Kapitel 9

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New York


Verlust quält dich. Er reißt dich nach und nach in Stücke und verschlingt dich, bis du das Gefühl hast, dass nichts mehr von dir übrig ist. Du kannst nicht mehr denken. Nicht atmen. Bist völlig verloren. Dein Herz... es fühlt sich an, als würde es hundert Ketten umschlingen und dennoch in tausend Teile zerspringen. Ein Feuer, dass deinen ganzen Körper einnimmt. Und du kannst nichts dagegen tun. Selbst Tränen versagen irgendwann und der Schmerz bleibt dennoch. Hilflosigkeit überkommt dich und am liebsten würdest du sterben. Das Gefühl lässt nicht nach. Wird es wahrscheinlich auch nie und dennoch schaffst du es, es irgendwann in den hintersten Teil deiner selbst zu drängen. Irgendwie weiter zu machen.

Genau wie Eldrid es getan hatte. Der Schmerz über den Verlust Lokis war immer noch da, doch sie hatte es geschafft. Hatte weiter gemacht, auch wenn es ihr unendlich schwer gefallen war. Und jetzt war er wieder da. Er lebte. Und war doch so unerträglich weit weg.

Als Eldrid am Morgen erwachte, war es bereits ziemlich hell in ihrem Zimmer. Wie es aussah, hatte sie mal wieder länger geschlafen, als sie eigentlich beabsichtigt hatte. Kaum war sie halbwegs bei Bewusstsein, kamen ihr Clints Worte wieder in den Sinn. Liebte sie Loki noch immer? Der Gedanke verursachte ein Stechen in ihrer Brust und sie rieb sich unbewusst mit einer Hand über die Stelle. Darüber nachzudenken, es zuzugeben, würde bedeuten, dass sie auch damit klar kommen musste, sollte er alles wirklich nur für eine Zeitverschwendung gehalten haben. Eldrid schüttelte den Kopf, verbot sich weiteres Grübeln, sonst würde sie wahrscheinlich noch unüberlegt handeln und das konnte definitiv nicht gut gehen.

Schwungvoll stand sie auf und ging ins Badezimmer, nachdem sie sich die passende Kleidung für den heutigen Tag heraus gesucht hatte. Ein dunkelgraues Bandage-Maxikleid. Ein wenig vermisste sie ihre Zofen, doch zum Glück war sie ja bald wieder in Asgard. Wenn nichts dazwischen kam.

Nach einem kleinem Kampf mit der Dusche, trocknete sie sich ab und kämmte ihre langen Haare. Ein wenig umständlich zog sie sich an. Fast schon ein wenig verkrampft versuchte sie die langen Stoffbahnen, die ihre Träger bildeten, hinter dem Rücken ordentlich zu kreuzen und schließlich halbwegs um ihre Taille zu wickeln. Zum Glück war ihr der große Spiegel im Badezimmer dabei eine große Hilfe. Eldrid machte sich schließlich auf den Weg zum Frühstück, wo die anderen bereits warteten. Ihre Haare waren immer noch ein wenig feucht, was hier aber keinen zu stören schien.

"Guten Morgen", hauchte sie leise in die Runde und setzte sich auf den freien Platz neben Natasha. Schmunzelnd stellte sie fest, dass diese ihr anscheinend bereits eine Tasse Kaffee hingestellt hatte.

"Gibt es irgendeine Möglichkeit, wie ich Thor erreichen kann?", fragte die Brünette in die Runde und nippte an ihrem Getränk.

"Thor hat kein Telefon, aber Tony hat Jane eine SMS geschickt, er dürfte morgen zurückkommen", meinte Natasha, bevor sie in ihr Brötchen biss.

Eldrid hatte keine Ahnung, was das bedeutete, nickte aber. Während des Frühstück schwieg sie und hörte den anderen bei ihrer Unterhaltung zu. Der Doktor und Tony unterhielten sich über einige wissenschaftliche Dinge, die sie nicht wirklich verstand. Doch ihnen dabei zuzuhören, war dennoch ziemlich interessant. Anders als sie angenommen hatte, schienen die Menschen doch nicht ganz so dumm zu sein. Zumindest einige von ihnen. Während sie ihr Rührei aß, lauschte sie Natashas Worten, die gerade davon erzählte, dass sich irgend so ein Fury noch nach dem neusten Stand erkundigen wollte. Wie es den Anschein hatte, war das der Anführer irgendeiner geheimen Organisation und dafür verantwortlich, dass Loki immer noch hier auf der Erde festsaß.

Völlig satt gegessen, ließ Eldrid sich gegen die Stuhllehne sinken, als Tony sie plötzlich ansprach.

"Was können Sie eigentlich?", fragte er und die Aufmerksamkeit der anderen richtete sich nun auf sie.

Liebe ist ein Dolch *Loki FF*Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt