Kapitel 9;2 - Ramous

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Das Herbstfest war, was der Name schon hergab: warme Farben, heiße Getränke, Feuerschlucker in der kalten Luft des annähernden Winters.
Die letzten Strahlen des Sommers wurden eingefangen und Ernteerfolge zelebriert.

Abendlicht tränkte die Straße. Das rote Licht jagte über die Stände und hüllte alles in einen wohligen Schein.

In der Ferne ertönten Glocken, angeregte Gespräche und erste Musik. Trommeln hämmerten in der Nähe der Bühne.
Vor Eos Füßen tänzelte ein kleines Kind im Rhythmus entlang – sie zog eine rote Fahne hinter sich her – bestickt mit dem Symbol der Cruoren.

Scarlett neben ihr hatte eine Schale Nüsse in den Händen. Sie rührte jedoch mehr darin herum, als es zu essen. »Wo genau willst du zuerst hin?«, fragte sie, starrte dabei eine Gruppe Kinder an, die einen gemeinsamen Ruf anstimmten.

»Ich wollte nur irgendwann im Laufe des Abends bei meiner Mutter reinschneien.«

»Weißt du, wo sie steht?«

An der Bühne, wiederholte Eos für sich, jedoch nickte nur schwach.

Scarlett scannte wieder und wieder die Masse ab; ließ ihren Blick über die Händler gleiten. Alle waren in herbstliche Farben gekleidet — als Zeichen der letzten Wärme, die sich nun in den Blättern der Bäume widerspiegelte.

Eos blickte an ihrem eigenen goldgelben Einteiler herunter, dann zu ihrer Freundin, die erneut unruhig in ihren Nüssen rührte.

Die Trommeln wurden lauter — die Musik schwoll an. Eos wusste, dass an einem anderen Platz nun ein Tanz stattfinden musste.

Beide setzten sich in Bewegung, ließen sich von der Menge treiben und um die Hütten herumführen. Aus jeder Ecke kroch der Geruch köstlichen Weins und frischer Äpfel. Bauern feierten die Einfuhr ihrer Ernte und ließen die Besucher des Marktes mit Wein und Kostproben an diesem Erfolg teilhaben.

Auf freier Fläche befanden sich Feuertänzer — hatten Ringe entzündet und warfen diese um sich. Die Flammen schlugen in Rauch um und formten Motive vor dem Sonnenuntergang.

Scarlett hingegen hatte kein Auge für das Spektakel. Sie hakte sich unter Eos Arm, drückte ihren Oberkörper an ihre Seite und schaute nach hinten — immer wieder. Als suche sie nach jemanden – als halte sie Ausschau nach einem bestimmten Phänomen.

Vielleicht sucht sie auch einfach einen Marktstand.
Vielleicht will sie sich etwas ansehen.
»Wo möchtest du denn nachher noch hin?«, fragte Eos. Ihre Stimme war nichts als ein Flüstern entgegen der Glocken, die die Tänzer an ihren Gewändern trugen. Musik, Gespräche und das Jubeln der Händler begrub jede Chance, für eine stille Unterhaltung, unter sich.

»Nirgendwo«, murmelte die Formwandlerin, richtete dann wieder ihre Augen auf den Feuertänzer. Die Flammen spiegelten sich in ihren Pupillen wider. »Keinen bestimmten Ort, eigentlich. Aber könnten wir die Bühne für heute vermeiden?«

»Meine Mutter steht an der Bühne« Eos verzog den Mund. »Wieso? Was ist denn da?«

»Ich hasse es, dass es da so laut ist.«

Die Nachtschwärmerin reckte den Hals, blickte über die Köpfe der Menschen hinweg. Unmittelbar vor den Wällen — die das Regierungsgebäude abschirmten — hatte man ein großes Podest aufgebaut. Darauf spielten Musikanten, Theater fanden statt, die Besten Künstler durften sich dort aufhalten. An den Seite waren die besten Plätze von den Cruoren reserviert.
Sonderlich laut war es dort hingegen nicht – so weit, wie Eos sich erinnerte. Die lauten Trommeln spielten weiter außerhalb – im Gegensatz dazu war es an der Bühne selbst gespenstisch still, dass man selbst die Worte der Schausteller kaum verstehen konnte.

Blut eines CruorsGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt