Der nächste Tag läuft ab wie der vergangene Sonntag. Am Morgen gucken wir uns die Stages von den Gruppen an. Sie haben sich diesmal selbst eingeteilt, indem jede das Lied gewählt hat, dass ihr am besten gefällt. Es sind einfach Cover von bekannten Hits. Leider bin ich nicht so begeistert von den Ausführungen der Aufgabe. Es hat jedem irgendwie die Energie gefehlt und deswegen sage ich kaum etwas bei der Rückmeldung. Nachdem die Folge gestern ausgestrahlt wurde, bekomme ich nur noch dumme und hasserfüllte Nachrichten, dass ich keine Ahnung hätte und einfach gemein bin. Um mir das mitzuteilen, sind die Leute sogar die Nacht wach geblieben.
„Mr. Brown, würden Sie bitte mitkommen?" Ein Mitarbeiter ist an den Jury-Tisch gekommen. Der Dreh ist fertig, aber wir sitzen trotzdem noch hier und unterhalten uns. Beziehungsweise, die anderen unterhalten sich und ich höre stumm zu. Deshalb kommt es mir ganz gelegen, dass ich einen Grund habe, zu gehen. Außerdem klang es wichtig. Ich werde immer seltener gesiezt und wenn, dass nur, wenn etwas Dringliches ansteht. Somit folge ich dem Herrn. Er bringt mich zu irgendeinem Raum, den ich nur von Innen als Büro einordnen kann.
„Hi, Shane", begrüßt Mr. Kolkka mich freundlich lächelnd.
„Hallo", entgegne ich und setze mich dann auf den Stuhl, der vor dem Schreibtisch steht, hinter dem der CEO sitzt.
„Ich will nicht lange reden." Er räuspert sich. „Wir haben über deinen Wunsch, dass Leony zurück kommen kann, gesprochen. Leider geht das nicht. Es ist schon zu lange her, dass sie eliminiert wurde und sie hat schon eine ganze Aufgabe verpasst."
Das ist nur logisch. Über sowas hatte ich nicht nachgedacht. Trotzdem finde ich es unfair, dass sie ihren Traum nicht weiter verwirklichen kann, nur weil die Menschen gesehen haben, wie sie ihre Selbstpräsentation verkackt hat. Es ist sehr enttäuschend, aber ich kann es nicht ändern. Protest bringt hier nichts und ich will meinem Ruf nicht vorrauseilen. Also nicke ich einfach nur und darf dann auch schon wieder gehen. Sein Wille, nicht lange reden zu wollen, hat er also erfüllen können.
Diesmal lasse ich mir die Eliminierung nicht entgehen. Bis die aber ansteht, dauert es noch etwas. In der Zeit verstecke ich mich irgendwo, wo mich hoffentlich niemand entdeckt. Ich setze mich auf den Boden und ziehe die Beine an die Brust. Eigentlich habe ich gedacht, dass diese Gefühle nicht wieder kommen. Ich bin nicht mehr Zuhause, wo ich jeden Tag sehen konnte, dass, egal was ich tue, niemand zufrieden mit meinen Leistungen war. Samanta wird von allen angepriesen, sie ist das Lieblingskind und ich stand schon immer in ihrem Schatten. Jetzt habe ich einmal das Glück, Teil etwas Besonderen zu sein und die Leute machen mir dies kaputt, indem sie nur die Sachen sehen, die sie sehen wollen. Ich bin nicht gemein. Ich habe niemanden beleidigt oder gezielt runtergemacht. Das war einfache, gerechtfertigte Kritik. Und auch wenn man dies als eine gemeine Aktion betrachten kann, heißt das ja nicht, dass meine ganze Persönlichkeit fies ist. Zwar weiß ich, dass ich nicht unbedingt beliebt bin, schon gar nicht in den Medien, aber ich bin trotzdem menschlich und so auch verletzlich. Es fühlt sich nicht schön an, zu wissen, dass man immer absichtlich falsch verstanden wird, nur um einen Grund zu haben, mich zu hassen. Und es fühlt sich auch nicht schön an gehasst zu werden. Der Hass meiner Familie, den ich ja zum Glück nicht mehr ertragen muss, hat mich dazu gebracht mich zu prostituieren und viel zu früh anzufangen Alkohol zu trinken. Ich habe mir vorgemacht, dass mir all das Spaß bringen würde, doch wo ich jetzt weiß, wie Freude wirklich aussieht, kann ich die Zeit nur als die traurigste meines Lebens bezeichnen. Und in diesem Moment habe ich das Gefühl, ich rutsche zurück in dieses schwarze Loch. Die Sicht verschwimmt vor meinen Augen. Was passiert denn jetzt? Bin ich krank? Habe ich wieder Fiber?
Nein. Ich habe nur nicht mitbekommen, dass ich angefangen habe zu weinen. Im Grund ist es gut, dass ich meine Emotionen so ausdrücke und nicht gleich in den nächsten Club renne, mich abschieße und irgendwen Fremden abschleppe. Trotzdem bin ich so fertig mit mir selbst, dass ich stumm heulend, den Kopf auf die Knie lege und dann einfach warte, bis es aufhört. Es dauert wirklich lange, bis ich wieder bei neutralen Gedanken bin. Aber dann stehe ich auf und mache mich auf zum Styling-Raum. Ich werde heute nicht mehr gefilmt werden, also frage ich nach Abschmink-Zeug und ziehe mir dann auch wieder die Sachen an, die ich heute Früh an hatte, bevor ich mich hier umziehen sollte.
DU LIEST GERADE
Slut
Teen Fiction[BoyxBoy] Shane ist der Sohn des Präsidenten. Er ist mit der Anwesenheit der Medien aufgewachsen. Dennoch passiert es, dass ihm ein Fehler unterläuft, der sein ganzes Leben durcheinander bringt; doch nicht nur seines.
