Kapitel 18;1 - Eiskalte Willkür

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»Lebt sie noch?«, forderte Eos von dem Fremden zu erfahren.

Ein Tor zeichnete den Eingang zum Privatpark.
Eos stand davor, blickte durch die Gitter, direkt in die Augen eines Cruoren. Eine — für die Verhältnisse ihrer Gattung — kleine Gestalt, mit weißer Haut.

Im Hintergrund befand sich ein Wachmann; dessen Gesicht sogar noch maskenartiger war, als das, seines Herren.

Zentral im Handwerksviertel war zwischen einigen Häusern der Park eingebettet. Einige Springbrunnen, Pavillons, ein Teich; alles untermauert durch die klassisch-traditionelle Dekoration. Alles war handgemacht und bezeichnet worden.

»Wir haben ihr noch nichts angetan« Der Cruor steckte einen Schlüssel in das Tor, gewehrte ihr Zutritt.

Er lief voran. Seine schweren Schritte zeugten von unterdrückender Dominanz. Der Rücken gerade, die Symbole auf der Haut schimmerten in majestätischen Mustern. Wie Kristalle hoben sie sich in goldenen Tönen hervor.

Ein Windzug brachte die Banner zum Flattern. Doch trotz der ersten winterlichen Kälte, die über die Landschaft zog, blieben sie draußen sitzen.

Der Cruor nahm auf einer Bank Platz und fuhr sich über die Ketten, die ihm von den Hörnern hingen. Er baute Blickkontakt mit dem Wachmann auf, der sich daraufhin an Eos' Seite stellte.

Sie setze sich nicht hin. »Wann werdet ihr sie gehen lassen?«

»Wenn du uns die notwendigen Informationen lieferst... heute Abend.« Eine Geste, doch ehe Eos reagieren konnte, drückte der Wächter sie auf die Bank.

Sie wurde an die Lehne gepresst; konnte nicht vermeiden, die Luft empört einzuziehen. Der Griff des Wachmanns wurde wie zur Strafe fester.
Sie ließ ihren Blick auf den Tisch schweifen. Er war spärlich gedeckt. Einige Tassen, eine Laterne, eine tropische Pflanze.

»Bei unserem ersten Gespräch vor einigen Tagen«, begann Eos mit rauer Stimme. »Sie... Da haben Sie erwähnt, dass Sie mit Chase Geschäfte schließen werden.«

»Ja, einer meiner Arbeiter hat für mich etwas von ihm abgeholt.« Der Cruor — Zorn, wie Eos es sich gemerkt hatte — rutschte auf der Sitzfläche nach vorne und faltete die Hände vor sich. »Er ist neuerdings im Gedächtnishandel aktiv, hm?«

»Ja... Allerdings. Ich weiß nicht, ob er in Zukunft nur noch davon leben will«

»Seine Geschäfte bestehen seit Jahren aus Auftragsmorden und Diebstählen. Mich würde wundern, wenn er jetzt nur noch Erinnerungen rauben würde.«

Eos schluckte. Die Kälte wanderte ihren Rücken aufwärts und hängte sich an ihre Schultern. Es fiel ihr schwer, hier zu sein. »Ich hoffe ich klinge nicht respektlos. Darf ich fragen, warum Sie Informationen von mir wünschen, wenn Sie doch mit Chase gewissermaßen zusammenarbeiten?«

»Chase Harding ist mehr der Gesellschaft ein Dorn im Auge als uns«, gestand Zorn. »Damals, also, noch bevor Brus zur wirtschaftlichen Macht gekommen war, haben wir ihn zu jagen versucht. Ich bin jetzt jedoch ehrlich, er soll tun, was er wünscht, solange er sich dabei nicht an den Cruoren vergreift« Er nahm eine der Tassen und drehte diese um ihre eigene Achse. »Dennoch, Harding hat nicht als Absicht, mit dem Gedächtnishandel Geld zu verdienen.«

»Wie kommen Sie darauf?« Der Wachmann packte sie wieder an der Schulter und sie zischte empört. Es war eine stumme Schelte für ihre Frage.

»Er verlangt, dass wir ihm die Untersuchungsergebnisse zuschicken. Er will in das Gedächtnis seiner Opfer blicken. Er raubt ihnen den Verstand aus, um zu erfahren, was sie für Erinnerungen haben. Und ich bezweifle, dass er es einzig tut, weil er Freude daran hat, alles zu wissen«

Blut eines CruorsGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt