Rhun beobachtete, wie die Nachtschwärmerin unbehaglich zur Seite wankte. Sie nahm Abstand von dem Mann, flüsterte dabei: »Ich... Es tut mir Leid, ich wusste das nicht.«
»Das hoffen wir«, brummte Zorn. Seine Stimme war fast mit tatsächlicher Wut gefärbt, als er zu Rhun sah. »Wenn wir herausfinden, dass ihr damit etwas zu tun habt...«
Die Aart fasste ihre Freundin an der Schulter, wollte sie vom Geschehen wegziehen, Abstand von den beiden Cruoren gewinnen.
Beide Frauen schienen nicht realisiert zu haben, dass sie längst schon von Wachmännern umkreist worden waren.
Die Soldaten hatten sich an die Wände gestellt, füllten die Lücken zwischen den Maschinen und beobachteten das Geschehen mit eiserner Miene.
Man bekam sie nicht mit — doch ebendas war das Ziel.
Sie waren komplett mit der Umgebung — mit der Luft — verschmolzen: Der Vorteil einer Leibgarde.
Jede Uniform war ausgestattet mit Runen, Broschen und Schnallen... Und wie ein Zauber sorgten diese Symbole dafür, dass man die Menschen nur mit größter Konzentration sehen konnte.
Wenn man Leibwächter auf der Straße begegnete, nahm man sie kaum wahr, wich ihnen instinktiv aus.
Sie waren nicht unsichtbar, auch wenn Rhun es lange Zeit seines Lebens gedacht hatte.
Sie waren durchschaubar und doch mitzubekommen — nahm man sie hingegen nicht als Wächter wahr, sondern als eine Person von vielen.
Gute Soldaten beachtete man so wenig, wie schlichte Dekoration in einem prunkvollen Saal.
»Ich nehme an, du willst deine Tat abstreiten?«, fragte Zorn. Es war beinahe so, als wolle er den Mann necken, während er einer so aussichtslosen Lage gegenüberstand.
Rhun wies die Damen an, dass sie gehen dürfen. Sie drückten sich an ihnen vorbei — verließen ohne ein Wort des Abschieds den Raum. Der Soldat, der sie begleitet hatte, entfernte sich ebenfalls.
»Ich habe die Bombe nicht gelegt. Wenn es einer aus meiner Gruppe war, werde ich jedoch die Verantwortung dafür tragen.«
»Mutige Worte für eine solch grauenvolle Tat. Was, kleiner Mann?«
»Ich weiß Dinge, von denen Sie nicht wünschen, dass ich sie weiß. Das ist der Grund, weshalb zukünftig meine Gruppe bis auf die letzte Person ausgelöscht werden soll, habe ich nicht recht? Genau das ist der Plan.«
»Wissen ist eine Waffe, sagt ihr Menschen doch immer. Und manchmal ist Wissen eine Waffe zur Selbstzerstörung.« Zorn wies den Wachmännern an, den Mann zu packen. Er wurde ohne Aufstände hinausbegleitet.
Der Cruor selbst sah sich noch einmal um, ging sicher, dass niemand ihn beobachtet hatte. Dann verließ er die Grenze — ließ den Raum in Leere fallen.
Die Maschinen an den Seiten schienen Rhun fast schon aus Trauer heraus anzusehen.
Dieser fuhr sich über die Hörner, als sie das Gelände verließen; seine Gedanken hingen dem Moment nach und er konnte nicht einmal benennen, woran er exakt dachte, so sehr kreisten sie.
Zorn ließ die Thematik gewohnt kalt. Er ging wenige Schritte vor ihm und grummelte nur vor sich hin. »Die benehmen sich alle wie Tiere, meine Güte« Zorn stieß ein Kind beiseite, das versehentlich vor seine Füße gelaufen war. Dann fügte er hinzu: »Wer kam auf die Idee, eine Bombe zu legen? Wer von diesen Zahnrad-Nichtsnutzen?«
Doch Rhun konnte nur an die verschwundene Formwandlerin denken, nach der sich die beiden Damen erkundigt hatten. Das Gespräch, die Stimme der Nachtschwärmerin, die mit reinem unterdrückten Hass erfüllt gewesen war.
Er könnte ihnen ihre Fragen beantworten. Könnte sagen, dass Formwandler zurzeit für Experimente missbraucht wurden. Und dieser Wissenschaftler wusste es auch.
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Blut eines Cruors
Fantasia[Wattys 2022 Winner] »Wir sind Kreaturen des Lichtes und doch steckt in uns eine solche Dunkelheit. Willst du wirklich erfahren, was dann erst die Schatten kreieren?« Seitdem die Cruoren die Macht an sich gerissen haben, hat sich die kleine Hafensta...
