Kapitel 7;3 - Aussicht auf Blut

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Caden starrte erst die maskierte Gruppe auf dem Dach an, dann Harding. Er formte mit seinen Lippen ein "Wer ist das", doch der Mann winkte ab.

Zu ihren Seiten trafen immer mehr Schüsse auf den Boden. Zwei weitere Wachmänner wurden getroffen, die anderen wankten zurück, warfen ihre Schwerter zu Boden.
Einer von ihnen rannte gänzlich weg.

Dort, wo zuvor so viele kampflustige Männer den Markt gefüllt hatten, blieben nur noch offene Fragen stehen.

Neun Leute waren tot, oder lagen schwer verwundet auf dem Boden... Und dann war dort noch der Priester. Er wurde von einem stämmigen Mann auf den Arm gehoben und in eine Kneipe getragen. Der Pfeil steckte nach wie vor in seinem Auge und machten das Bild noch makabrer.

Und doch ließ die Anspannung nach; Cadens Knie wurden weich... Und so ließ er sich mit einem Keuchen auf den Stein sinken. Die Winde an seiner Flanke ließ schmerzen durch seinen Körper pulsieren.

Harding vergewisserte sich, dass niemand stark verletzt war. Er selbst trug eine gefährlich-tiefe Wunde an der Schläfe. In Zukunft würde das eine weitere Narbe werden, die sein Gesicht zierte.
»Genau das ist der Grund, dass ich euch als Kinder bezeichne!«, keifte er Kenga an. »Weil ihr nicht hören könnt!«

Angesprochener begegnete ihn mit hochgezogenen Augenbrauen und schiefem Grinsen. Der Nachtschwärmer schien Spaß zu haben.

»Geht es allen soweit gut?«

Niemand antwortete. Stattdessen blickten sie auf, zu den Dächern, wo die anderen Gestalten standen — regungslos wie Statuen. Wie kantige Schatten taten sie sich vor dem Himmel hervor und wurden angestrahlt wie wahrhaftige Monumente eines Helden.

Dolunay war auf dem Dach nach vorne gekrochen, starrte ihre Retter direkt an. Sie waren nur wenige Schritte von der Frau entfernt.

»Na, Harding. Blutbad war dir ja schon immer lieber, als dich wirklich zu waschen«, rief einer vom Dach aus. Die Silhouette trat näher und rutschte einen Teil des Daches hinab, um im Folgenden einen Stapel Kisten als Treppe zu verwenden.

»Danke fürs Retten.«

»Jaja. Dein Glück, dass du uns hierhergepfiffen hast, sonst wärt ihr alle tot.« Die Frau verbeugte sich in sauberer Bewegung, zog dabei einen Hut von den Haaren, um ihn Harding entgegenzustrecken.

Dieser gab einen unzufrieden-brummenden Laut von sich, starrte erst Caden, dann Kenga an. Er warf eine Münze in den Hut.

Die Frau war menschlich. Und ein Kämpfer. Ein seltener Anblick.

Während es in anderen Rassen keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern gab — zumindest in Hinsicht auf Fähigkeiten im Kampf — waren menschliche Frauen eingeschränkter in ihrer Kraft, als Männer.
Eine wahrhaftige Seltenheit. Sie schien die Gruppe unter ihrer Führung zu haben. Gut gebräunte Haut, Muskeln, Hornhaut an den Fingern — die Ausstrahlung, die sie hatte, glich der, einer tatsächlichen Soldatin.

Die übrigen Gestalten blieben verborgen und blickten stumm zu ihr, warteten auf einen befehl.

»Ja, lief nicht so wie geplant«, brummte Chase.

Caden verharrte auf dem Boden. Die Punkte, die sein Sichtfeld durchzogen, verschwanden zwar allmählich, doch die Schmerzen lagen wie ein tauber Druck auf seinen Muskeln.

Die anderen schienen unbeschadet geblieben zu sein.
Auch wenn Kengas Anblick sauer aufstoßen ließ.
Er war mit Blut bespritzt, da er jeden, der sich ihm genähert hatte, sofort erschossen haben musste.

Die Kämpferin legte den Kopf zur Seite. »Wollt ihr nun noch euer Mittel bekommen, oder nicht?«

Auf die Frage hin hob Eos schlagartig den Kopf und fixierte Chase — offensichtlich hoffend, er würde nun vom Gedächtnishandel absehen.

Blut eines CruorsGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt