Cadens Füße rutschten auf den Ziegeln, als er ihr folgte. Er krallte sich an die aufwendigen Dekorationen, nutzte sie wie eine Stütze beim Klettern.
Die Nachtschwärmerin hatte sich auf ein Fensterbett fallen lassen. Die goldenen Spitzen ihrer Hörner wurde vom Licht, das hinausstrahlte, angeleuchtet. Erst blickte sie zu den anderen herunter, dann zu ihm. »Soll ich im Raum auf dich warten?«
»Du gehst nicht ohne mich weiter«, betonte er. Er sah noch, wie sie ihre Finger durch den geöffneten Schlitz schob und das Glas hochstemmte. Sie verschwand im Inneren des Hauses.
Kenga und Dolunay verharrten unten, würden darauf warten, dass sie die Tür für sie öffneten. Dolunay strahlte ein blaues Licht aus – ein gesundes Leuchten... Ein auffälliges Signal, das sie leicht verraten könnte.
Caden schwang sich herunter, landete auf dem Brett, auf dem zuvor auch Eos gestanden hatte.
Ihre zierliche Gestalt konnte er in dem Zimmer wahrnehmen, das wie ein Büroraum anmutete. Regale säumten die Wände. Der Schreibtisch vor dem Fenster bildete eine solide Treppe, durch die man hineingelangen konnte.
Sie hatte ein Buch in der Hand, dessen Seiten mit Tinte bezeichnet waren. Eine feine Handschrift – jeder Buchstabe mutete gleich an. Ein Schriftbild, wie Caden es von seinen Professoren nie gesehen hatte.
Er drückte sich an ihr vorbei, wollte sich einen Überblick über die Zimmeraufteilung verschaffen, doch musste feststellen, dass alle Türen offen standen. Ein Blick nach links; ein Mann lag im Bett. Das Zimmer war von einer Lichtkugel ausgeleuchtet, doch sein leises Schnarchen drang friedlich durch die Gänge.
Caden stolperte zurück, lief mit den Rücken in Eos hinein, deren Reaktion nur ein empörtes Schnaufen war.
»Was für ein Kerl schläft denn mit vollständig-weit geöffneter Tür? Ist der ein kleines Kind und hat Angst, dass seine Mutter seine Rufe sonst nicht hört?«
»Ist doch egal, wenn er schläft.«
Er horchte wieder.
Tatsächlich atmete der Professor noch immer regelmäßig — und laut. Ein Schlaf. Ein unnatürlich fester Schlaf um diese Uhrzeit.
Ein Griff in die Hosentasche, vergewisserte sich Caden, dass er noch immer das Werkzeug bei sich trug, um dem Mann das Gedächtnis zu rauben.
Er konnte die Finger jedoch nicht auf dem Metallstück lassen. Es fühlte sich an, als würde es reine Schuld in seine Fingerkuppen schießen. Das Gefühl jagte seine Adern aufwärts, nahm seinen Körper ein... und als würde dadurch ein Fluchtreflex ausgelöst werden, preschte er nach vorne, schlich auf den Flur geradeaus, nahm die Treppe abwärts.
Den Gedanken ließ er hinter sich zurück.
An den Seiten zeichneten sich die Schatten von Eos ab, als die Nachtschwärmerin sich umsah.
Sie öffnete derweilen jeden Raum auf dem Weg: ein kleines sporadisch-eingerichtetes Esszimmer, eine Küche daneben. Ein Wohnzimmer, das auch als Lehrraum verwendet zu werden schien. Eine Tafel im Flur. Es war ein recht überschaubares Haus, wie Caden es bezeichnen würde. Auch, wenn Eos von den Statuen auf den Regalen begeistert zu werden schien.
In der Tür steckte der Schlüssel. Caden drehte ihn herum, gewehrte seinen Freunden Einlass.
Dolunay rückte sofort an seine Seite. Er informierte sie ohne Nachfrage. »Er schläft oben. Das Licht ist an.«
»Wir sollten trotzdem nicht riskieren, dass ich hineinkomme«, murmelte Dolunay und zog ihre Kapuze über den Kopf, wickelte sich gänzlich in den Stoff ihrer Kleidung ein, streifte sich Handschuhe über die Finger.
Eos lief im Wohnzimmer umher, füllte die Säcke an ihrem Gürtel mit dem, was sie finden konnte. Immer wieder huschte ihre Silhouette am Türrahmen vorbei.
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Blut eines Cruors
Fantasi[Wattys 2022 Winner] »Wir sind Kreaturen des Lichtes und doch steckt in uns eine solche Dunkelheit. Willst du wirklich erfahren, was dann erst die Schatten kreieren?« Seitdem die Cruoren die Macht an sich gerissen haben, hat sich die kleine Hafensta...
