Plymouth
Ein wenig fester packte Eldrid die zwei kleinen Pakete, die sie im Arm hatte, und betrat den Platz, auf dem sich die riesigen Sonnenuhr der Stadt befand. Zwar hatte die Post schon heute Morgen alle Pakete bei ihr abgeholt, doch hatte sie danach noch zwei Bestellungen fertiggestellt. Weil sie natürlich keine Lust hatte, Zuhause zu sitzen und Däumchen zu drehen, entschloss sie sich, diese schnell persönlich bei der Post abzugeben. Es lenkte sie ein wenig von den Gedanken ab, die in ruhigen Minuten auf sie einprasseln wollten. Loki hatte sie seit ihrem Gespräch in ihrem Lieblingscafé nicht mehr wieder gesehen. Das war jetzt bereits drei Tage her. Drei Tage, in denen sie es vermied, überhaupt nur in die Nähe des West Hoe zu gehen. Sie glaubte nicht daran, dass er noch immer dort herum lungerte, doch wollte sie dieses Risiko nicht eingehen, so gering es auch war.
Eldrid seufzte und trat näher an die Sonnenuhr heran. Es erinnerte sie an Asgard, denn dort gab es sie fast überall, jedoch nicht in Kombination mit einem kleinen Springbrunnen, wie es hier der Fall war.. Ihre Mundwinkel zuckten freundlos nach oben, als sie sich schließlich auf den kleinen Stufen niederließ, die zur Uhr führten. Das leise Prasseln des Wassers beruhigte sie und so gönnte sie sich einem Moment Rast. Die Pakete stellte sie neben sich ab und sah dann von der Sonnenuhr zum Himmel hinauf. Warum nur, fragte sie sich, als der Gott des Schabernacks wieder in ihrem Geiste auftauchte. Sie wollte nicht an ihn denken, doch es schien unvermeidbar zu sein. Warum konnte er sie nicht einfach in Frieden hier leben lassen. In Ruhe in dieser Stadt, die bis vor ein paar Tagen frei von jeden Erinnerungen an ihn war. Missmutig dachte sie daran, dass sie jetzt nicht einmal mehr ihr Lieblingscafé betreten konnte, ohne das die Gedanken an ihn sie heimsuchten.
Tief atmete sie durch und ließ ihren Blick dann in die Einkaufsstraße wandern, die sie gleich betreten würde. Dort herrschte ein buntes Treiben aus allem möglichen Menschen jeden Alters. Jeder auf der Suche nach einem Schnäppchen oder den letzten Artikeln der Einkaufsliste. Auch wenn es bei weitem nicht an die Menschenmassen New Yorks heran kam, so war es für sie dennoch immer wieder eine Überwindung, sich da hindurch zu schlagen.
Für einen Moment schloss sie die Augen und genoss die warmen Sonnenstrahlen, die sich eben durch die dichte Wolkendecke drängten. Als Eldrid ihre Augen wieder öffnete, gefror alles in ihr zu Eis und setzte ihren Körper gleichzeitig in Flammen.
Vor einem kleinen Café an der Ecke des nächsten Gebäudes saß ein Mann. Seine dunklen Haare schimmerten in der Sonne und er blickte scheinbar hochkonzentriert in die Zeitung, die vor ihm auf einem kleinen Tisch lag. Auch wenn sie hoffte, sich zu täuschen, so wusste sie, dass sie ihn selbst unter Tausenden erkennen würde.
Loki.
Die Brünette schluckte. Das durfte doch nun wirklich nicht wahr sein. Auch wenn ihr Herz geahnt hatte, dass er die Stadt noch nicht verlassen hatte, hatte ihr Kopf alle möglichen Gründe gesucht, die für eine Abreise seinerseits sprachen. Und jetzt war er hier und nippte an einer Tasse, die lächerlich klein in seinen großen Händen wirkte.
Noch hatte er sie nicht gesehen, da war sie sich sicher. Also atmete sie noch einmal tief durch und schnappte sich ihre Pakete. Eldrid hatte jetzt zwei Möglichkeiten. Entweder ging sie den Weg zurück, den sie gekommen war und verschwand ganz schnell nach Hause. Die Pakete würde sie in diesem Fall erst Morgen abgeben. Oder sie ging einfach an ihm vorbei. Mit verzerrten Gesicht biss sie die Zähne zusammen. Es war genug, entschied sie. Sie würde sich nicht weiter verstecken in einer Stadt, die sie zu ihrem Zuhause auserkoren hatte. Verdammt nochmal, sie würde ihm zeigen, dass sie mit ihm abgeschlossen hatte.
Entschlossen stand sie auf und setzte fast krampfhaft einen Fuß vor den anderen. Dabei achtete sie darauf, dass ihr Blick nicht noch einmal in seine Richtung glitt. Während sie immer weiter lief, versuchte sie sich auf die Entfernung zu konzentrieren, die nun vor ihr lag. Ungefähr 130 Meter, das würde sie schaffen, redete sie sich mit jedem Schritt ein und versuchte Ruhe zu bewahren. Wenn sie jetzt hektisch werden würde, dann zog sie nur seine Aufmerksamkeit auf sich und auf ein eventuelles Gespräch hatte sie nun wirklich keine Lust.
