Kapitel 20
Die WG begab sich nach dem Spiel noch mal nach Hause, bevor es abends in den Club zum Feiern ging. Anne und Sahra waren bereits vorgefahren, Cem und Annalena würden sich duschen und umziehen und was man so in der Umkleide nach einem Sieg machte (mit einem Bier Anstoß zum Beispiel). Um 18:40 Uhr aßen sie zu Abend und machten sich dann zum Ausgehen fertig.
Die Mannschaft war an diesem Abend die Heldinnen und Helden im Club, jeder wollte ihnen Getränke ausgeben oder mit ihnen im VIP Bereich abhängen. Der Club war brechend voll, die Musik laut und die Stimmung ausgelassen. Es waren viele bekannte Gesichter aus der Uni da, die man aus dem einen oder anderen Kurs kannte – Studentinnen wie Studenten. Im abgegrenzten VIP Bereich, den die Mannschaft für den Abend gemietet hatte, waren aber schon sehr offensichtlich mehr Frauen als Männer unterwegs.
An das blaue Neonlicht, das anfangs anstrengend für die Augen war, gewöhnte man sich schnell. Die rechteckige Sitzbank, auf der die SpielerInnen und ihre Begleitungen saßen, war an einer Seite offen. Der lange Tisch in der Mitte stand mit Getränken voll.
Christian und Marco waren auch irgendwie in die VIP Area gekommen, niemand wusste genau, wer sie eingeladen hatte, aber sie hatten sich mit ein paar Damen umgeben und Marco zitierte aus dem Gedächtnis Dialoge aus verschiedenen Star Wars Filmen.
Robert kam mit den zwei Bier zur Couch zurück; Annalena saß dort mit einer hübschen brünetten Studentin. Da war er gerade mal zwei Minuten weg, und schon kamen die Groupies. Die Frau sah sich Annalenas Unterarm an und fuhr gleichzeitig mit einer Hand ihren Oberschenkel entlang. Robert konnte nicht verstehen, was das eine mit dem anderen zu tun hatte und wieso man so etwas überhaupt machte.
„Oh nein, tut es noch sehr weh? Das war ja so ein fieses Foul. Das sah richtig schlimm aus."
„Es geht gerade", meinte Annalena tapfer, dann sah sie Robert vor sich stehen und schickte die Studentin fort.
Ein wenig weiter weg von ihnen, ebenfalls auf der Couch, saßen einige Teammitglieder – unter ihnen Cem – und spielten ein Trinkspiel. Gegenüber hatte sich eine Zuhörerschaft um Bijan und Alice herum versammelt, die gespannt an Alices Lippen hing.
Bijan ließ sie jetzt schon zum X-ten Mal die Geschichte mit dem Schlag auf die Nase erzählen. Immer noch, oder schon wieder, hörten alle begeistert zu und feierten die Rache am JU Spieler, der ihre Kapitänin grob gefoult hatte. Sahra war mittlerweile done mit denen allen, sie fand schon das war ein bisschen dümmlich und minderbemittelt, wie sie da alle diese Gewalt feierten.
Also stand sie auf und ging zur Tanzfläche, wo sie Linda traf, die eine begnadete Tänzerin war. Die Blondine grinste und tanzte sie an, „Du siehst nicht glücklich aus, Sahra. Was ist denn los?"
„Ugh, diese FußballerInnen sind irgendwie alle gleich..."
Linda kicherte und nahm ihre Hand, dann wirbelte sie Sahra einmal schnell und spielerisch um sich selbst. „Naja, das ist der Höhenflug. Gönnen wir es ihnen für heute Abend Mal."
Sahra seufzte, aber stimmte ihr zu.
„Ich bin trotzdem froh, dass ich Anne habe. Leichtathletikerinnen sind eben weniger anstrengend, nicht wahr", sie zwinkerte Sahra zu. „Hey, sieh es mal so. Du bist die unkomplizierte Person in der Beziehung."
Sahra wusste nicht was Linda jetzt damit andeuten wollte. „Wo ist Anne eigentlich?"
„Ich glaube Getränke holen." Linda sah sich beim Tanzen langsam um und runzelte die Stirn, „Allerdings schon ganz schön lange... Oh fuck, ich hab meine Freundin verloren!" Sie hörte augenblicklich auf zu tanzen und sah Sahra panisch an, „Ich muss los und Anne suchen! Bis dann."
Sahra stand etwas verloren auf der Tanzfläche rum, ein junger Mann begann sie anzutanzen, aber sie hatte keine Lust und schickte ihn weiter. Plötzlich spürte sie eine Hand an ihrer Hüfte und glaubte gerade, sie müsse laut werden, als sie sich umdrehte und direkt in Alices Gesicht sah.
