Verschwommene Strukturen, tiefe alles-schluckende Dunkelheit. Gedanken, deren Entstehung schon schmerzhaft hämmerten. Das stete Treiben von Panik.
Irgendetwas schien zu zerbrechen, stechende Schmerzen im Herzen und grölende Laute in der Ferne.
Sie lachen dich aus.
Sie wissen, was du getan hast.
Sie werden dich finden, werden der Göttin von dir erzählen.
Die Höllenfeuer werden dich fressen.
Überall Dunkelheit und ein heißer Druck vor dem Mund, als versuche jemand, sie zu ersticken.
Dolunay versuchte Luft zu holen, doch es war, als würde pure Hitze ihre Lunge füllen, als würde ausschließlich Wärme ihren Körper einnehmen... Sie schlussendlich ausbrennen.
Es war, als würden diese trägen Eindrücke nichts als Asche in ihrem Leben zurücklassen.
Unter Dolunays Händen fühlte sich alles aufgeheizt an, etwas, das wie nasse Erde an ihren Fingern klebte. Hitze — ein unbarmherziges Gefühl, das sich an ihren Adern hochzog, sich an ihrem Verstand entlanghangelte.
Sie blicke um sich. In den Schatten erhoben sich dunkle Strukturen von Gebäuden. Ein Fenster schwebte in der Ferne.
Fenster. Frische Luft. Wenn sie es öffnete, könnte sie wieder atmen.
Jeder Windstoß, der ihr im Lauf entgegenkam, war heiß, trug kleine Körner Ruß mit sich, die sie einatmete. Alles brannte in ihrem Hals, ihrer Brust. Hitze, Wärme... Irgendwo knisterten Flammen gespenstisch — als wollen sie ihr ihre Sünden vortragen.
Sie lachen dich aus.
Sie wissen, was du getan hast.
Die Winde haben dich gefunden, die Göttin weiß, was du tust.
Die Höllenfeuer fressen dich allmählich.
Die Sandkörner raschelten, als sie über das Holz der Häuser fuhren. Dolunay stand mittlerweile vor dem Fenster, rüttelte an dessen Hebel. Mit jedem Zug wurde das Atmen schwerer.
Mit einem Mal schlug Dolunay die Lider auf.
Sie schob den Kopf aus der Decke hervor, dass ihr Gesicht in der Freie lag.
Die Luft in ihrer Schlafkammer war kalt, das Fenster wie immer geöffnet.
Sie blickte an die Decke. Einige Minuten verstrichen, in denen sie nur atmete. Sich nicht umsah, nicht dachte.
Dann schob sie sich aus dem Bett, taumelte taub aus dem Zimmer heraus. Ihre Beine bewegten sich nahezu gegen ihren Willen, als sie Chase' Büro ansteuerte.
Sie klopfte nicht, schob sich stattdessen in sein Zimmer hindurch — öffnete die Tür nicht weiter, als einen Spalt, da diese grausam knarrte. Direkt gegenüber vom Eingang stand sein Schreibtisch. Er hatte sich im Stuhl zurückgeworfen, Kopf in den Nacken, den Mund im Schlaf geöffnet.
»Chase«, zischte sie scharf und schloss den Durchgang hinter sich.
Er öffnete ein Auge, schloss dann den Mund, beleckte sich die Lippen. »Bei den Höllen, was willst du denn jetzt hier?«
Sie kam ungebeten zu ihm. »Ich wollte dir noch- noch mit dir das Geschehen von vorletzter Nacht auswerten.«
Seine Brauen senkten sich, er blinzelte einige Male, fuhr sich über die Wangen. »Warum- Warum jetzt?«
»Mir war danach.«
»Ja, mir nicht, wie du gesehen hast.« Harding zog sich die Ringe von den Fingern. »Auch wenn ich dir wohl danken muss, dass du mich vor den Nackenschmerzen bewahrt hast.«
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Blut eines Cruors
Fantasy[Wattys 2022 Winner] »Wir sind Kreaturen des Lichtes und doch steckt in uns eine solche Dunkelheit. Willst du wirklich erfahren, was dann erst die Schatten kreieren?« Seitdem die Cruoren die Macht an sich gerissen haben, hat sich die kleine Hafensta...
