Fynn
"Endlich Freiheit! So Jungs. Macht euch schick. Um 18 Uhr sammel ich euch nach einander ein. Später müssten wir uns aber dann ein Taxi leisten. Heute wird eskaliert!" Sina war Feuer und Flamme. Wenn es ums Feiern ging, machte ihr keiner was vor. Sie wusste immer wo was los war und konnte Stimmung machen, wie keine andere. Sie war eine echte Partymaus. Deswegen gab sie was Feiern anging den Ton an. Außerhalb ihrer kleinen Gruppe war sie dagegen eher schüchtern.
Nach Sinas Ansage machten sich alle auf den Weg nach Hause um sich wie befohlen fertig zu machen.
Frederik und Mark wurden von Sina in ihrem Cabrio mitgenommen, während Fynn mit seinem Motorrad fuhr. Klar, er könnte auch mit Sina fahren aber er genoss lieber die Ruhe, wenn er alleine fuhr. Er liebte das Gefühl von Freiheit. Wenn die Geschwindigkeit immer schneller wurde, der Wind gegen einen peitschte und man das Gefühl bekam fliegen zu können.
Ihr Rudel war nicht all zu weit entfernt, an einen schönen großen Wald angrenzenden. Hier konnten sie ihren Wolf laufen lassen, jagen oder als Menschen die Zeit vertreiben. Besonders schön war der große See. Er war glasklar und schien bei gutem Licht zu glitzern. Er war zwar selbst im höchsten Sommer noch saukalt aber das störte selten jemanden. Im Winter war der See zugefroren und man konnte darauf Schlittschuhlaufen. Ging man weiter in den Wald kamen vereinzelte Klippen und eine große Lichtung an der im Frühling viele Wildblumen blühten. Rundum ein einfaches Paradies.
Das Dark Moon Rudel soll auch schön sein und sogar über einen kleinen Wasserfall verfügen, aber diesen würde er wohl nie zu Gesicht bekommen. Seit Jahrzehnten waren ihre beiden Rudel im Streit. Die angrenzende Stadt und die Schule wurden irgendwann zum neutralen Boden erklärt, damit die Jugend ihre Chance auf Bildung erhalten konnte. Keiner wusste mehr wirklich worum es bei dem Streit ging aber dennoch gab es immernoch keinen richtigen Frieden. Keiner traute dem anderem. Wenn sich Fynn, Nicolas so ansah, war dem aber vollkommen klar warum die beiden Rudel sich hassten. Wären alle da so wie Nicolas hätte der Hass definitiv seine Begründung.
Zuhause angekommen merkte Fynn, dass er noch alleine war. Seine Eltern waren auf einem Rudeltreffen und würden wahrscheinlich erst lange nachdem er weg war nach Hause kommen. Also konnte er sich in aller Ruhe fertig machen. Vorher machte er sich noch schnell etwas Lasagne aus dem Kühlschrank vom Vortag warm. Ohne etwas im Magen würde er heute definitiv nicht überleben.
Nach dem Essen ging er unter die Dusche und zog sich um. Für heute würden eine schwarze Jeans und ein weißes T-shirt, welches unter der Lederjacke rausblitzte reichen. Weiße Sneaker und seine Uhr und fertig war er. Jetzt musste er sich nur noch die Haare machen und er könnte los.
Kurze Zeit später klingelte es auch schon an seiner Tür und Sina trat ins Haus. "Na Alphachen. Bist du ready?" Sie trug eine enge blaue Jeans und darüber ein ausgefallenes Top mit Pailleten drauf. Sie war auffällig geschminkt und trug hohe schwarze Absatzschuhe. "Bitte sag mir, du hast Wechselschuhe dabei. Ich will dich nicht wieder Heim tragen müssen, weil Madam Fußschmerzen hat..."
"Ach Schnickschnack. Ich schaff das dieses Mal wirklich. Die sind eingelaufen und bequem. Also Hopp. Die anderen zwei müssen wir schließlich auch einsammeln."
Fynn folgte ihr schmunzelnd ins Auto. Diese Delta gab gerne in der Gruppe den Ton an. Fynn ließ sie machen. Sie wusste nämlich immer, wo ihr Platz war. Würde Fynn etwas von ihr verlangen, würde sie es sofort tun. Das Wort eines Alphas war eben doch Gesetz.
