Caden stand seinem Ende gegenüber.
Die Mutierten — die blinden Richter — starrten ihn von den Tribünen aus an, wie Ware.
Er würde verurteilt werden.
Und es war seine eigene Schuld.
Er wollte damals nur seine Schwester verteidigen, wollte ihr Sicherheit in der Stadt schaffen. Er wusste, dass Chase Harding bessere Arbeit im Aufräumen tat, als die Stadtwacht...
Worin war diese anfänglich edle Absicht geendet? Nya war tot und würde ihn nie wiedersehen, weil er zum Gericht geführt werden musste.
Harding hatte sich seit dem gestrigen Tag erholen können. Er stand schräg und unsicher, aber begegnete Cadens Blick mit Stärke.
Um jeden von ihnen leuchtete ein greller Kreis — es waren halbdurchsichtige Wälle feinen blauen Lichts.
Eine unerschütterliche Grenze, die nicht lebend durchschritten werden könnte — da war Caden sich sicher.
Die Funken surrten und bewegten sich wie ein feiner Nebel an ihm entlang. Es war spielerisch wie ein Faden im Wind: kleinere Bänder liefen durch den glasigen Grund. Es war ein Anblick, der Cadens Nerven zu beruhigen vermochte — wenn auch nur für einen Moment.
Gerne hätten seine Augen sich weiter in dem Spiel verirrt, doch es gab so viel mehr Eindrücke, die von den Seiten auf ihn prallten. Wesen, die auf den Tribünen saßen, Zuschauer — so verdammt viele von ihnen, dass sie die Wände des kreisförmigen Raums gänzlich füllten.
Er drehte sich um seine eigene Achse, ließ das Gesamte auf sich wirken. Auf der gegenüberliegenden Seite saß Rhun neben den Blinden Richtern
Grauenvolle Gestalten waren es : so weiß und geisterhaft wie eine Wolke. In ihren augenlosen Gesichtern fehlte es jeder Vertrauenswürdigkeit. Diese Monster waren lebendig gewordene Horrormärchen — mehr noch als die Cruoren.
Nase und bleiche Lippen waren das einzige, das ihnen Menschlichkeit verlieh.
Was war die Erfüllung noch lebender Menschen, sich in ein solches Wesen verwandeln zu lassen? Etwas anderes waren die Blinden Richter nicht — Menschen, die sich haben mutieren lassen. Wussten sie damals, welche Kosten es hätte?
Richter hatten einen Erstickungstod hinter sich — durch Veränderungen ihres Körpers bei vollem Verstand hatten sie Gefühle und Selbsterhaltungstrieb verloren. Sie sind unparteiisch geworden, in der Lage, Entscheidungen ebenso nüchtern zu fällen, wie die Cruoren. Blind und emotionslos urteilten sie einzig über das, was wahr war.
In ihren blauen Kutten wirkten sie trister, als sie sein konnten.
Und für die heutige Verhandlung würden sie ausschließlich Anwesenheit zeigen müssen.
Das Schicksal der vierköpfigen Gruppe hing von Rhun ab. Möglicherweise ein Vorteil, dass er Gefühle hatte.
Caden sah zu den anderen.
Dolunay hielt sich mit den Fingern selbst umklammert. Sie hatte den Kopf in den Nacken gelegt, um die großen Ringe an der Decke zu betrachten.
Kenga hatte die Lippen zusammengepresst und schien zu vermeiden, Harding anzusehen.
»Wir werden gleich beginnen«, kündigte einer der Mutierten an. »Chase Harding, Dolunay Tindol, Caden Gralby... und der adlige Soldat Kenga Aramis DeVaux.« Das Wesen erhob sich, um fortzufahren. »Sie werden im Folgenden befragt und verurteilt werden. Es wäre Ihnen zu empfehlen, Ihre Taten zu gestehen und Namen zu nennen. Gleich, was sie tun, es wird auf die selbe Strafe hinauslaufen; lediglich die Leiden würden Ihnen erspart werden. Der versuchte Überfall auf Veu Rhun wird im Folgenden nicht diskutiert werden. Wir fixieren uns auf Ihre vorherigen Taten und ihre Gehilfen.«
Vielleicht ist der Tod wirklich die einzige Flucht für uns, schoss es Caden durch den Kopf.
Er schielte einmal mehr zu Harding. Der hatte das Gesicht gänzlich angespannt, sein Kiefer arbeitete... Doch der Mann erwiderte den Blick nicht, schaute stattdessen zu Rhun.
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Blut eines Cruors
Fantasi[Wattys 2022 Winner] »Wir sind Kreaturen des Lichtes und doch steckt in uns eine solche Dunkelheit. Willst du wirklich erfahren, was dann erst die Schatten kreieren?« Seitdem die Cruoren die Macht an sich gerissen haben, hat sich die kleine Hafensta...
