Unrecht - Teil 67

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Dort wo sich einst die große Pyramide stolz in den Himmel reckte, war jetzt ein riesiger freier Platz. Es sah so aus, als hätte es die Pyramide nie gegeben. Die spanischen Baumeister hatten sie bis auf den Sockel abgetragen und so war es nur logisch, diesen Platz „Zocalo" zu nennen.

Direkt neben dem Zocalo, auf den Fundamenten des Palastes des aztekischen Kaisers, ließ Cortés sich seinen neuen Palast bauen. Er war das Zeichen seiner Macht und seines Ehrgeizes. Damit wollte er jedem zeigen, wer jetzt im Land das sagen hatte. Doch anscheinend reichte Cortés der Sieg über die Azteken nicht. Noch immer wurde sein Name in den Geschichtsbüchern nicht groß genug geschrieben.

Als er von Goldvorkommen im Süden des Landes hörte, hielt ihn nichts mehr an seiner riesigen Baustelle. Sofort versammelte er eine neue Armee und brach auf, um den Süden zu erobern. Noch immer trieb ihn die Gier nach Gold und die Lust auf neue Abenteuer. Doch so einfach wie Cortés sich das vorgestellt hatte, ließen sich die Völker des Südens nicht erobern. Dieser Feldzug gestaltete sich sehr viel schwieriger, als die Eroberung des Aztekenreiches und so überließ er es Pedro de Alvarado, das Land zu unterwerfen.

Cortés hingegen kümmerte sich jetzt wieder um seinen Palast. Doch kaum war er damit fertig, rief ihn der König nach Spanien. Er musste mit dem Schiff über den Ozean fahren und es dort hinnehmen, dass ein anderer seinen Platz einnahm. Der König bestimmte Antonio de Mendoza zum neuen Vizekönig in dem Land, das Cortés erobert hatte. 

Das war ein harter Schlag für ihn, der härteste, den er in seinem Leben hinnehmen musste. Doch was sollte er machen? Eine Rebellion kam für ihn nicht infrage. Die Macht war eine fragile Sache und Cortés hatte sie schmecken können und sich an ihr berauscht. Er hatte Reichtum und Ruhm erlangt und doch hatte er jetzt auch seinen Preis bezahlt.

Der König hingegen freute sich, dass Cortés ihm keine Schwierigkeiten bereitete. Dieser kleine Rechtsgelehrte war ihm viel zu mächtig geworden. Er war noch immer der reichste Mann in ganz Spanien und Neu Spanien, aber er verfügte nicht mehr über die Macht, die er einmal besaß. Denn jetzt gehörten ihm nur noch wenige Städte. Einige dieser Städte lagen in der weit abgelegenen Provinz Oaxaca, die er zudem auch noch selbst erobern und befrieden sollte.

Lange hielt Cortés es am Hof des Königs nicht aus. Er kam zurück, kümmerte sich um seinen Besitz in Oaxaca und schickte Schiffe an der Westküste von Neuspanien entlang. Doch an dieser Küste gab es nichts zu holen. Es gab keine Städte und er traf nur auf ein paar Wilde, die noch nicht einmal Mais anbauten. Sie lebten von der Jagd auf Schlangen, Eidechsen und Insekten. Aber vielleicht würde sich ja irgendwann eine weitere Gelegenheit für einen neuen Krieg ergeben.

An solche Abenteuer verschwendete Martín keinen einzigen Gedanken mehr. Er hatte genug vom Krieg und wollte kein Blut mehr sehen. Anstatt auf den Krieg, konzentrierte er sich voll und ganz auf das Handelskontor. Das riesige Gebäude im Zentrum der Stadt war fertig. Es war voller Waren aus der Neuen und der Alten Welt und es platzte schon jetzt aus allen Nähten.  

Weil sie bereits drei Stockwerke hoch gebaut hatten, konnten sie kein weiteres Stockwerk obendrauf setzen. Die Gefahr eines Erdbebens war zu groß. Zu leicht stürzten hohe Häuser ein.

Deshalb wies Blaue Eidechse zwei Tagelöhner an, den Boden aufzureißen. Er wollte einen Keller bauen, wenn das denn möglich war. So wollte er weiteren Platz für noch mehr Waren schaffen.

Weil sie ihr Gebäude auf dem Sockel der ältesten Pyramide der Stadt erbaut hatten, vermuteten Martín und Blaue Eidechse darunter einen tragfähigen Grund. Doch nach wenigen Schlägen verschwand eine der beiden Hacken plötzlich in einem schwarzen Loch im Boden. Erstaunt hielten die Tagelöhner inne. Sie versuchten in das Loch hineinzusehen, aber dort unten war nichts als Schwärze und so holten sie die drei Bauherren, um ihnen das Loch zu zeigen.

Der letzte JaguarkriegerWo Geschichten leben. Entdecke jetzt