und räumte gerade einen Schrank neu ein, als Karl Lauterbach Annalenas Wundheilung überprüfte.

Lauterbach sagte es sähe alles gut aus und es sollte reichen, würde Annalena am Freitagmorgen ein letztes Mal vorbeikommen. Er entließ sie dann wieder und ging selbst für einen Moment, wahrscheinlich um sich einen Kaffee zu holen oder sich mit den anderen Profs zu treffen, vermutete Annalena.

Sie warf sich ihre Sweatjacke über und sprang von der Untersuchungsliege. Christian sah sie an, sie bemerkte seinen Blick. „Ist was?"

Er war ruhig und nachdenklich, so kannte Annalena ihn eigentlich gar nicht, und das machte sie etwas nervös. Außerdem gefiel ihr sein Blick so gar nicht.

„Sprich halt aus, was dir auf dem Herzen liegt und schau mich nicht nur so an, Christian."

„Hast du Robert nichts von Janine erzählt? Das läuft doch noch, oder nicht?" Er stellte die Box Einweghandschuhe, die er gerade noch in der Hand hielt in den Schrank und drehte sich zu ihr um.

Ah, daher wehte der Wind also.

„Nein, hab ich nicht. Aber das geht auch niemanden was an, was ich privat mache. Hier hat keiner ein Recht auf Informationsauskunft."

„Ach?"

„Ja. Ach."

„Der Kerl ist Hals über Kopf in dich verknallt, Annalena!", platzte Christian heraus.

Sie hob eine Augenbraue, „Robert ist nur ein guter Freund. Ich weiß ja nicht, wo du deine Infos her hast."

„Vertrau mir, er sieht das nicht so. Aber wenn das für dich so ist, dann musst du ihm das sagen. Führ ihn nicht weiter an der Nase rum–"

„– hey Moment, was soll diese Unterstellung?" Annalena funkelte ihn wütend an.

„Na, das ist es doch, was du machst. Du hältst dir alle Optionen offen, oder nicht? So kenn ich dich ja. Annalena, er hat verdient zu erfahren, dass du kein Interesse hast – wenn du kein Interesse hast. Sag es ihm, oder ich tu es."

„Ach, jetzt entscheidest du also? Na dann." Annalena hob eine Braue, Christians Blick war ernst.

„Ich mach keine Scherze. Wir wissen beide etwas über dich, das du lieber nicht an die Öffentlichkeit dringen lassen möchtest."

Annalenas Augen wurden groß, „Erpresst du mich jetzt etwa?"

„Ich möchte nur, dass du mit Robert redest."

Sie beide schwiegen einen Moment.

„Na gut, ja, ich machs. Ich rede mit ihm."

„Danke. Du musst mich auch nicht erwähnen; kannst es als Eigeninitiative verkaufen."

Annalena rollte die Augen und machte sich auf den Weg zur Tür. Christian fügte noch etwas zum Schluss hinzu: „Und Annalena?"

„Was?", blaffte sie ihn an, sie war beinahe am Ende ihrer Geduld mit Christian.

„Verarsch ihn nicht. Das hat er echt nicht verdient. Er ist moralisch und charakterlich besser, als wir beide es je sein könnten."

Eigentlich wollte sie ihn jetzt so richtig anfahren, was ihm denn einfällt ihr so etwas zu unterstellen, aber zu Christians Glück kam gerade Jens ins Sani-büro rein. Annalena verabschiedete sich wortlos und zog dir Tür hinter sich zu, dann machte sie sich auf den Weg zur anstehenden Vorlesung.


## 4 Monate zuvor ##

Christian lief mit Blumen und Annalenas Lieblingssekt in der Hand Richtung Umkleiden. Es kamen ihn Bijan und Cem entgegen, denen er nochmal zu ihrem Sieg gratulierte. Zwei zu Null, das war ein Ergebnis, das sich sehen lassen konnte.

Janine hatte den ersten Treffer in der siebzehnten Minute erzielt, Annalena dann den zweiten in der sechzigsten. Christian wollte seine Freundin beglückwünschen, er hatte sie zwar schon auf dem Feld geküsst und in den Arm genommen, aber jetzt würde er ihr Blumen überreichen, die er nach dem Spiel noch besorgt hatte und dann später vielleicht auf dem Parkplatz mit ihr Anstoßen.

Heute Abend würde er sie schick zum Essen ausführen und vielleicht blieb sie ja über Nacht bei ihm. Er grinste etwas bei dem Gedanken. Annalena brauchte oft länger als ihre Teammitglieder beim Duschen und Umziehen, es war also nicht ungewöhnlich, dass Christian sie an der Umkleide abholte.

Als er an der Tür der Kabine klopfte und beim dritten Mal keine Antwort bekam, öffnete er sie langsam und trat ein. Die Umkleide war leer, bis auf zwei Sporttaschen, die auf dem Boden zwischen den Bänken lagen. Ein nicht sehr angenehmer Geruch von Schweiß lag in der Luft.

Er hörte das Wasser in den Duschen aus dem Nebenraum laufen und beschlossen hier auf seine Herzensdame zu warten. Als er sich auf eine der Bänke setzte bemerkte er, dass gegenüber von ihm zwei Paar Schuhe ordentlich vor der Bank standen. Die Jacken hingen an den Kleiderhaken, nur Hosen, Trikots, Schienbeinschoner und Stulpen waren beinahe etwas lieblos irgendwo hingeworfen worden. Christian fragte sich, ob alle Fußballspieler so unordentlich waren, oder ob das Annalenas Eigenart war.

Er holte sein Smartphone raus und schrieb Marco, dass er nicht warten musste. Er würde sich heute Abend oder morgen bei ihm melden. Marco wünschte ihm einen schönen Abend.

Christian sah auf seine Uhr und plötzlich hörte er etwas, das sich leider sehr nach einer guten Zeit anhörte, bei der er allerdings nicht dabei war. Annalenas Stöhnen verwirrte ihn. Er stand auf und wollte gerade nachsehen gehen, als sie einen Namen... äußerte, der nicht seiner war. Entsetzt ließ Christian den Blumenstrauß fallen und stütze sich an der Wand ab.

Konnte das möglich sein? Hatte er sich verhört? Hatte Annalena gerade... betrog sie ihn gerade? Er taumelte Richtung Tür und stürzte dann regelrecht nach draußen. Das wurde ihm alles zu viel. Den Sekt hatte er auf der Bank stehen und den Blumenstrauß am Boden liegen lassen. Er rannte mit Tränen in den Augen raus an die frische Februarluft. 

An diesem Abend feierten sie den Sieg nicht gemeinsam.

Bundestag College AUGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt