Dolunays ersticktes Japsen – ringen nach Luft – erfüllte die Kammer.
Caden zog seine Hand vom Mund des Professors; hielt mit der anderen seine Arme jedoch fest. Er fuhr zum Kopf des Mannes auf, spürte, wie er sich nicht mehr verkrampfte. Stattdessen faltete er die Hände, als wolle er betteln. Er schüttelte den Kopf. »B-Bitte«, stotterte er nur. Er wusste, es nützte nichts, wenn er schrie.
Er wusste, niemand würde ihn hören und zu Hilfe eilen.
Dolunay setzte das Gerät wieder an seine Schläfe.
»Nein, bitte.«
Sie beachtete, dass die Metallplatten an der selben Stelle anlagen, wie zuvor.
»Bitte, bitte. Ich sag nichts. Bitte nicht.«
Caden strich ihm durch die Haare, schüttelte den Kopf, gab bedeutungslose Geräusche des Trosts von sich.
»Was hab ich denn getan.«
Dolunay drückte wieder ab.
Die Augen des Professors wurden leer, schließlich schloss er sie wieder.
Caden ließ ihn nicht los. »Tut mir Leid. Es tut mir Leid.«
»Schläft er?«, fragte Kenga – die Stimme rau, atemlos, erstickt. Er trat an ihre Seite, betrachtete den Lehrer. »Wir haben ihn doch nicht...«
Dann öffneten sich die Lider des Mannes wieder, als wolle er antworten... und er sah sie an. Kein Gefühl, keine Fragen. Nur ein leeres Starren, beobachtete er sie – als wolle er lernen... Als würde er in ihnen nicht mehr die nächtlichen Angreifer sehen, sondern normale Fremde.
Die beiden Frauen entfernten sich aus dem Raum, ohne etwas zu sagen.
»Äh...«, brachte Caden abgebrochen hervor. »Hat der uns jetzt nicht gesehen?« Sein Blick galt Kenga. Seine eigenen Gedanken waren versteift. Wie starre Eiszapfen, klebten sie in seinem Kopf.
»Niemand wird ihm glauben«, war Kengas Antwort, als er sich zum Gehen abwendete. »Und selbst wenn. Ist mir egal. Ich will... Ich benötige frische Luft.«
Sie blieben stumm. Sagten nichts, als sie sich durch die Gänge bewegten. Sagten nichts, als sie das Haus verließen. Blieben wortlos, als sie die Straße entlanggingen.
Eine Stille, ausgelöst von verlorenen Gedanken. Wie gerne hätte Caden geschrien, etwas gesagt... doch die Sätze verpufften bereits in ihrer Entstehung
Jeder Eindruck schien zu viel, jeder Schritt hämmerte in seinem Bein.
Hätte dieser Mann nicht so gelitten, wäre es ganz anders ausgegangen. War es das wirklich wert? Hatte er damit die Straßen sicherer gemacht? Was hätte dieser Professor kriminelles tun können?
Seine Aufmerksamkeit hangelte sich an den Straßenlaternen entlang, folgte den Lichtkugeln hin in die Ferne. Diese Stadt war falsch. Brus war verloren. Vielleicht wäre es wahrlich besser, würden alle Lampen ausfallen und sie gefressen werden – zusammen mit ihrer Schuld; ihren Sünden.
Die Straße war leer. Nebel trieb vor ihnen entlang, hüllte Kutschen ein, ließ Bäume wie Monster erscheinen. Trostlose Einsamkeit, als wissen die Wesen, was sie getan hatten.
Cadens Blick haftete sich an alles, was ihm Ablenkung bot. Eine willkommene Abwechslung zur Realität waren daher zwei Mutierte, die unter einer Laterne saßen und in das dämmrige Licht des Himmels starrten.
Mutierte. Menschen waren schon immer unzufrieden mit ihrer Menschlichkeit gewesen. Und wie verschaffte eine düstere Stadt dem Veränderung? Durch Tod und Experimente – das, was ihr Leben einnahm. Das Leben aller war bestimmt von dunklen Schicksalen. Wahnwitzige Wissenschaftler versprachen Menschen ein Dasein abseits aller Sorgen. Sie würden Fähigkeiten haben, auf den Stamm zugreifen können, als reine Energiequelle. Sie hätten Talente, die wie Magie sein würden — würden sie nur an den Experimenten teilnehmen.
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Blut eines Cruors
Fantasy[Wattys 2022 Winner] »Wir sind Kreaturen des Lichtes und doch steckt in uns eine solche Dunkelheit. Willst du wirklich erfahren, was dann erst die Schatten kreieren?« Seitdem die Cruoren die Macht an sich gerissen haben, hat sich die kleine Hafensta...
