Caden schloss die Augen, als er die Tür hinter sich schloss. Er musste nichts sehen, um Nyas Blick auf sich zu bemerken. »Ich weiß«, flüsterte er. »Diesmal war ich wirklich zu lange weg. Es tut mir leid.«
Sie saß mit überkreuzten Beinen neben ihm auf einer Bank, schien fast schon verwahrlost, als sie ihren Kopf in beide Hände bettete. »Ja.«
»Warum bist du noch wach, musst du nicht morgen früh arbeiten?«
»Ich konnte nicht schlafen. Dachte mir dann, dass ich meine Zeit damit verbringe, auf dich zu warten.«
»Alpträume wieder?«
Sie stand auf, kam auf ihn zu. »Hm.« Sie beugte sich vor, hielt sich an ihm fest, krabbelte hinein in eine Umarmung, die anfangs nur von ihr ausging. Ein Schreckmoment verging, dann erwiderte er die Berührung.
Achtzehn, wiederholte er in seinem Kopf. Achtzehn. Mit sechzehn hatte er bereits für Harding gearbeitet. Und sie? Er konnte fühlen, wie heiße Tränen durch den Hemdstoff an seine Haut kamen, spürte, wie sie sich an ihn krallte — so, wie sie es auch damals getan hatte, als er sie gefunden und nachhause gebracht hatte. Damals, vor so vielen Jahren.
Es war wohl vielleicht doch nicht so verwunderlich, dass sie sich benahm, wie ein unreifes kleines Kind. Sie war nie eines gewesen. Und so oft er diesen Gedanken schon für sich selbst gehabt hatte, so sehr schmerzte es ihn jedes Mal in der Brust.
»Ich versteh schon.«
»Entschuldigung.«
»Ist gut.« Ein Kuss auf den Kopf, dann schob Caden sie von sich weg.
Die Lust nach einer warmen Mahlzeit peinigte ihn schon lange genug; der Wunsch nach einem Braten, deftigen Kräutern oder-
Seine Gedanken rissen ab, als er sich zur Küche bewegte und sie ihm folgte, als wolle sie ihm etwas beichten.
»Was hast du getan?«
»Ich- wurde ein wenig,.. Ich bin etwas aus meiner Haut gefahren.«
»Warum diesmal?«
Nya hielt ihn am Handgelenk, um ihn zum Stehenbleiben zu bewegen, doch diese simple Geste genügte, dass er seinen Schritt anzog.
»Warum diesmal?«, forderte er erneut zu wissen.
»Ich- ich weiß nicht. Es wird mir einfach gerade alles zu viel, denke ich. Ich vermute, ich sollte doch lieber wieder zuhause bleiben«
»Hattest du also wieder einen Zusammenbruch?«
»Ja, das versuche ich anzudeuten.«
»Wo?« Dann sah er es selbst, als er die Küche betrat. »Ach man, Nya«
Die einst ansehnliche Küche war einem Bild des Schreckens gewichen; Porzellan auf dem Boden, Zutaten in den Fugen. Als hätten die Angestellten es nicht mitbekommen, lag alles noch so, wie sie es hinterlassen haben musste. Zwischen Splittern und Teig sammelten sich Pulver, bei denen Caden zweimal hinschauen musste, um nicht gänzlich die Beherrschung zu verlieren.
Die Wut schlug schnell in Verzweiflung um. Schneller, als er gewollt hätte. Jede Kraft wich ihn aus den Muskeln und so ließ er die Schultern lediglich hängen. »Und warum das ganze?«
»Wieso hast du Ketten im Schrank?«
»Hm?« Er sah zu ihr zurück. Sie hatte noch immer seinen Arm gepackt, den Kopf mittlerweile angezogen, doch in ihren Augen schimmerte Angriffslust.
»Wieso-«
Sie brauchte die Frage nicht zu wiederholen. »Nicht für dich. Sondern, damit man das Fleisch von der Decke hängen kann.«
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Blut eines Cruors
Fantasia[Wattys 2022 Winner] »Wir sind Kreaturen des Lichtes und doch steckt in uns eine solche Dunkelheit. Willst du wirklich erfahren, was dann erst die Schatten kreieren?« Seitdem die Cruoren die Macht an sich gerissen haben, hat sich die kleine Hafensta...
