Es war die kleine Zeltstadt, die im äußeren Kreis der Stadt aufgebaut war, die Caden ein Gefühl des Unbehagens verschaffte.
Dieser Ort war für jeden zu betreten. Hier benötigte man keine Anmeldung, oder ausgefallene Gründe.
Hier gab es nichts zu verlieren. Wer hier landete, gehörte zu den untersten Gesellschaftsklassen. Es war kein Grundstück: kein Anwesen mit Park und Einzelbettzimmern, oder warmen Mahlzeiten.
Das Zuhause dieser Menschen erstreckte sich im Wald, kurz vor einem Moor.
Wie ein sauberer Schnitt stellte das Lager eine Trennlinie zwischen den unweit entfernten Feldern und freier Natur dar.
Seile waren in den Boden gehauen, in der Weite hörte man jemanden Kinderlieder summen und die Luft war erfüllt von einer bitteren Note des Essens, das zubereitet wurde. Dieser Platz erschuf nicht den Eindruck einer angenehmen Wohnstätte und förderte mit Sicherheit nicht den Wunsch, alles über diese Welt wieder von Neuem erlernen zu wollen.
Caden wagte es nicht, einen Schritt nach vorne zu nehmen, als er dem besorgtem Blick einer der Ärzte begegnete. In ihrer moosgrünen Kutte hob sie sich von den übrigen Stoffen ab und bot fast schon einen Ruhepol normalen Lebens — komplett herausgerissen von den tristen Tönen hinter sich.
Eine Weile sahen sie sich an und seine Augenbrauen zuckten, hin zu einem fast schon missmutigen Starren.
War es gerade eine der freiwilligen Helfer, die er dort beobachtete? Oder handelte es sich um eine ehemalige Heilerin, die ihre Persönlichkeit und ihr Gedächtnis verloren hatte?
Sie schien sich ähnliche Fragen zu stellen, als sie auf ihn zuging. Gerne hätte er die Bewegungen erwidert, doch direkt an seiner Seite befand sich ein großes Schild, dessen Aufschrift für sich sprach: Betreten nur auf Erlaubnis gestattet.
Die Frau blieb nicht stehen. Sie verharrte erst, als sie seinen Arm nahm und einen leichten Druck ausübte.
In seiner Überraschung blieb Caden nichts anderes übrig, als sein Gewicht zur Seite zu verlagern. Der Ausdruck seines Gesichts wandelte sich von gestautem Frust hin zu purem Entsetzen... Ein Zustand, der durch ihre folgenden Sätze nur noch verstärkt werden sollte.
»Na, mein Lieber, weißt du nicht mehr, wo du hingehörst?«
»Bitte?«, hauchte er nur, der Mund blieb nach der Frage offen stehen. Er löste sich von ihr, murmelte etwas, das er selbst nicht verstand — Während sie ihn nur mitleidig anschaute.
»Hören Sie«, begann er, mehr heiser, als eindrucksvoll. »Ich weiß noch, wer ich bin. Ich bin keiner Ihrer Patienten.«
Als würde sich Erleichterung in ihr auftun, drückte sie den Rücken durch, sah ihm dabei tief in die Augen. »Oh, entschuldige... Ich habe mich schon gewundert, weil ich Ihr Gesicht nicht kenne.«
»Nein, ich bin nur ein Gast. Ich wollte fragen, ob ich mich bei Ihnen umsehen kann. Ich suche nach einem Bekannten von mir.« Die Lüge ging leicht von der Zunge, doch ein skeptischer Ausdruck lag auf ihren Zügen.
Sie lachte schüchtern auf. »Das ist das erste Mal, dass jemand fragt, ob er das Grundstück betreten kann. Sonst hält sich niemand an das Schild.«
Früher oder später hätte auch Caden diesen Platz betreten, doch hatte seine Mutter ihm viel zu viel Benehmen eingebläut, als dass er nicht zu warten wusste.
Sie nickte in die Richtung der Zelte und beide bewegten sich auf dem schmalen Trampelpfad,
der durch das Laub führte.
»Das alles hier wurde von einem anonymen Cruoren gestiftet«, begann sie und zeigte um sich. »Wir haben von der Stadt aber keinen ordentlichen Platz bekommen, wie man sehen kann. Deswegen leben wir dort, wo wir konnten. Irgendwie scheint niemand wirklich Interesse daran zu haben, wie es diesen armen Menschen geht. Denen ist egal, dass wir keine Fintansteine haben, um die Zelte warmzuhalten, keinen Ort haben, um Essen zu besorgen. Keinen Platz haben, mehr Leute aufzunehmen. Die schlafen eng aneinandergedrängt.«
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Blut eines Cruors
Fantasía[Wattys 2022 Winner] »Wir sind Kreaturen des Lichtes und doch steckt in uns eine solche Dunkelheit. Willst du wirklich erfahren, was dann erst die Schatten kreieren?« Seitdem die Cruoren die Macht an sich gerissen haben, hat sich die kleine Hafensta...
