Irgendwo in Amerika
Fünf Jahre lang hatte sie im Nichts verbracht. Diese Tatsache erklärte man ihr, kurz nachdem Eldrid ihr Bewusstsein wiedererlangt hatte. Tony und Natasha waren tot, hatten sich für das Leben aller geopfert, einschließlich Eldrids. Sie wusste nicht, ob sie wirklich über diesen Umstand froh sein sollte. Doch sie fing an zu akzeptieren, auch wenn sie sich fragte, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn zumindest sie selbst verschwunden geblieben wäre.
Eldrid hatte wahrlich genug von Beerdigungen. In den letzten Tagen musste sie an so unendlich vielen teilnehmen. Natashas war dabei am schwersten gewesen, denn man hatte für sie lediglich ein leeres Grab errichten können.
Auch heute war es nicht einfach, doch auf eine andere Art. Tony war vor wenigen Stunden beerdigt wurden und nun stand sie hier, im Licht der späten Nachmittagssonne und wischte sich unauffällig eine Träne aus dem Gesicht. Sie stand an Buckys Seite und sah dabei zu, wie Pepper, die mittlerweile Tonys Witwe war, einen Strauß Blumen mit einem kleinen technischen Gerät zu Wasser ließ. Bisher hatte sie sich nicht getraut zu fragen, worum es sich dabei handelte, doch im Grunde spielte das für sie auch keine Rolle. Wichtig war, dass sie heute dabei war und ihm gedanklich für all das dankte, was er für sie in der Vergangenheit getan hatte.
Eldrid atmete tief durch und versuchte die Flut der Tränen zu bekämpfen, die sich in ihr hoch kämpfen wollten. Jetzt war nicht die Zeit dazu, in Trauer zu versinken. Nicht jetzt, wo alle um sie herum so stark wirkten. Besonders die kleine Morgan.
Ihr Blick huschte zu dem kleinen Mädchen und sie konnte nichts gegen den Schmerz in ihrer Brust tun, der sie bei ihrem Anblick überkam.
Eilig wandte Eldrid den Blick ab und sah zu Thor. Schon vor ein paar Tagen hatte sie von ihm erfahren, dass etliche Asen den Untergang Asgards überlebt hatten, auch wenn die Verluste schwindelerregend waren. Sie hatten sich in einem Küstendorf niedergelassen, unweit der Stelle, an der der Allvater seine letzten Atemzüge tat. Eldrid machte sich keine Hoffnungen, dass ihre Eltern oder gar Loki überlebt hatten, denn diese hatte der neue König ihr noch auf dem Schlachtfeld genommen.
Ein paar Mal atmete sie tief durch, ehe sie Bucky den Arm tätschelte und sich schließlich mit Wanda und Sam ins Haus zurückzog. Auch für Bucky waren die letzten Tage nicht einfach gewesen. Nach allem, was sie über seine Vergangenheit mit Tony wusste, war ihr klar, dass Buck nie mehr die Gelegenheit haben würde, bei ihm um Vergebung zu bitten.
„Bist du bereit?", ertönte Thors Stimme hinter ihr, als sie sich gerade von Steve verabschiedete. Der Abend war bereits herangebrochen und es war allmählich Zeit, nach Hause zu gehen. Oder zumindest so etwas in der Art. In den letzten Stunden, nachdem alle gegessen und sich danach hemmungslos betrunken hatten, hatte sie beschlossen, sich erst einmal von Thor seine neue Heimat zeigen zu lassen. Beziehungsweise ließ sie sich von ihm überreden. Nicht, dass sie besonders viel Wert darauflegte, aber alles war besser, als nach Hause zu gehen. In die Wohnung, die jetzt noch leerer wirkte, nun, nachdem Loki nicht mehr da war. Nachdem alles nach der Zeit schrie, die sie dort zusammen verbracht hatten. Eldrid wusste, dass sie das Unausweichliche nur hinauszögerte.
„Ja", hauchte Eldrid in Thors Richtung, der ihr mittlerweile eine Hand auf die Schulter gelegt hatte. Zum Abschied nickte sie Steve knapp zu, ehe sie sich vom Donnergott nach draußen führen ließ.
„Geht es dir gut?", fragte der blonde Gott und sah sie aufmerksam an.
Eldrid nickte stumm und atmete tief durch.
„Es wird besser werden", murmelte Thor, doch sie wussten beide, dass nicht viel Wahrheit in seinen Worten steckte.
Dafür brauchte sie nicht einmal einen Blick auf seine vernachlässigte Gestalt werfen. Denn auch wenn dieser in einem Anzug steckte, der denen seines Bruders so verdammt ähnlichsah, konnte es nicht darüber hinwegtäuschen, dass es ihm gewiss nicht gut ging die letzten fünf Jahre. Aber vielleicht war jetzt die Zeit gekommen, Abschied zu nehmen und nach vorne zu sehen. Zumindest für Thor. Sie selbst würde noch eine ganze Weile benötigen, wenn sie überhaupt jemals verarbeiten konnte, was sie verloren hatte.
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Liebe ist ein Dolch *Loki FF*
Fanfic-- Marvel/Loki -- Wenn das Leben einem Steine in den Weg legt, können selbst die besten Beziehungen daran zerbrechen. Egal, wie groß die Liebe auch gewesen sein mag. Doch konnte es eine zweite Chance geben? Würden sie die Probleme lösen können und e...
