New York
Eldrid saß im Sessel einer Sitzgruppe, die sich neben einem der Tecknikräume des Hauptquartiers befand. Nebenan führte Rhodes gerade ein Gespräch mit General Ross, dessen Hologramm im Raum herumspazierte. Über was sie genau sprachen konnte sie nicht verstehen, doch es interessierte sie auch nicht. In Gedanken hing sie bei Loki und der Frage, wo er war und ob es ihm gut ging.
Seit ihrem Besuch bei Doktor Strange fühlte sie sich wie ausgewechselt. Sie schien kaum noch am Leben teilzunehmen, das um sie herum stattfand. Innerlich fühlte sie sich einfach leer. Da war nichts mehr außer der Verzweiflung über die aktuelle Situation.
Zwar hatte sie beiläufig mitbekommen, dass heute irgendwas in New York passiert sein musste, doch nachgefragt hatte sie nicht. Darum ging es vermutlich auch gerade in der Besprechung mit Ross.
Wie gedämpft hörte sie Schritte, die sich den Raum näherten, doch sie drehte sich nicht danach um. Erst, als sie die aufgebrachte Stimme des Außenministers vernahm, spitzte sie die Ohren. Als sie schließlich zwei vertraute Stimmen hörte, drehte sie sich herum.
Eldrid konnte ihren Augen kaum glauben, als sie sah, wie Steve und Natasha zu Rhodes traten, gefolgt von drei Personen, die sie nicht kannte. Ihr trauriges Herz machte einen kaum merklichen Satz und sie sprang auf. Während sie auf ihre Freunde zueilte, unterbrach Rhodes die Verbindung zu Ross.
„Nat", hauchte sie und schon lag sie der Blonden in den Armen.
„Wenn das nicht meine Lieblingsasin ist", murmelte diese, doch war ihn ihren Worten kaum eine Spur der Freude zu hören. Eldrid nahm es nicht persönlich, denn sie wusste, dass die Avengers sicherlich andere Sorgen hatten, als sich um sie zu kümmern. „Ich wusste nicht, dass du auch hier bist."
„Erst seit ein paar Tagen", erwiderte Eldrid und ließ die Agentin los.
„Geht es dir gut?", fragte Steve, dem natürlich nicht entgangen war, dass sie ziemlich abgefuckt aussah. Ihre Augen waren gerötet und ihre Haut hatte eine unnatürliche Blässe angenommen.
„Es geht schon", murmelte sie und schlag nun auch die Arme um den Blonden. Dieser schien von dieser Herzlichkeit völlig überrascht zu sein, legte dann aber schließlich seine eigenen Arme um sie und drückte sie einen Moment an sich.
Eldrid ließ von ihm ab und blickte zu den drei Personen hinter ihnen. „Hallo", murmelte sie und trat unwohl von einem Fuß auf den anderen. Gefühlsausbrüche vor Fremden waren ihr immer noch unangenehm, doch nun war es nicht mehr zu ändern.
„Was ist passiert?", wollte sie schließlich wissen, als sie bemerkte, dass einer der Menschen verletzt zu sein schien. Wobei man hier sicherlich nicht von einem Menschen reden konnte. Sein ganzer Körper schien nicht aus Fleisch und Blut zu bestehen sondern aus einem künstlichen Gewebe.
„Thanos Gefolge griff uns an", sprach dieses rötliche Wesen. Seine Stimme kam ihr bekannt vor, doch aufgrund ihres katastrophalen geistlichen Zustandes konnte sie diese absolut nicht zuordnen.
„Thanos?", fragte Eldrid mit zittriger Stimme. Ihr wurde schlecht, als sie sich daran erinnerte, was dieser Name zu bedeuten hatte.
„Komm", meinte Natasha und legte ihr einen Arm um die Schulter. „Holen wir dir etwas zu trinken und dann bringen wir uns auf den neusten Stand."
„Am besten etwas starkes", hörte sie Steve murmeln, der den beiden Frauen mit einem Stirnrunzeln hinterher blickte.
Entsetzt ließ sich Eldrid auf das Sofa fallen und zog die Beine an die Brust, umklammerte sie wie eine Ertrinkende. Das konnte nicht real sein, dachte sie, als sie gedanklich Natashas Worte Revue passieren ließ.
Ein Teil von Thanos Anhängern waren gleich zwei Mal auf die Erde gekommen und hatten versucht die hier befindlichen Infinitysteine an sich zu reißen. Und als wäre das noch nicht genug, kam schließlich auch noch Bruce zu ihr und berichtete ihr von den Vorfällen in Asgard.
Eldrid weinte und vergrub das Gesicht in ihren Knien. Ihre Eltern waren tot und so gut wie jeder andere, den sie je gekannt hatte. Von Loki und Thor fehlte jede Spur, doch Banners Worte machten ihr keine Hoffnung. Sie musste also davon ausgehen, dass auch die beiden Prinzen unter den Opfern des Angriffs waren. Eldrid schrie. Es war ihr egal, ob jeder sie hörte oder sie komisch ansah. Ihr war es gleich, denn für sie gab es jetzt nichts mehr, woran sie festhalten konnte. Wie sollte sie so weiter machen können? Ein Leben ohne Loki war ihr in den letzten Monaten immer unvorstellbarer geworden und nun sollte es Realität sein?
Nein. Nein. Nein., dachte sie und wiederholte die Worte in ihrem Kopf immer und immer wieder, während ein Schluchzer nach dem anderen ihren Körper erbeben ließ.
Mittlerweile war sie gänzlich allein im Raum, denn Natasha hatte sich für eine Besprechung mit den anderen zurückgezogen. Eldrid stand auf und warf den Kopf zurück, starrte einfach nur die Decke an. Und dann schrie sie. Immer und immer wieder. Erst als ihre Stimme zu versagen schien und nur noch ein leises Krächzen über ihre Lippen drang, hörte sie auf. Die Trauer verwandelte sich in Wut. Auf Thanos, auf Dr. Strange und Thor. Doch vor allem auf sich selbst. Sie hatte geahnt, dass es keine gute Idee war, Loki gehen zu lassen, doch hatte nichts getan, um es zu verhindern.
Eldrid packte die Vase, die auf dem Beistelltisch neben dem Sofa stand und warf sie im hohen Boden gegen die Wand, wo sie mit einem lauten Poltern in tausend Teile brach. Wie ihr Herz. Bei diesem Gedanken packte sie den Couchtisch und schleuderte ihn mit all ihrer Kraft in die nächste Ecke. Doch noch immer war es nicht genug. Also ging sie zum Regal und nahm sich ein Buch nach dem anderen, um sie ebenfalls durch den Raum fliegen zu lassen.
Irgendwann hatte sie vollkommen die Besinnung verloren. Erst, als sie atemlos inmitten der Zerstörung saß und stumm vor sich hin weinte, hatte sie genug.
Sie bemerkte nicht, wie Natasha den Raum betrat und nach ihr sehen wollte. Doch der Agentin reichte ein kurzer Blick, um die Situation abzuschätzen, ehe sie ihr Telefon ergriff. Während sie eine Nummer wählte, zog sie sich wieder in den Flur zurück.
Irgendjemand hatte sie in ihr Zimmer getragen, soviel konnte Eldrid sagen, als sie in ihrem Bett lag und einfach nur an die Decke starrte. Sie fühlte sich vollkommen leer.
Ein lautes Klingeln riss sie aus ihrer Starre. Auch wenn sie wusste, dass es unmöglich war, hoffte sie dennoch auf Loki. Sie griff nach ihrem Handy und konnte nicht einmal lächeln, als sie die bekannten Symbole aufleuchten sah, die für den ehemaligen Winter Soldier standen. Eldrid tippte auf den roten Hörer und legte es zurück auf den Nachtschrank. Seufzend ließ sie sich zurück auf den Rücken kullern und sah wieder nach oben.
Tage vergingen, die ihr wie Stunden vorkamen. Und noch immer lag sie einfach nur da, unfähig irgendetwas zu tun oder mit jemanden zu reden. Ihr Handy klingelte in der Zeit mehrere Male, doch entweder drückte sie Bucky weg, oder sie ignorierte es einfach. Sie wollte nicht telefonieren, fand einfach nicht die Kraft dazu.
Irgendwann kamen Natasha und Steve und zerrten sie regelrecht aus ihrem Zimmer. Brummelten irgendwas von Essen und Duschen, doch Eldrid konnte sich kaum dazu aufraffen. Bei allem, was sie in der Vergangenheit durch gemacht hatte, schien es sie diesmal am schlimmsten mitzunehmen.
Sam brachte sie nach draußen mit den Worten, dass ihr ein wenig frische Luft gut tun würde. Doch es schien ihr nicht so, als würde es viel bringen. Aber sie fand nicht die Kraft, ihm zu widersprechen.
Ein lautes Geräusch ließ sie schließlich aufsehen. Aufgrund der blendenden Sonne musste sie die Augen zusammenkneifen, um überhaupt etwas erkennen zu können. Schließlich riss sie sie ungläubig auf, als sie ein Jetähnliches Flugobjekt erkannte. Natürlich war ihr klar, dass es nicht Loki sein konnte.
Es landete auf dem Rasen neben ihr und eine gefühlte Ewigkeit schien zu vergehen, ehe sich die Ladeklappe öffnete. Eldrid traute ihren Augen nicht, als eine vertraute Gestalt die Rampe herunterlief.
„Versuch das mal wegzudrücken."
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Liebe ist ein Dolch *Loki FF*
Fanfiction-- Marvel/Loki -- Wenn das Leben einem Steine in den Weg legt, können selbst die besten Beziehungen daran zerbrechen. Egal, wie groß die Liebe auch gewesen sein mag. Doch konnte es eine zweite Chance geben? Würden sie die Probleme lösen können und e...
