Der Titel und das Cover Art sagen eigentlich schon alles aus, was man über diese Geschichte wissen sollte. Falls es doch etwas detaillierter sein soll, dann gibt es vor dem ersten Kapitel eine kleine Übersicht. :) Crack-esque
Alice rannte die Treppe herunter und rief sich noch im Treppenhaus einen Uber.
Als sie raus in die Abendsonne trat bereute sie schon, dass sie gerade so schnell gegangen war. Eigentlich hätte sie nochmal hoch laufen und sich gebührend von Sahra verabschieden sollen. Scheiße, Lille, was sollte das? Sie stampfte einmal unbewusst mit dem Fuß.
Während sie auf den Fahrer wartete, der angeblich in zwei Minuten da sein sollte las sie noch mal die Nachricht von Helena. Sie war um kurz vor fünf reingekommen. Es war eine Erinnerung zum Abendessen.
„Lille, denk daran, dass dein Vater heute nach Hause kommt. Ich koche auf achtzehn Uhr. Sag mir bitte Bescheid, falls du länger brauchst. Viel Spaß noch mit Christian ;)"
Helena wusste, dass Alice nicht mit Christian unterwegs war. Deshalb das Zwinkersmiley. Alice grinste etwas, aber nicht lange, denn dann las sie die Nachricht ein drittes Mal.
Achtzehn Uhr.
Hätte sie sich doch bloß die Minute genommen, um schon früher zu antworten. Sie wusste, dass Helena dafür gesorgt hätte, dass sich das Abendessen unabsichtlich um ein paar Minuten verzögerte. Jetzt war es aber fast schon zu spät dafür.
Der Wagen kam vorgefahren und Alice stieg ein.
„Bin jetzt auf dem Weg. Zeit vergessen."
Sie suchte noch ein erschrockenes Emoji aus und schickte die WhatsApp raus. Hoffentlich drückte der Fahrer ein bisschen aufs Gas.
Dem Feierabendverkehr um 17 Uhr waren sie zwar entgangen und ihr Uber fuhr, als wäre er Mitglied in Dom Torettos 'Familie', aber gegen rote Ampeln konnte selbst er nichts ausrichten.
Der Wagen hielt kurz nach sechs an der Straße vor ihrem Haus. Alice bezahlte per App, gab eine spitzen Bewertung und verabschiedete sich. Dann ging sie durchs Tor und joggte die Einfahrt zum Haus hoch.
Der Benzer ihres Vaters stand wie erwartet vor der Garage. Er war also pünktlich gekommen.
Sie schloss die Tür auf und trat ein.
Dann versuchte sie nochmal ihr Glück und schlich durchs Foyer. Sie wollte ihre Tasche schnell auf ihr Zimmer bringen – das wird wohl nichts. Ihr gegenüber stand bereits ihr Vater. Die Arme hatte er verschränkt vor der Brust und seine Mundwinkel zeigten gen Boden.
„Du bist zu spät."
„Tut mir leid. Ich weiß. Ich geh noch schnell Hände waschen."
„Nein. Komm zu Tisch."
„Okay", sie machte sich langsam auf dem Weg Richtung Esszimmer. Dabei versuchte sie beim Gehen unauffällig ihre Tasche neben sich zu Boden sinken zu lassen, um sie im Foyer zwischenzuparken, für bis nach dem Essen. Ihr Vater bemerkte das.
„Was wird das?" Er sah sie an. „Nimm sie mit rein."
Sie grüßte ihre Mutter und setzte sich dann ein wenig widerwillig auf ihren Platz an den Tisch.
Ihr Vater rief Helena und diese kam und begann das Abendessen zu servieren; als sie ihren Teller vor Alice abstellte warf sie ihr einen mitfühlenden Blick zu.
Alices Smartwatch leuchtete auf. Eine neue Nachricht von Sahra – scheiße. Die hätte sie abnehmen sollen.Und natürlich hatte Vater das sehen müssen.
„Ist das diese Anni-Anneli–dings", fragte er und gab sich nicht mal Mühe den richtigen Namen zu sagen.
„Annalena ist ihr Name", korrigierte sie ihn etwas gereizt. „Nein. Das ist jemand anderes."
„Zeig mal her."
Sie blinzelte in seine Richtung. Nicht schon wieder diese Scheiße.
Er sah sie an.
Langsam und äußerst widerwillig nahm sie ihre Uhr ab und schob sie ihm über den Tisch zu. Scheiß Stasi.
„Sahra. Das ist eine ungewöhnliche Schreibweise. 'Es war schön heute'", las er einen Teil der Nachricht vor. „Wer ist Sahra?"
„Eine Kommilitonin."
„Und ihr habt euch heute getroffen?"
„Ja."
„Warst du nicht mit Christian Eisessen?", mischte sich ihre Mutter jetzt ein.
„Sie war halt auch dabei."
„Ihr wart ganz schön lange Eisessen", merkte ihr Vater an.
„Wir waren auch im Park", presste Alice zwischen ihren Zähnen hervor.
„Ich will sie kennenlernen." Ihr Vater sah zu ihr rüber.
„Ist grad ein bisschen schlecht zeitlich. Wegen Fußball, und sie hat auch viel zu tun." Versuchte Alice sich rauszureden. Ganz gelogen war es ja nicht.
„Du wirst dir die Zeit für deinen Vater nehmen." Sagte er und ließ keinen Raum für Widerspruch.
„Ach?" In Alice brodelte es. Unterm Tisch hatte sie ihre Faust bereits geballt. „Ich soll mir Zeit nehmen?" Sie lachte leicht höhnisch auf. Das hatte sie jetzt einfach nicht zurückhalten können.
„Der Ton, junges Fräulein." Er musste sich anstrengen nicht laut zu werden, das wusste Alice. „Ich möchte deine Freunde kennenlernen. Wenn du mit jemand neuem unterwegs bist, dann interessiert mich das."
Sie schwieg und sah auf den dampfenden Teller, der vor ihr auf dem Tisch stand.
„Und jetzt leg die Uhr und deine Tasche auf die Kommode. Wir wollen in Ruhe speisen."
Er wartete, bis sie aufgestanden war und seine Anweisungen mit einem Augenrollen (das er zum Glück nicht bemerkte) befolgt hatte, dann fügte er hinzu: „Das Smartphone bleibt heute Abend hier liegen. Und die Uhr auch. Deinen Laptop darfst du für die Universität behalten. Und jetzt geh dir die Hände waschen."
Alice stampfte Richtung Badezimmer.
Was ein richtig heiß dampfender Haufen Mist.Sie wusste schon, warum sie sich ein NFT business aufbaute. Um irgendwann unabhängig von Vaters Kreditkarte zu sein. Und mal ehrlich, sie verkaufte nicht nur Bilder an ekelhafte Studenten. Die Vorstellung, dass man damit ordentlich was verdiente, war doch naiv.
Heute wieder ein bisschen „Drama" lel und nochmal kürzer. Übersicht über die Beziehungen ist jetzt auch online (für alle, die immer ein wenig verwirrt waren). Ein schönes Wochenende! x
Hoppla! Dieses Bild entspricht nicht unseren inhaltlichen Richtlinien. Um mit dem Veröffentlichen fortfahren zu können, entferne es bitte oder lade ein anderes Bild hoch.