Alice hatte sich schick gemacht für den Abend; sie trug ein weißes Hemd auf marineblauer Hose mit schicken Schuhen. Aber Alice persönlich fand, dass Sahra mehr als hinreißend aussah. Sie trug ein kleines Schwarzes. Elegant, zeitlos; das Kleid und ihre Schuhe betont ihre Beine und ließen sie noch länger aussehen, als sie schon waren. Auch wenn Sahra dadurch jetzt einige Zentimeter größer als sie war, aber das machte nichts.
Ihre Hand ruhte noch immer auf Sahras Hüfte, sie lächelte. „Hat dir meine Geschichte nicht gefallen?"
„Nein. Tatsächlich nicht. Ich finde Gewaltverherrlichung nicht wirklich gut."
„Tut mir leid. Dann lass uns über etwas reden, das du magst."
Heiko hatte sich zu Annalena und Robert gesellt und sie unterhielten sich ein wenig. Schnell versammelten sich einige Bewunderer um sie herum. Plötzlich hatte Heiko etwas in der Hand, das wie ein schmutziges Tuch aussah, er stand auf und hob es in das Licht. Robert erkannte die Nummer 10 und den Namen BAERBOCK.
Die Leute kreischten und pfiffen, Fans sowie Teammitglieder, und Heiko fing an irgendeine Lobeshymne auf Annalena zu grölen. Was zur Hölle? dachte sich Robert und sah Annalena an, doch diese grinste nur. Ihr gefiel das alles auch noch. Jetzt wurde es ihm zu affig. Die nahmen doch nicht ernsthaft ein vollgeblutetes Trikot in einen Club mit, nur um dann diese Show abzuziehen?
Er stand auf und verließ – so schnell es ging in dem Gedränge – den VIP Bereich. Christian sah Robert vorbeirauschen und schaute ihm kurz hinterher, dabei wunderte er sich, warum er es so eilig hatte. Dann war Robert aus seinem Sichtfeld verschwunden und er hörte wieder Marco zu, der gerade irgendwas über Kylo Ren erzählte.
Es war kurz vor halb zwölf als Anne mit Cem im Schlepptau zu Alice und Sahra an die Bar kam. Die zwei hatten ein wenig über linke Theorie geredet und Sahra war positiv überrascht, wie gut Alice sich auskannte.
„Hi, ihr beiden. Lasst euch nicht stören von mir. Sahra, ich wollte nur Bescheid geben, dass ich Cem jetzt nach Hause bringe. Er hat ganz schön gut gefeiert mit den Jungs und Mädels. Annalena hat sich vorhin schon bei mir verabschiedet, die ist schon Zuhause."
Der Club hatte sich bereits etwas geleert, viele der Gäste hatten am nächsten Tag wieder Vorlesungen; sie auch. Cem gab ein Daumenhoch und stand müde dreinblickend neben Anne.
Alice grinste ihn an, „Du alte Partykanone."
Sahra erhob sich vom Barhocker. „Wartet, ich komme auch mit. Es ist schon spät."
Alice war ein wenig enttäuscht, dass Sahra so plötzlich die Flucht ergriff, aber sie ließ sich nichts anmerken.
„Du musst wirklich nicht –" Anne sah ihren Blick, „Ja, besser du kommst mit. Nicht, dass wir morgen noch eine Vermisstenanzeige aufgeben müssen." Dann sah sie Alice an, „Du mach auch nicht mehr so lange, ja? Ich kenne deinen Stundenplan."
Alice grinste und nickte, dann sah sie Sahra an, „Das war eine gute Unterhaltung."
Sahra stimmte ihr zu, sie lächelte und verabschiedete sich dann mit einer Umarmung von Alice. Die Blondine roch sehr gut und die Umarmung ließ Sahras Herz ein wenig schneller schlagen. „Komm gut nach Hause."
„Ihr auch." Meinte Alice und sah dann den drei hinterher, wie sie aus dem Club verschwanden.
Die Treppe bis hoch in den vierten Stock waren anstrengend gewesen, vor allem, wenn nur zwei von drei Personen ihre Beine benutzten. Als Anne die Wohnungstür aufsperrte und Cem zusammen mit Sahra herein begleitete – „Vorsicht, das Fahrrad." – kam ihnen Bastet schon miauend entgegen. Das Licht im Badezimmer brannte und sie hörten den Wasserhahn laufen.
Sahra schaltete das Licht im Flur an. Die Badezimmertür öffnete sich und Janine kam heraus. Sie trug eins von Annalenas Pyjama-Oberteilen und winkte den drei zur Begrüßung zu. „Gute Nacht." Dann verschwand zurück in Annalenas Zimmer.
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Bundestag College AU
FanfictionDer Titel und das Cover Art sagen eigentlich schon alles aus, was man über diese Geschichte wissen sollte. Falls es doch etwas detaillierter sein soll, dann gibt es vor dem ersten Kapitel eine kleine Übersicht. :) Crack-esque
