Sie waren bereits seit mehreren Stunden unterwegs. Man hatte Sira inzwischen den Sack vom Kopf genommen. Sie befanden sich noch immer im Wald. Sira hatte einen Blick auf Gaho und Riska werfen können. Gaho war ein breit gebauter Mann mit Glatze und grünen Augen. Riska war eine junge Frau mit wunderschönen blonden langen Haaren und blauen Augen.
Sira hatte den ganzen Weg über geschwiegen. Zum einen weil sie Angst hatte das man sie wieder Schlagen würde. Zum anderen weil sie, nach Martas Tod noch immer unter Schock stand. Sie konnte das ganze noch immer nicht glauben. Marta, die einzige die immer für sie da gewesen war, tot. Wieder kamen ihr die Tränen. Das fiel Riska sofort auf. Sie verlangsamte ihr Pferd.
''Hast du Kummer Mädchen?'' Sira antwortete nicht und ließ den Kopf hängen.
''Rede nicht mit ihr'', sagte der Mann hinter Sira.
''Sag du mir nicht was ich tun darf Wock. Ich unterhalte mich mit wem ich will und wann ich es will.''
''Aber nicht mit ihr. Sie ist unsere Gefangene.''
''Sie ist ein Kind. Wie viel Schaden kann sie schon anrichten?'' Wie aufs Stichwort hob Sira ihren Kopf und biss Wock in die Hand. Der schrie kurz auf und warf dabei Sira von seinem Pferd. Die landete auf dem Boden und blieb einfach liegen.
''Verdammt!'', schrie Riska, stoppte ihr Pferd und stieg ab. Sie eilte zu Sira und kniete sich neben sie.
''Hey, Kleines. Alles in Ordnung?'' Sira schaute auf. Tränen standen in ihren Augen und eine Schürfwunde war an ihrer linken Wange zu sehen. Sie schniefte einmal und umarmte Riska einfach. Die war etwas überrumpelt und tätschelte dann Sira leicht den Kopf.
''Ähhh ok'', sagte sie.
''Riska'', unterbrach Gaho sie. ''Bist du dann fertig?'' Riska drehte sich um.
''Ihr solltet vorsichtiger sein. Wenn ihr das Mädchen verletzt werdet ihr sie nie los werden.''
''Wenn du so gut Bescheid weißt Riska, warum kümmerst du dich dann nicht ab jetzt um sie?'', fragte Wock. Riska schaute zu Sira.
''Meinetwegen.''
Eine Stunde später hatten sie den Wald verlassen. Vor ihnen erhob sich ein riesiger Berg. Riska holte tief Luft.
''Schön wieder Zuhause zu sein.''
''Du sagst es'', schloss sich Gaho ihr an. Sira, die inzwischen bei Riska auf dem Pferd saß schaute sich verwirrt um. Dann sah sie es.
Unterhalb des Berges erhob sich eine riesige Stadt, umgeben von einer großen Mauer.
''Banda, die Stadt der Banditen'', sagte Wock. ''Immer wieder ein unglaublicher Anblick.''
Sie erreichten jetzt das Stadttor. Eine Wache hielt sie auf.
''Gaho. Willkommen Zuhause. Gute Geschäfte gemacht?''
''Nicht gerade überwältigend. Wir haben nur zwei Konvois erwischt.''
''Ja, die Händler werden vorsichtiger.''
''Weißt du warum unser lieber König die Clans versammeln lässt?''
''Es heißt die Könige hätten Attentäter auf ihn angesetzt. Aber das ist nur ein Gerücht. Morgen werden wir es schon erfahren.'' Jetzt mischte sich Riska in das Gespräch mit ein.
''Sind die anderen Clans schon da?''
''Der Bärenclan kam gestern. Der Schlangen clan ist heute morgen angekommen. Nur der Geierclan fehlt noch. Fragt sich ob er überhaupt kommt.''
''Wir wären ohne ihn auch besser dran'', fügte Wock hinzu. Alle nickten.
''Na, dann rein mit euch'', sagte die Wache. ''Willkommen Zuhause.''
Siras Augen wurden groß als sie durch die Stadt ritten. Sie hatte immer wieder Geschichten von der Banditenstadt gehört. Immer hatte sie gedacht es würde sich dabei um ein kleines Dorf voller Mörder handeln. Aber das was sie hier sah zeigte ihr das Gegenteil. Schön gebaute Häuser aus Stein. Kinder spielten lachend auf den Straßen. Weiter hinten war ein größeres Schloss zu sehen. Es bestand aus schwarzen Stein, wirkte aber trotzdem sehr einladen. Es thronte über der Stadt.
