Kapitel 54
Alice hatte Sahra ein Taxi gerufen. Sie wäre noch mitgefahren, aber Sahra hatte ihr mehrmals versichert, dass es schon so passte und sie ihr schreiben würde, wenn sie Zuhause ankam.
Also hatte Alice dem Fahrer großzügig einen Fünfziger zugesteckt und winkte Sahra jetzt stattdessen hinterher. Sie wartete noch an der Straße bis der Wagen verschwunden war. Nach dem Desaster, das das Abendessen gewesen war, dem Moment in der Bibliothek und der Diskussion im Garten konnte Alice keine eindeutige Bilanz aus diesem Abend ziehen.
Sie machte sich auf dem Weg zurück zum Haus.
Vielleicht hätte sie Sahra vorwarnen sollen.
Ja. Das hätte sie tun sollen. Die Karten von Anfang an offen auf den Tisch legen. Sahra hatte ganz schön heftig reagiert heute Nachmittag auf diese Scheiße mit dem Tiger. Was, wenn sie es sich jetzt mit ihr versaut hatte?
Daran wollte sie gar nicht denken. Aber sie konnte die Gedanken einfach nicht aus ihrem Kopf verdrängen.
Sahra hatte doch gar nicht den Anschein gemacht, als dass es ihr allzu unangenehm gewesen war, oder? Aber wieso wollte sie nicht, dass Alice noch mit ihr nach Hause fährt?
Sie konnte Sahra nicht verlieren. Nicht nach so kurzer Zeit. Nicht Sahra.
Plötzlich sammelte sich eine Wut in Alice an. Eine Wut auf sich selbst, aber auch auf ihre Eltern und deren Ignoranz und ihr Auftreten heute Abend.
Bis Alice auf der Terrasse vor den Liegestühlen zum Stehen gekommen war, hatte sie mit einer Atemübung versucht ein bisschen runterzukommen - leider nur mit mäßigem Erfolg. Ihre Eltern waren während ihrer Abwesenheit auf Wein umgestiegen.
„Hallo Alice, Schatz. Hast du denn Sahra gar nicht nach Hause gebracht?"
„Ich danke euch! Musstet ihr mich so blamieren? Unglaublich! Was ist nur falsch bei euch!?"
Sie stampfte mit dem Fuß, drehte sich schwungvoll um und fiel bei ihrem Abgang beinahe in den Pool. Nur um ein Haar hatte sie sich einen ultrapeinlichen Unfall erspart.
Ihr Vater rief ihr irgendwas hinterher, aber da war Alice schon im Haus verschwunden. Sie hatte jetzt wirklich keine Lust auf eine Diskussion; sie war auch der Meinung, dass sie alles gesagt hatte, was zu sagen gewesen war.
In ihrem Zimmer angekommen knallte sie die Tür zu – was wohl niemand außer eventuell Helena hörte – und wechselte dieses ätzende gelbe Kleid endlich gegen eine bequeme Jogginghose und ein Poloshirt. Immer noch etwas wütend wischte sie sich ein paar Tränen weg.
Warum heulte sie denn jetzt auch noch?
Es klopfte an der Tür und Alice zuckte zusammen.
„Alice?"
Was wollte ihre Mutter denn hier?
„Was ist?" Sie versuchte wütend zu klingen, aber brachte das nicht so souverän rüber.
Ihre Mutter hatte die Tür geöffnet und schaute zu Alice, die vor ihrem Schreibtisch stand.
„Darf ich reinkommen?"
„Warum?"
„Ich möchte mit dir reden."
„Ja okay." Alice schniefte und nickte ihrer Mutter zu. Diese schloss dann die Tür hinter sich und einen Moment später stand sie ein bisschen verloren im Zimmer rum; sie lächelte.
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Bundestag College AU
FanfictionDer Titel und das Cover Art sagen eigentlich schon alles aus, was man über diese Geschichte wissen sollte. Falls es doch etwas detaillierter sein soll, dann gibt es vor dem ersten Kapitel eine kleine Übersicht. :) Crack-esque
