Kapitel 21
Christian parkte seinen Porsche 911 auf dem kleinen Parkplatz am Rande der Stadt. Robert und er stiegen aus und liefen zum Restaurant. Es war Dienstagnachmittag und wie gewohnt waren sie zum Indisch essen verabredet.
Das Essen hier war spitze, und es war nie zu voll. Die Hipster hatten das Restaurant noch nicht entdeckt und Christian war froh drüber. Es hatte fast ein halbes Jahr gedauert, bis er nach der letzten Übernahme ein neues Lokal fand, das die indische Küche so gut hinbekam wie sein vorheriges und nicht von Gästen überrannt wurde.
Er öffnete Robert die Tür und augenblicklich wehte ihm der himmlische Duft aus der Küche entgegen; Christian lief schon jetzt fast das Wasser im Mund zusammen. Im Restaurant lief leise karnatische Musik, die der Atmosphäre noch mehr Authentizität verlieh.
Sie begaben sich an den Empfang und Christian sagte seinen Namen, auf den er reserviert hatte – hier war zwar nie zu viel los, aber sie hatten einen ganz bestimmten Tisch, an dem sie jeden Dienstag saßen, das war Gesetz.
Die Dame kannte sie beide bereits und begrüßte sie freundlich, dann folgten sie ihr zum Tisch. Christian öffnete den Knopf seines Jacketts und die Studenten nahmen gegenüber voneinander Platz.
In dem kleinen Restaurant waren die schwarzen Tische mit ein wenig Abstand aneinandergereiht und boten abwechselnd Platz für zwei bis vier Personen. Über den Tischen hingen tropfenförmige Windlichter aus Buntglas – orange und türkis – außerdem Messinglaternen mit orientalischen Verzierungen und kleine weiße Rundkäfige, in denen auch Kerzen brannten. Zudem gab es noch zwei goldene Kronleuchter in denen spitze Glühbirnen eingeschraubt waren. Es sah zuerst ein bisschen chaotisch aus, bis man merkte, dass es so gehörte und doch tatsächlich System hatte.
Eine Bedienung kam an den Tisch und zündete die Kerze zwischen ihnen an, dann reichte sie den beiden die Speisekarten. Christian wusste schon, was er essen würde, er hatte sich seit dem Wochenende darauf gefreut. Trotzdem ließ er Robert noch einen Moment Zeit, um die Karte zu studieren.
Als sie auf ihr Essen warteten beobachtete Christian Robert ein wenig. Er war heute Morgen schon nicht so gut drauf gewesen. Irgendwas bedrückte ihn, da war Christian sich sicher. Und auch jetzt sah Robert nicht wirklich glücklich aus, dabei aßen sie doch gleich Indisch!
„Hey, alles okay bei dir? Du wirkst heute so abwesend mit deinen Gedanken."
„Ja. Alles gut." Er seufzte und machte eine kleine Pause. „Naja, um ehrlich zu sein, eigentlich nicht."
„Hat es was damit zu tun, dass du gestern Abend so schnell verschwunden bist von der Party?"
„Ja... Annalena war so komisch. Ich weiß nicht, ob das war, weil sie betrunken war oder so... aber hast du das mitbekommen, als Heiko das blutige Trikot rausgeholt hat und alle voll gehypt waren? Da hat es mir dann gereicht... sorry, aber sind die alle Spinner?"
Christian grinste etwa. „Du sagst deine Meinung, hm? Ja, ich habs mitbekommen, aber keine Ahnung was das sollte. Naja, da stecken wir nicht drin. Ich nehm mal an, dass das das Hoch nach dem Sieg war. Vielleicht auch noch der Alkohol. Du weißt doch Partys sind gute Orte für ein bisschen Show. Sie können keinen Eintritt für ihre Spiele verlangen, aber mit Merch lässt sich die Kasse ein wenig aufbessern, und vielleicht ist es auch irgendeine Tradition oder so von der wir nichts verstehen." Er zuckte mit den Schultern.
„Du hast wahrscheinlich Recht. Ich mach mir da wohl viel zu viele Gedanken."
Die Bedienung kam mit ihren Samosas und den kleinen Schüsselchen Raita. Sie bedankten sich. „Lass es dir schmecken", Christian probierte seine Vorspeise und sah zu Robert rüber, der auch zu Essen begann.
