Kapitel 8

412 36 32
                                        

Kapitel 8

Bepackt mit vier Beuteln voll mit Einkäufen kamen Sahra und Anne schwer schnaufend im vierten Stock vor ihrer Wohnung an. Ausdauer war ihr Ding, dieses Gewichteschleppen eher weniger. Aber jetzt hatten sie wenigstens wieder einen vollen Kühlschrank und Toilettenpapier, außerdem hatten sie die Zutaten fürs Abendessen besorgt.

Anne drehte den Schlüssel im Schloss und stieß die Tür auf. Sie traten ein und trugen die Einkäufe in die Küche, im Vorbeigehen sah Sahra das kleine schwarze Fellknäuel an der Balkontür sitzen. Für einen Moment ließ sie Anne in der Küche zurück, um Bastet hereinzulassen.

Sie hatten der Katze trainiert nur über den Balkon rauszugehen und zu kommen und nicht durchs Treppenhaus oder die Wohnungstür, da Kleintiere in ihrem Haus eigentlich nicht erwünscht waren.

Vor ein paar Wochen war Bastet zum ersten Mal auf ihrem Balkon aufgetaucht. Sie saßen abends gemütlich zusammen und ließen einen anstrengenden Tag ausklingen, als der Streuner sich zu ihnen gestellte. In den nächsten Wochen (die WG war mittlerweile mit Trockenfutter für Katzen ausgerüstet) kam sie dann einfach immer häufiger zu Besuch. Irgendwann war Cem dann mal unachtsam gewesen und hatte die Balkontür aufgelassen. Von diesem Zeitpunkt an hatte der niedliche Streuner permanentes Wohnrecht beansprucht – man bekam sie nicht mehr los.

Als es dann sozusagen offiziell war, dass die WG nun eine Katze hatte, stand natürlich erstmal ein Besuch beim Tierarzt an. Die Bombay war kerngesund, und sogar kastriert (wieder Tierarztkosten gespart). Ein wenig dünn für ihr Alter war sie, aber seit sie bei den vieren wohnte hatte sich das auch gebessert. Außerdem war sie jetzt geimpft.

Bastets Name war Programm. Bei den Ägyptern wurde Bastet [nicht ihre Katze] als Göttin der Fruchtbarkeit und der Liebe verehrt. Na gut, der Teil vielleicht weniger, aber dass sie auch Göttin der Freude, des Tanzes, der Musik und Feste war, das gefiel ihnen allen vier. Und so war ein Name gefunden.

Sahra öffnete die Balkontür, „Hallo du Süße, na wo warst du heute wieder unterwegs?"

Bastet miaute und drückte ihren Kopf gegen Sahras Bein, sie kniete sich hin, „Ist ja gut." Und streichelte ihr Köpfchen. „Heute musst du brav sein, Linda und Alice kommen zu Besuch."

Die Katze warf sich vor Sahra auf den Boden, ließ sich den Bauch streicheln und schnurrte.

„Ja, Linda kennst du schon, aber wir wollen doch nicht, dass du einen schlechten ersten Eindruck bei Alice hinterlässt. Nicht, dass sie uns dann nicht mehr besuchen kommt."

Sahra hatte selbst erst gestern beim Abendessen von Cem und Annalenas Plan 'Alice mal wieder einzuladen' gehört. Das mit Linda stand schon länger fest – Sahra und sie kochten beide hobbymäßig sehr gerne, da war das ja eigentlich perfekt.

Bastet miaute.

„Spitze. Du bist ein Schatz."

Anne rief sie aus der Küche und Sahra lief los, erst wäre sie beinahe über Bastet geflogen, die zwischen ihren Beinen durchgehuscht war und dann beim Versuch auszuweichen fast über das Minitrampolin, das JEMAND richtig beschissen zwischen Wohnzimmer und Küche stehen lassen hat.

„Verdammt, Annalena." Sahra hob es hoch und lehnte es hochkant an die Wand neben der Couch, wo es nicht mehr im Weg stand. Dann half sie Anne in der Küche mit den restlichen Einkäufen. 

Bundestag College AUGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt