Die Sonne stand hoch als sie den Wasserfall erreichten. Er mündete in einen See. Der war zugefroren und von einer dünnen Schicht frisch gefallenem Schnee bedeckt. Von einer Klippe über dem See aus ragte der gefrorene Wasserfall, wie eine Wand aus Eis senkrecht hinab. Durch das Eis hindurch war der Eingang in die Höhle zu sehen.
''So nah und doch so fern'', dachte Ata. Sie schaute zu Fisia. ''Wo ist der andere Eingang?''
''Etwas weiter oben'', antwortete Fisia und stieg von ihrem Pferd ab. ''Wir müssen zu Fuß weiter gehen.'' Ata nickte. Genau wie Sira. Bei ihnen war auch Kijo. Sansa war in Banda geblieben um ihre Pfeilwunde weiter heilen zu lassen. Auch Kara war in Banda geblieben. Sehr zu ihrem Missfallen. Aber Ata hatte darauf bestanden.
''Es reicht wenn sich ein Kind in Gefahr bringt'', hatte sie gesagt.
Ata und Sira nickten sich zu und stiegen von ihren Pferden ab. Sie banden sie an einen Baum. Sira schulterte ihren Bogen und Köcher.
''Packen wirs an.''
Sira schaute in das Loch direkt vor ihr und dann zu Fisia.
''Das ist es?''
''Das ist es.''
''Ganz schön Dunkel.''
''Im Inneren ist es heller. Außerdem, musst du gar nicht weit gehen um den Pilz zu finden. Er wächst überall in der Höhle.'' Sira nickte.
Ata hatte inzwischen aus den Satteltaschen ihres Pferdes ein Seil heraus geholt. Sie band es an einem Baum fest.
''Bitte sei vorsichtig'', sagte sie, während sie Sira das Seil um die Hüfte band.
''Mach ich.'' Fisia trat zu ihr.
''Du suchst nach einem Pilz mit gelbem Stiel und blauer Kuppe mit weißen Punkten. Bring so viele mit wie du kannst. Aber, und das sage ich dir in aller schärfe. Folge nicht den Lichtern.'' Sira schaute sie verwirrt an.
''Was meinst du damit?''
''Das tut nichts zur Sache. Hol einfach die Pilze und komm wieder rauf.'' Ata hielt Sira eine Tasche hin.
''Viel Glück meine Kleine.''
''Danke.'' Sira hängte sich die Tasche um. Dann lief sie zu dem Loch und schaute noch einmal hinein. Kijo stupste sie an. Sira drehte sich um und streichelte dem Wolf über den Kopf.
''Keine Sorge Kijo. Ich bin schnell wieder zurück.'' Sira drehte sich wieder zu dem Loch und stieg dann langsam hinein. Fisia reichte ihr noch eine Fackel und dann ließen sie und Ata Sira langsam hinunter.
Das Licht der Fackel tanzte an den Eiswänden, während Sira langsam hinunter gelassen wurde. Nach einigen Metern wurde der Durchgang breiter und eine riesige Höhle kam zum Vorschein. Sie erreichte schnell den Boden.
''Ich bin unten'', sagte sie und löste das Seil.
''Gut, da unten müsste ein See sein'', sagte Fisia durch das Loch. ''Kannst du ihn sehen?'' Sira hob die Fackel und schaute sich in der großen Höhle um. Schnell fand sie ihn. Ein großer See mit türkis klarem Wasser. Seine glatte Oberfläche spiegelte die Decke der Höhle.
''Das ist wunderschön'', sagte Sira.
''Bleib konzentriert Sira. Die Pilze wachsen an der anderen Seite der Höhle. Sie mögenes trocken.''
''OK.'' Sira lief zur anderen Seite der Höhle. ''Da sind sie. Ich hab sie gefunden.''
''Gut. Jetzt nimm dein Messer und schneide den Pilz einen Finger breit über dem Boden ab. Wenn gelbe Flüssigkeit aus dem Stiel tropft kannst du ihn einstecken.''
''Habe verstanden.'' Sira ging in die Knie und legte die Fackel auf den Boden. Sie griff nach ihrem Messer und schnitt den Pilz ab. Sie hob ihn hoch. Ein gelbflüssiges dickliches Sekret floss aus dem Stiel heraus. Sira nickte und steckte ihn in ihre Tasche. Dann fing sie an weitere Pilze abzuschneiden.
Nach einigen Minuten war ihre Tasche voll.
''Das wars'', sagte sie zu sich. Sie steckte ihr Messer wieder weg und erhob sich. Sie griff nach der Fackel, die schon sehr runter gebrannt war und in kürze ausgehen würde und lief zurück zu dem Loch, wo das Seil noch immer herab hing. Sie zog daran.
''Die Tasche ist voll. Ihr könnt...'' Sira wurde je unterbrochen als sie ein lautes Knacken hörte. ''Was war das?''
''Sira, ist alles in Ordnung?'', fragte Ata und steckte ihren Kopf durch das Loch. Sie riss die Augen auf. ''Sira, hinter dir!'' Sira drehte sich um. Der Boden hinter ihr hatte große Risse bekommen. Das Knacken wurde lauter.
''Sira, mach das du da wegkommst!'', schrie Ata. Sira wollte gerade nach dem Seil greifen als die ganze Höhle anfing zu beben. Sira verlor das Gleichgewicht und verfehlte das Seil. Sie schwankte und taumelte ein paar Schritte zurück. Genau auf einen der Risse. Das Knacken wurde lauter und im nächsten Moment verschwand der Boden unter Sira. Mit einem lauten Schrei fiel sie in die Tiefe. Auch Ata gab einen lauten Schrei des Entsetzens von sich, als Sira von der Dunkelheit verschluckt wurde.
''Neinnnnnnn!''
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Der Wolfskönig
FantasySira ist verzweifelt. Seit ihrer Geburt leidet die Prinzessin des Königreiches Vakara unter den Launen ihres Vaters, des Königs. Seit nun mehr zwölf Jahren gibt König Roul Sira die Schuld für den Tod seiner Frau Atira, die bei Siras Geburt ihr Leben...