„Weißt du ob Annalena gerade in einer Beziehung ist? Also ihr habt ja schon irgendwie noch ne okaye Beziehung, ich dachte vielleicht redet sie mit dir über solche Dinge."
Christian hörte Robert zu; wenn man mal begonnen hatte sein Herz auszuschütten, dann ließ sich schwer halt machen.
„Mir hat sie jedenfalls nichts gesagt. Ich denke ich hatte nen Crush. Aber sie hat jemand anderes geküsst."
Christian wurde hellhörig. Hatte? Er wusste, dass Annalena das alles eher locker sah. Selbst wenn sie jemanden hätte, könnte Christian nicht mit Sicherheit sagen, ob sie das davon abhalten würde mit Robert anzubändeln.
„Also mir hat sie da jetzt nichts erzählt." Er erwähnte nicht Janine und Annalenas besondere Beziehung, weil er selbst nicht wusste, ob das noch aktuell war. Annalena ging nicht mehr so an die Öffentlichkeit mit ihrem Beziehungsstatus.
„Okay. Hätte ja sein können. Ich hab auch nichts von ihr und Julia gewusst."
„Julia?"
„Ja."
„Okay krass. Aber überrascht mich jetzt nicht wirklich." Christian nahm den letzten Happen der Teigtasche.
Roberts Blick schmerzte in Christians Brust.
„Du sagtest hatte? Vergangenheit?"
„Naja, 'hab', eigentlich. Sie scheint ja andere Interessen zu haben... ich wünschte ich könnte das einfach abschalten... diese Gefühle, weißt du.
Christian wusste genau, was Robert meinte; er nickte. „Das tut mir leid, Robert. Ich wünschte ich könnte dir da irgendwie helfen." Außer mit einem leckeren Indischen drei Gänge Menü, dachte er.
Christian fand tatsächlich noch ein paar aufmunternde Worte für Robert, und dann wurde auch schon ihr Hauptgericht serviert. Rajma mit Reis. In Christians Augen waren Tränen, als der wunderbare Duft des Currys in seine Nase stieg. Die Dame stellte ihnen noch ihre Lassis auf den Tisch und wünschte ihnen einen guten Appetit, dann verschwand sie wieder.
Robert war ebenso begeistert wie Christian, er nahm das Besteck und wünschte seinem Freund einen guten Appetit. Dann begannen sie zu speisen. Sie gossen ihr Essen und redeten über dieses und jenes, aber einen Großteil der Zeit herrschte eine angenehme Stille zwischen ihnen.
Ihre Teller wurden abgeräumt und Robert lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Er sah Christian an. „Was ist eigentlich an dem Gerücht vom illegalen Autorennen dran?"
Christian kratzte sich hinterm Ohr, „Naja, meine Antwort wird dir nicht gefallen."
„Das hast du nicht wirklich getan?" Er hörte die Spur Entsetzen in Roberts Stimme.
„Es war außerorts auf einem unbebauten Gewerbegebiet. Es wurden also keine Menschen gefährdet... außer den Fahrern."
„Hast du das schon öfter gemacht?"
„Ne. Das war mein erstes Mal."
„Christian das ist total leichtsinnig und gefährlich. Wie kommt man denn auf so eine Idee?"
„Es war wohl auch mein letztes Mal. Das Rennen war sowieso nicht so nice, meine Reifen haben nen ganz schönen Schaden abbekommen und dieser Trottel, gegen den ich gefahren bin hat mir einen Kratzer in den Lack gemacht. Das war nicht billig in der Werkstatt."
Robert war erleichtert zu hören, dass Christian sich nicht nochmal in so eine unnötige Gefahr begab. Ihre Rasam, die sie mit Reis bestellt hatten, wurde zum Abschluss serviert.
Sorry, heute ein bisschen später, bin grade erst aufgewacht. Bis morgen :)
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Bundestag College AU
FanfictionDer Titel und das Cover Art sagen eigentlich schon alles aus, was man über diese Geschichte wissen sollte. Falls es doch etwas detaillierter sein soll, dann gibt es vor dem ersten Kapitel eine kleine Übersicht. :) Crack-esque