''Riska!'', hörte Sira plötzlich die Stimme eines kleinen Jungen. Riska hielt ihr Pferd an.
''Worauf wartest du Riska?'', fragte Gaho.
''Ich begrüße meinen kleinen Bruder. Geh schon vor. Ich komme gleich nach.'' Gaho nickte und ritt mit seinen Männern weiter. Riska stieg von ihrem Pferd ab. Sie ging in die Knie und ein kleiner Junge, mit blonden kurzen Haaren fiel ihr in die Arme.
''Hey Hata. Hast du mich vermisst?'' Hata nickte. Dann fiel sein Blick auf Sira, die noch immer auf dem Pferd saß.
''Wer ist das da?'', fragte er neugierig. Riska schaute zu ihr und da erst fiel ihr auf das sie so gut wie nichts über das Mädchen wusste.
''Gaho....hat sie im Wald gefunden und jetzt...''
''Was?'' Riska seufzte.
''Das erzähl ich dir wann anders. Ich muss jetzt zum König. Wir sehen uns später kleiner Bruder.'' Der nickte, winkte Sira noch einmal zu und rannte dann die Straße entlang. Riska setzte sich wieder hinter Sira auf ihr Pferd und ritt los.
''So, jetzt haben wir endlich Ruhe vor Gaho'', begann Riska und legte ihre Hand auf Siras Schulter. ''Es wird Zeit das wir beide uns mal ein bisschen unterhalten Mädchen.''
Sie erreichten das Schloss. Von nahmen wirkte es etwas kleiner, sah dafür aber umso gemütlicher aus. Zwei Wachen standen am großen Toreingang und hielten Riska auf.
''Riska, du bist schon wieder zurück?'', fragte die linke Wache die Sira als Frau erkannte.
''Ich habe Gaho schneller gefunden als ich dachte.'' Die Frau nickte. Dann fiel ihr Blick auf Sira.
''Und wer ist das?''
''Das ist Sira'', antwortete Riska. ''Wir müssen zum Wolfskönig, sofort.'' Die Frau musterte Sira kurz und blickte dann wieder zu Riska.
''Er ist im großen Saal und wartet bereits.''
''Ich muss ihn unter vier, ähhhh sechs Augen sprechen. Es ist wichtig.'' Die Frau schaute Riska skeptisch an. Dann schaute sie zu der zweiten Wache und nickte ihr zu. Die nickte zurück und eilte in das Schloss.
Riska ritt ihr Pferd inzwischen zu einem Stall in dem bereits andere Pferde standen. Sie stieg ab und half Sira herunter. Dann band sie ihr Pferd an einem Balken fest und tätschelte ihm den Hals. Das Pferd schnaubte einmal und schüttelte den Kopf. Sira betrachtete das Pferd genauer. Es war ein weißer Hengst mit wunderschöner Mähne.
''Er ist schön'', sagte Sira kleinlaut. Riska blickte zu Sira und nickte lächelnd.
''Sein Name ist Jag. Er ist ein sehr treuer Pferd. Der Wolfskönig hat es mir geschenkt.'' Sie hielt Sira einen Apfel hin. Sira griff zögernd danach und hielt ihn Jag hin. Der schnupperte kurz an dem Apfel und fraß ihn dann aus Siras Hand. Riska grinste.
''Riska'', hörten beide die zweite Wache hinter sich. ''Der Wolfskönig erwartet euch im großen Saal. Allein.'' Riska nickte und beide liefen los.
Sei standen vor dem großen Saal. Riska schaute zu Sira. Die wirkte sichtlich nervös. Riska ging vor ihr in die Knie.
''Du brauchst keine Angst zu haben. Ich weiß was man sich über ihn erzählt. Aber er wird dir nicht weh tun. Das verspreche ich dir. Erzähl ihm einfach das was du mir erzählt hast.'' Sira nickte. Riska erhob sich wieder und hämmerte dann mit der Faust gegen die Tür.
''Tritt ein'', hörten beide kurz darauf eine tiefe Stimme. Riska räusperte sich einmal und dann traten beide ein.
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Der Wolfskönig
FantasySira ist verzweifelt. Seit ihrer Geburt leidet die Prinzessin des Königreiches Vakara unter den Launen ihres Vaters, des Königs. Seit nun mehr zwölf Jahren gibt König Roul Sira die Schuld für den Tod seiner Frau Atira, die bei Siras Geburt ihr Leben...
