Unruhe eroberte den Raum und hüllte ihn in erschreckenden Dunst aus geschluckten Worten. Erst allmählich wurden Gespräche aufgenommen und die Wesen starrten missmutig an die Decke. Ein jeder schien darauf zu warten, dass das Licht ein weiteres Mal gänzlich ausfallen würde.
Harding war in großen Schritten zur Tür gegangen und öffnete diese mit Schwung. Doch das erwartete Chaos offenbarte sich als Alltag. Zwar wurden die Personen außerhalb unruhig — Menschen riefen wild durcheinander und einige liefen am Eingang vorbei — doch die Sonne schien. Kein Monster war in Sicht.
Im Hintergrund war jemand auf die Knie gefallen und tastete den Boden ab.
Innerhalb der eisernen Eiche wurden Waffen getauscht, Messer genommen und Zähne geknirscht.
Die Anspannung in Caden wurde von Irritation abgelöst. Er tauschte einen raschen Blick mit den anderen aus, dann stand er auf, um zu Chase zu gehen.
»Ist wieder was schreckliches passiert?«, fragte Kenga, während sie hinaustraten.
Alles mutete normal an. Die Straßen waren zwar voll und die Menschen wirkten panisch, doch alles war natürlich. Keine Spur von düsteren Gestalten.
Kälte und Wolken ließen alles trister wirken, als es war. Nicht einmal die Erde bebte mehr.
Harding hatte mit zwei Fingern einen Aart zu sich gewunken.
»Da hinten ist ein Gebäude irgendwas!«, rief dieser schon von der Ferne. Der Künstler huschte in geduckter Haltung zu ihnen.
Caden schaute über die Dächer der umstehenden Gebäude. Es fehlte tatsächlich etwas an der gewohnten Aussicht, auch wenn er nicht geschätzt hätte, dass es ein ganzes Haus war.
Doch wie konnte das passieren? Das Beben war so schwach, dass es gerade einmal Dekoration hätte umwerfen können.
»Nicht nur eines!«, rief jemand. »Es sind mehrere zusammengekracht.«
Dolunay hatte die Augenbrauen zusammengezogen. Sie versuchte mit Harding Kontakt aufzubauen, doch dieser unterhielt sich mit anderen.
Schließlich resignierte sie und fasste an Cadens Arm. »Vielleicht sollten wir mal dorthin schauen«, schlug sie vor.
»Wie soll denn ein Haus eingestürzt sein?«, fragte Kenga und rieb sich das unrasierte Kinn. »Einfach so?«
Caden stellte sich auf den Tritt, um sich einen Überblick verschaffen zu können. Das eingestürzte Gebäude musste sich im Handwerksviertel befinden, wenn er die Position korrekt schätzte. Ein beunruhigender Gedanke. Wenn ein Erdbeben sowas auslösen konnte... Vielleicht sollte er Kenga demnächst fragen, ob er Nya bei sich aufnehmen würde — immerhin war das Schloss des Nachtschwärmers außerhalb von Brus' Mauern.
Harding kam wieder zu ihnen. »Lasst uns da mal nachsehen. Ich bin jetzt neugierig.«
Die Menschen in der Umgebung hatten sich beruhigt, auch wenn man aus den Gesprächen den Schreck heraushören konnte. Einmal mehr beratschlagten sich Leute, was es gewesen sein könnte — was all dieses Unglück auslöste... womit sie es verdient hatten. Einige philosophierten darüber, sich eine Hütte im Wald zu bauen und abzuwarten, bis all das Schrecken vorbei ist. Im Winter, wenn die Tage stetig kürzer wurden, konnte man nicht mehr sicher sein.
Immer mehr drohte Brus zu zerreißen — und mit ihnen das Vertrauen der Bürger in die Cruoren.
Caden blickte zu Dolunay zurück. Die Aart hatte eine Hand am Messer und schien zu suchen — jedes Gesicht scannte sie, durchsuchte jede Gasse, jeden Spalt zwischen den Häusern.
Es dauerte eine Weile, bis sie sich dem Händlerviertel näherten. Erst nun fiel auf, dass überhaupt mehrere Bauten fehlten. Der Himmel wirkte leer. Besonders durch das verhangene weiße Firmament mutete alles wie eine nackte Leinwand an. Kahl. Zurückgelassen.
Die hohen Häuser waren gänzlich verschwunden.
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Blut eines Cruors
Fantasy[Wattys 2022 Winner] »Wir sind Kreaturen des Lichtes und doch steckt in uns eine solche Dunkelheit. Willst du wirklich erfahren, was dann erst die Schatten kreieren?« Seitdem die Cruoren die Macht an sich gerissen haben, hat sich die kleine Hafensta...
