Unter den Qualm einer angezündeten Pfeife trat der dampfende Geruch von Kräutern, Ölen und frisch geräucherten Fleischs. Ein Kamin im Hintergrund... Alles roch nach Feuer, als habe Caden direkt die unterste Höllenebene betreten.
Nur hingen hier keine Käfige von der Decke herunter, sondern Tonschüsseln – so karg, wie der restliche Raum.
Die Jahre hatten sich an der Einrichtung genährt, Farbe war abgeblättert und die Reihen enormer Bücher wurden teils von Weinflaschen unterbrochen. Die Sammlung eines belesenen, gefährlichen Mannes: Einige der Wälzer wirkten neu. Edel in feinstem Leder gehüllt, mit Aufschriften, die so zart waren, dass Caden sie nicht von seinem Standort aus lesen konnte. Andere waren gebraucht, abgeliebt und schon alleinig ihr Äußeres verriet, dass sie einmal zu oft aufgehoben wurden.
So in diesem aufgeheizten Raum stehend, fühlte Caden sich wie ein Eindringling, doch musste er Chase Harding über seinen Auftrag informieren... auch wenn er dafür tatsächlich Qualen durchleben würde, die in seinem Nachleben kaum schrecklicher werden könnten.
Nicht nur bereitete es ihm Sorge, dass alles erfolglos ausgegangen war, sondern auch, dass sie auf dem Rückweg in ein Haus stolziert waren, um festzustellen, dass der Eigentümer verloren gegangen war.
Zu viele unpassende Informationen für ein Gespräch. Und er konnte dieses Wissen noch nicht einmal verheimlichen.
Chase würde das alles auch erfahren können, ohne dass man es ihm erzählte. Er war das, was man in der Stadt als Insider bezeichnete. Er wollte alles mitbekommen, hatte auf jede Frage eine Antwort, dachte logisch, plante geschickt, konnte mit seinem Blick ein Kind zum Weinen bringen.
Neben ihm stehend, bemerkte man, dass nur die dunkelsten Viertel Brus' so etwas wie ihn hervorbringen konnten.
»Ich sehe Unzufriedenheit in deinem Blick«, begann er das Gespräch, deutete dann aber auf den Stuhl vor sich.
Caden ließ sich nieder, dabei zu einem Glas greifend und schenkte sich schließlich etwas ein. »Ja, so ziemlich. Das bin ich auch.«
Eine Weile Ruhe. Erdrückende Stille, nur unterbrochen davon, wie Chase mit seinen Ringen auf den Tisch klopfte.
Als würde Caden seine Erklärung herauszögern können, sah er seinen Gegenüber einfach nur an.
Chase war ein schlaksig geratener Mann. So dünn, dass man sich kaum vorstellen konnte, wie er sich in dieser kalten Welt verteidigte. Einige hervorstehende Knochen an den falschen Stellen, wirkte er fast wie ein hungriges Kind auf den Straßen...
Das war er immerhin auch lange genug gewesen.
Nun jedoch hatte er einiges an Narben dazugewonnen. Vor allem eine fiel auf, die von seiner Nase zum Kiefer herunterführte und ihn damit aussehen ließ, als würde er sein Nasenbluten nur halbherzig weggewischt haben. Caden wusste, wovon er diese Narbe hatte. Er wusste, weshalb er vor diesem Mann Respekt hatte. Und er wusste, wieso er sich freiwillig seiner Gruppe angeschlossen hatte – vor Jahren schon.
»Möchtest du mir nicht sagen, was passiert ist?«
»Dolunay wurde mittendrin gestört«, platzte es aus dem jungen Mann heraus, als wolle er sich über sie aufregen. Caden wusste, dass dieser Verlust nicht ihre Schuld war, aber irgendetwas an dieser Situation brachte sein Blut zum Brodeln.
Vielleicht war es auch schlicht sein Gesprächspartner, den Dominanz wie Parfüm umhüllte.
»Wir«, fügte er noch heiser hinzu. Er fühlte sich erbärmlich schmächtig, als er an die Wand blickte, wo neben Gewehren auch zahlreiche Messer, oder andere Werkzeuge befestigt waren, die Chase nicht allzu ungern für Folterungen zweckentfremdete. »Wir haben einen weiblichen Schrei gehört. Dolunay wurde wieder aus ihrer Starre rausgeschmissen und hängt jetzt noch halb darin. Wir sind sofort hinausgegangen.«
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Blut eines Cruors
Fantasía[Wattys 2022 Winner] »Wir sind Kreaturen des Lichtes und doch steckt in uns eine solche Dunkelheit. Willst du wirklich erfahren, was dann erst die Schatten kreieren?« Seitdem die Cruoren die Macht an sich gerissen haben, hat sich die kleine Hafensta...
