Kapitel 26

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Asgard


Ruckartig drehte sie sich um und konnte nicht glauben, dass sie jetzt in die schönsten Augen blickte, die sie je gesehen hatte. Diese unergründlichen grünen Augen, die im richtigen Licht einen leichten goldenen Schimmer besaßen. Eldrid konnte nicht anders, als Loki mit offenem Mund anzusehen. Sie musste träumen oder es war eine Illusion, hervorgerufen durch Trauer und Müdigkeit.

Der Schwarzhaarige war zu nichts anderem imstande, als die kurze Distanz, die noch zwischen ihnen lag, zu überbrücken. Nun stand er so nah, dass sie die Wärme spürte, die von seinem Körper ausging. Und als würde das noch nicht reichen, um ihr zu beweisen, dass er wirklich und wahrhaftig vor ihr stand, hob der Gott des Schabernacks seine Hand und legte sie ihr an die noch immer tränenfeuchte Wange. Automatisch schmiegte sie ihr Gesicht in seine Handfläche und spürte, wie eine neue Flut Tränen in ihre geröteten Augen trat.

"Wie ist das möglich?" Ihre Stimme klang brüchig, so, wie sie sich im Moment fühlte. Das musste alles ein schlechter Scherz sein.

"Ich komme immer wieder zurück", erwiderte er und ein kleines Lächeln schlich sich auf seine Lippen, ehe er leise hauchend anfügte: "zu dir."

Zitternd stieß Eldrid die Luft aus ihren Lungen und sie schluckte, bevor sie einen Schritt zurück trat und ihm eine schallende Ohrfeige verpasste. Obwohl es ihm kaum weh getan haben konnte, zumindest körperlich, ließ er seinen Kopf zur Seite fliegen, als er ihn wieder in ihre Richtung drehte.

"Die habe ich wohl verdient", sprach er traurig und man konnte die Aufrichtigkeit seiner Worte darin hören.

Ja, verdient hatte er die allemal. Und dennoch war es jetzt Eldrid, die wieder einen Schritt vor machte und ihre Arme fest um seinen Körper schloss. Ohne Zögern legte Loki die seinen ebenfalls um sie. Eine Weile standen sie einfach nur da und hielten sich fest. Die junge Asin zog seinen Duft bis tief in ihre Lungen und ließ sich einen Moment einfach von der Situation treiben. Vor gerade mal ein paar Minuten war sie noch am Boden zerstört über seinen Tod und hätte wahrscheinlich nie damit gerechnet, dass das hier nun möglich war. Ein Chaos an Gefühlen tobte in ihr und im Augenblick war Loki genau der Halt, den sie brauchte, damit ihre Beine nicht unter ihr nachgaben.

Eldrid kostete noch einen Moment dieses kleine Stückchen Glück aus, ehe sie sich von dem Schwarzhaarigen löste. Die Wut in ihr gewann gerade vor allem anderen die Oberhand.

"Wie konntest du mir das antun?", wollte sie wissen und schlug ihn frustriert gegen die Schulter. "Ich dachte, du wärst tot." Am liebsten hätte sie ihm noch eine verpasst.

Einen Moment lang schien Loki verwirrt, eh er begriff. "Thor hat es dir gesagt."

"Ja! Wenigstens einer, der mich da unten nicht ganz im Ungewissen gelassen hat." Verärgert sah sie ihn an und runzelte die Stirn, als er lediglich den Kopf schüttelte und somit seine langen Haare in Bewegung brachte.

"Du solltest davon eigentlich gar nichts erfahren", gestand er ihr und schaffte es dabei nicht einmal, ihr in die Augen zu sehen. Log er sie an? Oder fühlte er sich schuldig? Sie konnte es nicht sagen und dabei dachte sie, dass sie ihn wirklich kennen würde. Aber die letzten Wochen hatten gezeigt, dass sie sich eigentlich bei nichts sicher sein konnte, was ihn betraf.

Unwillkürlich fiel ihr Blick hinter ihn auf den Thron, doch entgegen ihrer Erwartungen war dieser leer. Eilig sah sie sich im Saal um, aber sie waren völlig allein.

"Wo ist dein Vater?", wollte sie irritiert von ihrem ehemaligen Verlobten wissen. Eldrid war sich sehr sicher, dass sie ihn sich nicht nur eingebildet hatte.

Liebe ist ein Dolch *Loki FF*Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt