Vielleicht redest du dir das auch alles ein, alter Mann, stellte Caden fest, sprach es hingegen nicht aus. Du denkst dir das alles aus, um dich als Herrscher verehren zu lassen. Haben die Leute denn gar keine Instinkte mehr? Und wieso gehen die mit diesen schwammigen Aussagen mit?
»Tut mir Leid, so vorlaut sein zu müssen. Aber das erklärt mir die Frage nicht, wieso die anderen hier wie Kriminelle überwacht werden müssen.«
»Ich verstehe Ihre Unsicherheiten. Skepsis ist gesund, ich habe Verständnis dafür.« Er hatte diese grausame Ruhe an sich, die einen nur aggressiver werden ließ. Kenga hockte sich vor ihn. Caden tat es ihm gleich, doch musste sich zurückhalten, nicht eine Hand auszustrecken, um ihn anzufassen — als sei er eine Projektion oder ein Geist, durch den man gleiten konnte.
Der Aart nickte zu seinen Aufsehern herüber und setzte ein so freundliches Lächeln auf, als sei er eine väterliche Figur, die ihnen eine Legende seiner Kindheit erzählen wollte. »Ich lasse die Bevölkerung zu ihrem eigenen Schutz überwachen. Bis heute weiß ich nämlich noch nicht... Nun, ich habe noch nicht erfahren können, was dieses Schicksal auslöst. Ich muss sichergehen, dass keine Person diese Katastrophen auslöst. Ich werde mein Bestes geben, eben diese Katastrophe zu unterbinden, wenn es mir möglich ist.«
Und indem er die Bevölkerung überwacht, stellt er sicher, dass keiner von ihnen der Täter ist, beendete Caden die Überlegung für sich. Eine einleuchtende Erklärung, doch der Fakt, dass dieser alte Mann der Retter des Dorfes sein sollte, war durchaus unglaubwürdig.
»Erlauben Sie mir nun, Ihre Erinnerungen anzusehen? Vielleicht sind Sie in der Lage, mir neue Informationen über das Geschehen zu liefern?«
Nehmt nicht an des Scharlatans Spiel teil, wiederholte Caden die Lehre seines Gottes im Kopf. Glaubet den allmächtigen Quellen. Lasset euch auf das ein, dessen Emanation rein ist; vollkommen ist. Kehret den Lügen den Rücken zu und wendet euch der Richtigkeit entgegen. Und wenn ihr den Schatten der Betrüger nicht vom Licht des Aufrichtigen unterscheiden könnt... so distanziert euch. Es liegt mehr im Zwielicht, als eure Vorstellungen zulassen.
Caden nickte seinem Freund zu. Eine eindeutige Geste, dennoch fügte er hinzu: »Du kannst gerne. Ich halte mich da lieber raus.«
»Gut«, Kenga schaute den Greis vor sich an. »Was muss ich tun?«
»Gib mir deine Hände, junger Mann« Der Aart streckte ihm auch seine entgegen, als wollen die beiden einander Vertrauen aussprechen.
Kengas gräuliche Haut wirkte fast schon leblos in seinen strahlend blauen.
Ein Blick über die Schulter. Caden vergewisserte sich, dass Harding dem Geschehen aus der Distanz folgte. Tatsächlich hatte ihr Anführer die Arme vor der Brust verschränkt und fuhr sich mit der Hand über das Gesicht, als wolle er zum Ausdruck bringen, dass sie gänzlich den Verstand verloren hatten.
Eos hatte sich unmittelbar neben ihn gestellt und beachtete aus der Ferne einen Schmuckstand, an dem sich auch Dolunay aufhielt. Sie hatte sich gänzlich in der ausgestellten Ware verloren und wirkte nicht, als habe sie realisiert, dass sie sich zu dem Priester begeben hatten.
»Ihr seid nicht alleine hier.«
Der Satz des Aart brachte Caden dazu, sich wieder zu ihm herumzuwenden.
Der Greis hatte die Lider geschlossen, einen Finger ausgestreckt, hielt ihn neben Kengas Kopf, um an ihnen vorbeizuzeigen. Er deutete auf Dolunay.
Die Blicke der meisten Wachmänner auf dem Markt folgten der angewiesenen Richtung mit ihren Augen. »Eine Aart.« Dann weiter — hin zu Chase und Eos.
Als Harding bemerkte, dass die Wachen zu ihm schauten, griff er hinter sich an seinen Revolver und lehnte sich vor. Es dauerte einige Augenblicke, ehe er sich mit festen Schritten in ihre Richtung bewegte.
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Blut eines Cruors
Fantasy[Wattys 2022 Winner] »Wir sind Kreaturen des Lichtes und doch steckt in uns eine solche Dunkelheit. Willst du wirklich erfahren, was dann erst die Schatten kreieren?« Seitdem die Cruoren die Macht an sich gerissen haben, hat sich die kleine Hafensta...
