Die Stadt war erneut dem Untergang geweiht.
Doch heute sollte es niemanden geben, der sie rettet.
Der Abend hatte sich über die Dächer gelegt; Finsternis fraß die dunkle Straße und kein Licht könnte das aufhalten, was Rhun vermutete.
Brus würde vernichtet werden — von Monstern erobert. Und keine vernünftige Stimme würde den Cruor überreden können, zu bleiben.
Seiner Freiheit stand nur eins im Weg: die Gefangenen befreien und sich durch die Stadt schlagen.
Rhun stürmte an den blinden Richtern und Eos vorbei, griff in seinen Mantel, um einen Lichtstab hervorzuholen. Das blaue Leuchten wärmte seine Fingerspitzen und tränkte die Steinwände in kräftigen Blau.
Im Treppenhaus hallten die aufgebrachten Fragen der Menschen wider. Glocken wurden geläutet und die Befehle von Cruoren echoten durch die leere Einrichtung.
Rhun bewegte sich auf die unterste Ebene zu, wo Chase Harding und seine Gruppe festgehalten wurde.
Die blauen Flammen flackerten unwillkürlich — noch immer wurden die Gefangenen von dem Schutzwall umgeben. Die Zellen waren nicht auf den Stamm angewiesen.
Kenga starrte zu Rhun. »Cruor!«, brüllte er.
Dieser stand mit der Fackel vor ihnen.
Chase Hardings Stirn hatte Falten geschlagen, doch fragte er geistesgegenwärtig: »Wo willst du mit uns hin?«
»Aus der Stadt heraus«, flüsterte Rhun, während er sich zu den Wällen bewegte. Er kniete sich davor, um sie auszuschalten.
»Wird die Stadt untergehen?« Die Aart trat näher an Rhun heran.
Doch der antwortete nicht, zuckte nur, als eine Stimme von oben donnerte: »Veu Rhun! Sie werden doch nicht die Gefangenen freilassen! Das Licht wird wieder angehen!«
»Die Stadt wird nicht in dem Sinne untergehen, aber sie wird sich mit Sicherheit selbst zerstören«, erwiderte er mit Blick auf Dolunay.
»Die Stadt wird untergehen«, röchelte Harding heiser.
Wenn er noch widersprechen konnte, konnte es ihm nicht so schlecht gehen.
Rhun hatte den Mechanismus freigelegt und steckte sein Messer in die vorgesehene Stelle.
Die Wälle fielen.
»Veu Rhun«, schrie jemand empört.
Dieser stellte die Intensität seiner Fackel höher, um die vier in seiner Nähe ausmachen zu können.
Sein Herz setzte einen Schlag aus, als jemand erneut seinen Namen rief — es war Declan.
»Ich hoffe, ihr nehmt mich mit?«, fragte Rhun unruhig. »Ich bezweifle, dass ihr nach alldem noch mehr hier bleiben wollt, als ich.«
Die vier tauschten Blicken aus.
»Rhun!«, schallte Declans Stimme von etwas näher.
Harding presste die Lippen aufeinander, dann nickte er zum Ausgang.
Die anderen setzten sich folgsam in Bewegung.
Sie alle liefen unsicher... So wackelig, wie kleine Kinder. Besonders Chase schien Probleme zu haben, sich überhaupt aufrecht halten zu können.
Ein lächerlicher Anblick.
Der andere Mensch — Caden — gesellte sich neben Rhun. »Ich hoffe, Sie haben Waffen für uns?«
Angesprochener konnte nur den Kopf schütteln. Daran hatte er nicht gedacht. Wie viele Waffen musste er besorgen? Womit könnte man eine Gruppe Krimineller zufriedenstellen?
»Könntest du denn kämpfen?«, fragte er und deutete auf die zwei gebrochenen Finger.
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Blut eines Cruors
Fantasy[Wattys 2022 Winner] »Wir sind Kreaturen des Lichtes und doch steckt in uns eine solche Dunkelheit. Willst du wirklich erfahren, was dann erst die Schatten kreieren?« Seitdem die Cruoren die Macht an sich gerissen haben, hat sich die kleine Hafensta...
