Kapitel 15
Die Stimmung auf der Tribüne war ausgelassen. Linda hatte es tatsächlich geschafft (mit Annalenas Hilfe – sie hatten es zuvor abgesprochen) nach dem Aufwärmen ein Mannschaftsfoto zu schießen. Jetzt stand sie mit Robert und Sahra auf der Tribüne und sie warteten auf den Anpfiff. Robert war wohl aufgeregter als die komplette Startelf ihrer Uni – außerdem trug er Fanmerch, das war schon süß.
Es war schon bemerkenswert wie viele Zuschauer heute hier waren. Man musste immer bedenken, dass das hier keine Pflichtveranstaltung war, und trotzdem war mindestens 500 Leute anwesend; Unterstützer beider Mannschaften.
Die Direktorin vermisste man allerdings, so wichtig schien das Spiel dann doch nicht zu sein. Sie hatte ihre Vertretung Olaf Scholz geschickt. Außerdem neben ihm auf der Tribüne: Gregor Gysi und der neue Französischprofessor Emmanuel Macron.
Die Mannschaften kamen aufs Feld gelaufen, sie winkten den Zuschauern zu und entlockten ihnen Rufe und teilweise Gekreische (das waren diese Superfans, war sich Linda sicher). Annalena Baerbock und Paul Ziemiak machten sich beide auf dem Weg zum Schiedsrichter.
Linda richtete die Kamera auf das Geschehen und schoss ein paar tolle Bilder der zwei beim Händeschütteln. Dann kam es zur Seitenwahl und anschließend stellten sich beide Mannschaften zum Anstoß auf.
Das Spiel begann mit dem Anpfiff, Sahra und Robert hatten sich mittlerweile hingesetzt, Linda tat es jetzt auch. Sie legte die Kamera beiseite und holte ihr Handy raus um Anne zu schreiben.
Unten am Spielfeldrand in der Technischen Zone saßen beim BT AM die AuswechselspielerInnen. Karl Lauterbach, der für die ärztliche Schnellversorgung zuständig war und seine zwei ausgewählten Assistenten, Julia und Christian waren auch da.
Bärbel Boss hatte ebenfalls einen Sitzplatz in der Coachingzone (sie war schließlich die Trainerin), sie bevorzugte allerdings das Stehen und Umherlaufen am Rand der Zone wo sie das Geschehen im Blick hatte und ihren SpielerInnen Kommandos und Tipps zurufen konnte.
Das Maskottchen der Universität, der Adler Fette Henne saß jetzt während einer Verschnaufpause auf einem der Plätze. Zuvor hatte es für Stimmung auf der Tribüne gesorgt und sich ein Tanzbattle mit dem Maskottchen der JU – dem Raben Konrad – geliefert. Heute ging das mit der Temperatur sogar noch, im Hochsommer würde es gnadenlos in den Kostümen werden.
Anne hatte hier auch einen Sitzplatz ergattern können, sie hatte die Verbindungen, die es dafür brauchte. Außerdem war sie ja von Strazi beauftragt worden über das Spiel zu berichten. Das tat sie schon länger und anscheinend auch ziemlich zufriedenstellend, denn es gab bis jetzt noch keine ernstzunehmende Konkurrenz für sie auf diesem Feld [man beachte das Wortspiel]; das war nicht ihr erstes Fußballspiel.
Ihr Smartphone vibrierte und sie sah kurz drauf. Es war eine Nachricht von Linda, sie fragte, wie es denn da unten war, ganz ohne sie.
Anne schrieb ihr schnell zurück. „Ganz okay, aber du fehlst mir."
Linda fragte nach Tina. Anne sah zur Seite, in der technischen Zone des FC JU saß sie mit dem Handy in der Hand und einem Lächeln auf den Lippen. Tina Hassel, die Sportreporterin der JU. Anne kannte sie von diversen Spielen, einigen Konferenzen, die sie beide besucht hatten und von ihren Beiträgen aus dem „Propagandablatt der Mitte", der Zeitung der JU.
Tina und Anne hatten schon länger eine Art Konkurrenzkampf. Es war ein Kampf, der auf gegenseitigem Respekt für die Arbeit der anderen fußte, aber auch auf politischen und moralischen Ansichten, die unterschiedlicher kaum sein konnten.
Als der Schiedsrichter zur Halbzeit pfiff stand es 1:1. Die Mannschaften verschwanden in ihre Kabinen und die Zuschauer nutzten die 15 Minuten, um sich entweder die Beine etwas zu vertreten, sich etwas zum Essen zu kaufen oder auf die Toilette zu gehen. Die Maskottchen liefen wieder aufs Feld und Anne kam zu ihren Freunden auf die Tribüne.
In der Umkleidekabine herrschte unterdessen Stille. Sie befanden sich eben im Cool Down. Das waren vier Minuten Ruhe, in denen jeder und jede Zeit für sich selbst hatte, um etwas zu trinken, das Trikot zu wechseln oder für eine kurze Sportmassage.
Es folgte die Ansprache der Trainerin mit den Vorgaben für die nächste Halbzeit und im Anschluss eine kurze Diskussion unter den SpielerInnen über eben diese.
In der ersten Halbzeit hatten sie okay gespielt. Gut, aber auch nicht besonders gut. Das Gerücht, das Lars bezüglich der Mannschaftstaktik der JU gehört hatte, hatte sich natürlich nicht bewahrheitet und tatsächlich spielten die Jungs (es waren in der ersten Halbzeit nur Spieler bei der JU auf dem Feld gewesen) gar nicht mal so schlecht.
Nach der Pause ging es mit aufgefrischter Motivation und Taktik in den Köpfen zurück aufs Feld. Sie würden diese zweite Halbzeit rocken.
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Bundestag College AU
Fiksi PenggemarDer Titel und das Cover Art sagen eigentlich schon alles aus, was man über diese Geschichte wissen sollte. Falls es doch etwas detaillierter sein soll, dann gibt es vor dem ersten Kapitel eine kleine Übersicht. :) Crack-esque