Sie sammelten anschließend Frederik und dann Mark ein. Frederik trug eine lockere hellblaue Jeans und ebenfalls ein weißes Oberteil während Mark mit seinem schwarzen, oben aufgeknöpgten Hemd fast schon overdressed war. Aber so mochte der das. Immer etwas mehr und auffallender.
In der Stadt angekommen, parkte Sina ihr Auto im Parkhaus. Nur noch ein paar Minuten Fußweg und schon wären sie da.
Die Straßen waren hell erleuchtet. Überall Menschen die nach Zerstreuung und Spaß suchten. Laute Musik drang durch die geöffneten Türen der Bars und Kneipen. Da es Freitagabend war, waren die Straßen auch schon etwas gefüllter als sonst. Plötzlich wurde Fynn nach vorne geschubst und ein kleiner Körper landete auf ihm.
"Pass doch auf!" schimpfte Louis, welcher sich von Fynn abstütze und schnell aufstand. Anscheinend wollte er schnell weiter aber Fynn hielt ihm am Handgelenk fest.
"Wer? Ich? Du bist doch in mich reingerannt. Eine Entschuldigung wäre angebracht!"
"Dafür das du im Weg standest?! Müsst ihr Alphas immer mit euren riesen Egos die halbe Straße blockieren?"
"Riesen Egos?! Hast du Lack gesoffen? Die Straße ist breit genug! So ein Winzling wie du hätte locker hier durch gepasst. Sorry, dass ich hinten keine Augen habe!" knurrte Fynn. Dieser Omega erlaubte sich zu viel.
"Entschuldigung angenommen. Würdest du mich nun los lassen? Ich hab heute noch was anderes vor!"
Der Alpha sah ihn kurz perplex an. Dieser kleinen Omega hatte ihm doch tatsächlich eine Entschuldigung rausgekitzelt obwohl der es gewesen war, der sich hätte entschuldigen müssen. Nun stand dieser grinsend vor ihm und wollte sich aus seinem Griff lösen.
"Nun Kleiner. Sag brav bitte und ich lasse dich los." grinste Fynn gönnerhaft.
"Oh. Na dann." Louis lächelte Fynn zuckersüß an. "Würdest du bitte mit Zuckerguss oben drauf, deine riesen Pranken von meinem Arm nehmen? Du bist ein scheiß Alpha und bricht mir den Arm. Also hopp. Ich muss los. Ich hab heute noch was anderes vor"
Louis patzige Antwort machte Fynn sprachlos und wütend. Dieser Omega müsste unbedingt in seine Schranken gewiesen werden.
Ihn so vor seinen Freunden vorzuführen. Fynn knurrte bedrohlich. So ließ er nicht mit sich sprechen. Er war ein ruhiger, besonnener Alpha aber er ließ sich nicht auf der Nase herum tanzen. Vor allem nicht von einem Omega aus einem anderen Rudel.
"Süß! Hab ich gerade einen Nerv getroffen? Großer, böser Wolf? Sorry aber dein geknurre solltest du besser noch üben. Damit beeindruckst du keinen. Aber damit du heute Nacht ruhig schlafen kannst, versuche ich es nochmal." Louis räusperte sich kurz. "Bitte mächtiger Alpha. Könnten Sie bitte, bitte Ihre Hand von meinem Handgelenk nehmen, da es schon langsam schmerz und meine Hand schon dunkelrot durch den Blutmangel ist. Ich flehe sie an." Louis hatte seine Stimme leicht verstellt und bot anschließend dem Alpha seinen Hals dar. Eigentlich eine Geste der Unterwerfung aber in diesem Kontext der pure Hohn. Fynn wollte ihn gerade zum Reden ansetzen als...
"LOUIS! Du kleine Stinkmade. Zeig dich!"
So schnell konnte Fynn garnicht gucken, da hatte sich Louis auch schon losgerissen und war in der Menge verschwunden.
Ein wütender Mann trat an ihnen vorbei. Das Gesicht kam Fynn bekannt vor. Aber woher?
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Kleiner Wolf
WerwolfLouis ist laut, sagt seine Meinung, ist mutig und auf keinen Fall unterwürfig. Er ist alles was ein Omega nicht ist. Er ist defekt. Sein Rudel hasst ihn und auch das verfeindete Rudel kann ihn nicht sonderlich leiden. Für viele ist er unsichtbar...