Wie eine Ertrinkende klammerte sie sich an die Pappschachteln in ihrem Arm und bahnte sich ihrem Weg durch die Erdlinge. Fast hätte sie erleichtert aufgeseufzt, als endlich das Postamt vor ihr erschien. Eilig huschte sie hinein und blieb wie angewurzelt in der Tür stehen. Es dauerte einen Augenblick, ehe sie die gesamte Situation überblickte und letztendlich genervt aufstöhnte. Es war gerade einmal ein einziger Schalter geöffnet und die Schlange zog sich beinahe bis zum Eingang. Sicherlich würde sie hier nicht nur ein paar Minuten warten. Am liebsten wäre sie rückwärts wieder raus. Doch dann dachte sie an Loki und daran, dass es sicher nicht schlecht war, hier zu warten. Vielleicht hatte sie Glück und er wäre bereits weg, wenn sie hier raus kommt. Also stellte sie sich hinter eine ältere Dame, die lediglich einen kleinen Umschlag in der Hand hielt.
Etliche Minuten stand sie scheinbar regungslos in der Menschenschlange. Doch dann wurden plötzlich zwei weiter Schalter geöffnet und die Menge setzte sich wie durch Zauberhand in Bewegung. Eldrid konnte es kaum glauben. Sollte sie wirklich so viel Glück haben? Mit einem Lächeln auf den Lippen gab sie schließlich ihre Päckchen ab und war dann auch schon wieder auf dem Weg nach draußen.
Mit einer inneren Zufriedenheit trat sie in das wärmende Licht der Herbstsonne und begab sich auf den Rückweg. Ihr kam Loki erst wieder in den Sinn, als sie schon auf der Höhe des Cafés war. Krampfhaft versuchte sie unauffällig an ihm vorbei zu gehen. Nur noch ein paar Meter, dann hätte sie es geschafft.
„Ich hoffe, du konntest alles erledigen?", erklang plötzlich die Stimme, die ihr so vertraut war, wie ihre eigene.
Ruckartig blieb Eldrid stehen und schluckte. Er hatte sie also doch bemerkt.
„Ja", brummte sie lediglich und wagte es schließlich, ihn anzusehen.
Den Blick hatte er immer noch auf die Zeitung gerichtet, welche er mittlerweile in seinen Händen hielt. „Gern geschehen", erwiderte er leichthin und faltete das bedruckte Papier zusammen.
Die Brünette verzog das Gesicht, als sie sich der Bedeutung seiner Worte bewusst wurde. „Dann bist du dafür verantwortlich?", fragte sie unnötigerweise.
Er antwortete ihr nicht, sondern sah sie nun einfach an. Ihr Herz fing an, immer stärker in ihrer Brust zu schlagen. Diese Wirkung hatte er immer schon auf sie gehabt und anscheinend hatte sich daran auch jetzt nichts geändert. Wie sehr sie es verfluchte. Sie wollte ihm nicht danken, denn immerhin hatte sie ihm nicht darum gebeten. Doch ihre gute Erziehung, oder zumindest das, was davon noch übrig war, ließ nichts anderes zu. „Danke", murmelte sie also und zwang ihre Beine, sich wieder in Bewegung zu setzen. Sie wollte sich mit ihm nicht unterhalten. Egal, was er ihr zu sagen hatte, sie hatte bereits alles gesagt, was es zu sagen gab.
Doch wie es aussah, hatte sie dabei die Rechnung ohne den Gott gemacht. Denn dieser stand nun auf und klemmte einige Scheine zwischen Tasse und Teller. Mit großen Schritten kam er auf sie zu und hatte sie im Bruchteil eines Augenblicks eingeholt. Eldrid versuchte ihn zu ignorieren, lief an der großen Sonnenuhr vorbei nach rechts zur Royal Parade, kämpfte sich zwischen Einheimischen und Touristen hindurch. Wenn sie ihm schon nicht davonlaufen konnte, dann würde sie mit dem Bus nach Hause fahren. Dazu würde er sich sicherlich nicht herablassen.
„Wir müssen reden", meinte Loki dann, kurz bevor sie ihre Haltestelle erreichte.
„Ich habe dir nichts mehr zu sagen", entgegnete sie ihm und sprang sogleich in den Bus, der zu ihrem Glück genau in diesem Moment anhielt.
Eilig zückte sie ihre Fahrkarte und hielt sie gegen das kleine Lesegerät im vorderen Teil des Fahrzeugs. Doch anscheinend hatte sie den Schwarzhaarigen unterschätzt oder sie kannte ihn nicht so gut, wie sie dachte. Denn kaum war sie auf der Suche nach einem geeigneten Platz, da hob er seine Hand und ein unscheinbares grünes Licht flackerte auf. Sie verkniff es sich gerade noch, die Augen zu verdrehen, als er ihr folgte. Eldrid setzte sich auf einen Platz im hinteren Bereich und legte ihre Tasche auf dem Fenstersitz neben sich. Ihr entging sein Schmunzeln nicht, als er ihre Aktion beobachtete und sich einfach auf die andere Seite des Ganges setzte.
„Du magst vielleicht nichts zu sagen haben", sprach er leise, auch wenn ihm die Menschen egal waren. „Doch hör mich wenigstens an."
Stumm schüttelte sie den Kopf und blickte aus dem Fenster, sah den Gebäuden dabei zu, wie sie langsam an ihnen vorbeizogen. Sie hörte ihn leise seufzen und vermutlich bereute er es langsam, hier zu sein. Nun, es würde für ihn eine ziemlich lange Fahrt werden, dachte sie. Denn was sie betraf, hatte sie kein Interesse daran, sich seine Lügen anzuhören.
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Liebe ist ein Dolch *Loki FF*
Fanfiction-- Marvel/Loki -- Wenn das Leben einem Steine in den Weg legt, können selbst die besten Beziehungen daran zerbrechen. Egal, wie groß die Liebe auch gewesen sein mag. Doch konnte es eine zweite Chance geben? Würden sie die Probleme lösen können und e...
