Kapitel 3;1 - Wo die Schatten vergessen

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»Bastard!«

Caden hob lediglich eine Augenbraue, als er seine Schwester im anderen Gang bemerkte. Ihre roten Locken verliehen ihr einen wilden Ausdruck, der nur von ihrer Miene unterstrichen wurde. Die Lippen zusammengepresst wie die Augen, mutete sie fast an, als habe sie sich in das kleine Kind verwandelt, als das er sie kennen gelernt hatte.

»Wo warst du so lange?« Er begegnete ihrem Blick, als wäre er in der Lage, jede Beleidigung von ihr zu ignorieren.

Sie antwortete ihm nicht, stattdessen überkreuzte sie die Arme. In ihr die achtzehnjährige junge Frau zu sehen, die sie war, war nahezu unmöglich. Die mädchenhaften Züge hatte sie nie verloren. Besonders wenn sie trotzig war, verhielt sie sich alles andere, als ihrem Alter entsprechend.

So fügte ihr Bruder lediglich hinzu: »Ich habe jetzt ohne dich gegessen.«

»Mach mir keine Vorwürfe. Du warst gestern den ganzen Tag nicht da. Du warst es, der mich ursprünglich alleine gelassen hat.«

Er hob eine Hand – abwehrend, als könne er sie so zum Schweigen bringen.

Doch sie ließ sich von einer schlichten Geste nicht beirren. »Du hast gesagt, du lässt mich nicht mehr alleine« Ihre Stimme weicher, der Ton sanfter, bewegte sie sich zu ihm. »Du hast mir eigentlich zugesagt, dass wir das Thema noch einmal aufgreifen.«

»Die Arbeit hat sich gestern etwas... verzögert« Mehr Information war nicht vonnöten. Sie wusste nicht, als was er arbeitete. Niemand tat es. Weder die Angestellten des Hauses, noch seine Verwandten. Es war üblich, nicht zu verraten, was man beruflich tat. Es gehörte zu den privaten Vergnügen und wurde daher ebenso verschwiegen, wie die persönlichen Lüste.

Und während einige Berufe darauf aufbauten, dass jeder von ihnen wusste, lagen Cadens Aufgaben mehr im Schatten. Niemand würde erfahren müssen, dass er von Diebstahl lebte und Menschen die Träume raubte, nur um sie anzuklagen.

»Was willst du denn darüber noch reden?«

»Ich will, dass du mich zu verstehen lernst. Und dass es mir leidtut«

»Ich habe doch gesagt, dass es in Ordnung ist, Nya«, grummelte Caden. »Aber du gehst immer wieder diese Risiken ein. Du lernst nicht daraus. Es geht mir nicht darum, was du für Scheiße baust, um deine Langeweile zu vertreiben. Anfangs konnte ich darüber noch lachen, dass du dich in der Kneipe geprügelt, oder verkleidet an Wettkämpfen teilgenommen hast... Aber eine Bombe zu zünden? Auf einer Brücke? Das ging zu weit. Das war zu viel. Ich will dir aber jetzt nicht Tag für Tag neue Moralpredigten halten, weil du dich schuldig fühlst.«

»Ich würde sowas gar nicht erst machen«, stieß sie aus. »Wer lässt mich denn den ganzen Tag alleine?«

»Ich kann dich nicht mitnehmen. Ich werde dich auch nicht mitnehmen.«

»Das habe ich auch schon lang aufgegeben. Aber ich bezweifle, dass du die ganze Nacht durcharbeitest. Wo bist du die ganze Zeit?«

»Ich habe gearbeitet. Das ist vielleicht etwas, das du nicht kennst-«

»Ich kenne Arbeit! Ich habe schon vor Wochen angefangen, mir damit die Zeit zu vertreiben, weil ich sonst eh immer nur hier zuhause rumgesessen habe. Ich habe hier keinen Gesprächspartner. Zumindest keinen auf Augenhöhe.«

»Nah«, brummte er. »Nicht so respektlos. «

»Du weißt, was ich meine! Wir beide kommen nur ins Gespräch, wenn ich etwas anstelle. Ich-«

»Ich hoffe nicht, dass du so solche Risiken eingehst, nur um mich zu beeindrucken und um meine Aufmerksamkeit zu erhaschen. Wenn du sowas todes-dämliches nur aus reiner Langeweile heraus machst...« Er musste den Satz nicht beenden, sah sie von der Seite an, wie sie unbehaglich von einem Fuß auf den anderen trat.

Blut eines CruorsGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt