Kapitel 8

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New York


Nachdem die beiden Frauen noch ihren Kaffee getrunken hatten, kehrten sie zum Stark Tower zurück. Während Natasha sich auf die Suche nach Clint machte, um irgendetwas mit ihm zu besprechen, wovon Eldrid nichts verstand, ging sie selbst wieder ins Wohnzimmer. Welches mittlerweile anscheinend als eine Art Gemeinschaftsraum der Avengers fungierte. Sie versuchte gar nicht erst ein Augenrollen zu unterdrücken, als sie dort lediglich Steve entdeckte, der es sich auf der Couch bequem gemacht hatte. Wortlos ging sie zum Schrank hinter der Bar und nahm sich eine Flasche Wasser heraus. Während sie trank, stellte sie fest, dass Rogers ihre Anwesenheit bemerkt hatte und sie die ganze Zeit anstarrte.

"Das Kleid steht Ihnen wirklich gut", sagte er schließlich, noch bevor sie die Möglichkeit einer Flucht ergreifen konnte.

"Was wollt Ihr von mir?", fragte sie stattdessen genervt und stellte die Flasche auf die Tresen ab.

"Ich will nur nett sein", erwiderte er und stand auf. Mit jedem Schritt, den er auf sie zukam, ging sie einen in Richtung Aufzug. "Sie scheinen eine außergewöhnliche Frau zu sein und ic-"

"Und Ihr seid nur ein Mensch", unterbrach sie ihn. "Nichts von großer Bedeutung. Also bemüht Euch nicht."

Steve presste die Lippen zusammen und nickte knapp. Es sah so aus, als müsste er sich zurückhalten, etwas zu sagen, was er später noch bereuen würde. Einen Moment lang überlegte sie, ob sie ihm vielleicht unrecht tat, immerhin kannte sie ihn nicht. Und Natasha mochte sie ja auch, obwohl diese nur ein Mensch war. Doch irgendwas hatte dieser Mann an sich, dass sie nicht leiden konnte.

Rogers lief an ihr vorbei zum Aufzug und noch bevor er dort angekommen war, fragte sie: "Wo ist Thor?"

"Seine Freundin besuchen", antwortete ihr der Blonde und betrat den Metallkasten.

Jane?, fragte sie sich selbst und dachte darüber nach, was man sich in Asgard über die Menschenfrau an der Seite des blonden Prinzen erzählte. Was hatte sich Thor eigentlich dabei gedacht, eine Verbindung mit dieser Jane einzugehen? Immerhin würde er noch ein paar tausend Jahre leben, während Jane gefühlt innerhalb eines Wimpernschlags zu Staub zerfiel.

Schulterzuckend betrat sie hinter Steve den Aufzug und nahm sich vor, sich das Gebäude einmal genauer anzusehen. Es schien die längste Fahrt ihres Lebens zu sein, während sie im größtmöglichem Abstand zu Cap stand und sich eine unangenehme Stille immer weiter ausbreitete. Eldrid starrte auf die kleine Zahl über der Aufzugtür und hoffte, dass sie bald das Stockwerk erreichen würden, in dem der Blonde aussteigen würde. Dieser jedoch drehte sich nun in ihre Richtung und kratzte sich schließlich verlegen am Kinn. Oh bitte, sei einfach ruhig, dachte Eldrid, doch ihr Flehen wurde anscheinend überhört, denn in diesem Moment machte er den Mund auf.

„Ich weiß, Sie halten nicht viel von Menschen", fing er an und sie konnte in seinen Augen die Worte erkennen, die er nicht aussprach. Insbesondere von mir, schienen sie zu sagen und damit hatte er absolut recht. „Aber ich möchte mich trotzdem bei Ihnen bedanken, dass Sie versuchen, uns mit Loki zu helfen."

Eldrid erwiderte nichts, sondern sah ihn einfach nur an. Damit hatte sie nicht gerechnet. Auch wenn er ihr gegenüber freundlich war, im Gegensatz zu ihr, hätte sie so etwas nicht erwartet. Stumm sah sie ihm dabei zu, wie er den Aufzug verließ, kaum dass dieser angehalten und seine Türen geöffnet hatte. Vermutlich sollte sie noch einmal über ihre Einstellung ihm gegenüber nachdenken.

Einige Stunden später kehrte Eldrid ins Wohnzimmer zurück. Auf ihrer kleinen Tour durch den Stark Tower hatte sie sich wirklich einiges ansehen können. Unter anderem um die 20 Etagen, die nur für menschliche Wissenschaft und Technik da waren. Fünf Etagen mit Zimmern, die vermutlich für Gäste waren und auch eine Etage in der sich sogar ein großer künstlicher Teich befand. Jedoch ohne Fische oder Wasserpflanzen, sondern nur merkwürdig riechendes Wasser. Zumindest glaubte sie, dass es so was war. Manche Dinge hier auf Midgard verwirrten sie wirklich noch sehr.

Im Wohnzimmer traf sie auf Tony, der wieder vor dem Hologramm stand und Loki beobachtete. Dieser saß anscheinend nur da, den Zettel in der Hand und rührte sich kaum.

"Und das soll wirklich etwas bringen?", fragte Tony, nachdem er Eldrid einen kurzen Blick zugeworfen hatte.

Eldrid nickte lediglich, als sie sich neben dem Schwarzhaarigen stellte und konnte sonst nichts anderes tun, als Loki anzustarren. All die Gefühle kamen hoch, doch versuchte sie sich davon nichts anmerken zu lassen. Die Liebe, die sie für ihn empfunden hatte. Den Verlust, den sie beide erlitten hatten. Den Schmerz über die Trennung und die Trauer, als sie dachte, er wäre tot.

Mit einem leisen Ping kündigte sich der Aufzug an und Clint kam heraus. "Hey ihr beiden", sagte er und kam näher. "Ich soll euch Bescheid geben, das Essen ist gleich fertig."

"Wer kocht?", fragte Stark irritiert und runzelte die Stirn.

"Steve", erwiderte der Angesprochene knapp und sah ebenfalls zum Bildschirm.

"Ok, ich gehe. Nicht, dass mir die Küche nochmal abbrennt. Pepper bringt mich um." Eilig setzte sich der Milliardär in Bewegung. „Jarvis, bestell Pizza. Nur zur Sicherheit."

„Geht klar, Sir", ertönte die elektronische Stimme und Eldrid hätte schwören können, dass selbst die KI belustigt klang.

Clint lachte leise und schüttelte den Kopf. Einen Moment lang breitete sich Schweigen zwischen den Zurückgebliebenen aus. Eldrid sah wieder auf den Bildschirm. Auch wenn Loki sich noch immer nicht bewegt hatte, wusste sie, dass die Gedanken in seinem Kopf nur so rasen mussten.

"Du liebst ihn", kam es plötzlich von Barton und die Asin zuckte zusammen. Verwirrt sah sie ihn an und sagte nichts, also wiederholte er. "Loki. Du liebst ihn noch immer."

"Ich empfinde etwas für ihn, ja", hauchte Eldrid und verschränkte die Arme vor der Brust. Ihr Blick richtete sich wieder zum Bildschirm. Sie meinte ihre Worte ernst. Sie empfand nicht nichts für ihn. Doch war es noch Liebe, so wie sie es all die Jahre empfunden hatte? Genau konnte Eldrid es nicht sagen. Auch wenn die Trennung noch nicht lange her war, so hatte sie sich seit dem verboten, auch nur genauer darüber nachzudenken. Zuerst weil der Schmerz einfach zu groß war. Irgendwann war es einfach nur die Angst gewesen, Gefühle zuzulassen, wo er doch für tot gehalten wurde. Und seit sie hier war, wollte sie das Risiko einer Zurückweisung nicht eingehen. Besonders nach seinen harten Worten.

Clint fuhr sich mit einer Hand durch seine kurzen Haare. "Warum seid ihr dann getrennt? Versteh mich nicht falsch, ich mag den Typen nicht, abe-"

"Es hat einfach nicht mehr gepasst", unterbracht sie ihn. Als sie das nun hier vor diesem Mensch zugab, spürte sie ihr Herz wieder einmal brechen. Es war fast so, als wäre es gestern gewesen. "Es ist einfach zu viel vorgefallen."

"Ich bin da vielleicht nicht der Richtige dazu, aber wenn du möchtest, können wir gern darüber reden", erwiderte er seufzend.

Verwirrt sah Eldrid ihn wieder an und fragte sich, warum sie mit einem völlig Fremden darüber reden sollte. Zumal er ja bereits zugegeben hatte, dass er Loki nicht mochte. Wenn man bedenkt, was der Gott hier auf Midgard angerichtet hatte, war das ja auch nicht wirklich verwunderlich. Zuhause in Asgard hätte man ihn dafür wahrscheinlich ebenso verachtet und eingesperrt. Oder schlimmeres. Eldrid fragte sich, wie es dazu nur kommen konnte und sie hoffte, dass ihr Plan wirklich funktionierte und Loki sich ihr gegenüber öffnete. Dass sein Herz doch nicht so kalt war, wie er ihr zeigen wollte.

Auf Clints Angebot reagierte sie nicht weiter, doch das musste sie anscheinend auch gar nicht. Der Mann nickte und meinte: "Wenn du dich doch noch dazu entschließt, weißt du, wo du mich findest. Und jetzt lass uns essen gehen, ich verhungere."

Liebe ist ein Dolch *Loki FF*Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt