Lesenacht 5/5
Louis
Louis sah zu Boden. Sein Zuhause war sein Zufluchtsort. Er fühlte sich dort sicher. Gerade in seiner Hitze. Man konnte die Türen abschließen und er hatte alles da was er brauchte. 2 Jahre hatte er nach dem perfekten Versteck gesucht. Bei der Suche war er auch damals Bill, in den Katakomben begegnet. Man konnte also sagen, dass sein Zuhause mehr als wichtig für ihn war. Niemand außer Nicolas wussten wo er wohnte. Jetzt sollte er alles aufgeben. Er hätte kein Versteck mehr. Aber eine viel wichtiger Frage kam ihm gerade in den Kopf geschossen "Wo soll ich dann in meiner Hitze hin?" Ein geschützter Raum war wichtig. Ein Ort, wo er die Kontrolle hatte. Er hatte Angst. Würden die ihn riechen, würden sie ihn scharenweise bespringen... "Dann gehst du halt zu Nicolas. Is mir egal."
Fynn erschien Louis heute noch herzloser als sonst. Auch Sina war entsetzt. "Fynn! Er braucht einen sicheren Platz für seine Hitze! Wie kannst du nur so stur sein!" "Dann schließen wir den scheiß Omega eben in sein Zimmer ein wenn es soweit ist. Sind jetzt alle zufrieden? Fein! Los! Zeig uns dein Zuhause." "Ihr würdet mich riechen, wenn das Zimmer zu nah ist." "Stell dich nicht so an. Mach hin. Wir haben nicht ewig Zeit. Oder willst du nicht aufgenommen werden?" Mark, Sina und Frederik sahen ihren Alpha entsetzt an. Das konnte nicht sein ernst sein... aber Fynn blieb stur. Jedes Wiederwort seiner Freunde quittierte er mit einem Knurren und bissigen Antworten. Louis gab sich geschlagen.
Fynn hatte ihn in der Hand. Leise rollten die Tränen über seine Wange. Gestern hatte er den Alpha noch so nett gefunden. Er fühlte sich bei ihm sicher. Wenn man mal davon absieht, dass der Louis aus dem Bett geworfen hatte. Wahrscheinlich war das gestern nur ein Spaß für ihn gewesen.
Typisch. Louis fiel auf jeden herein der vorheuchelte Interesse an ihm zu haben. Wer könnte das denn auch schon wirklich haben...
Traurig ging Louis voran. Gefolgt von den vier Wölfen. Sie liefen Richtung Stadt. In einer Seitenstraße vor der Burlesque Bar kletterten sie über eine Mauer. Dahinter standen einige Hochhäuser. Sie befanden sich in einer Art Gemeinschaftshof. Eigentlich war dieser nur durch die Häuser erreichbar. Louis ging weiter. An einem der Häuser stieg er durch ein nur angelehntes Kellerfenster ein. Die vier Freunde folgten ihm. Louis ging im Haus das Treppenhaus nach oben. Als sie die wohlgemerkt dreizehn! Stockwerke nach oben gegangen waren kamen sie vor einer Notausgangstür an. "Der Alarm, wenn man die Tür öffnet, geht schon seit Jahren nicht mehr." Erklärte Louis einfach mal und schritt durch die Tür nach draußen.
Die Freunde sahen ihm hinterher. Wo führte er sie hin? Dann gingen sie auch durch die Tür und kamen auf dem Dach des Hochhauses raus. Hier hätten sie ihn tatsächlich nie gesucht. Louis aber ging weiter bis zum Rand des Hausdaches. Dort stieg er eine improvisierte Leiter hinunter auf einen Balkon. "Passt auf, wenn ihr runter klettert. Die Leiter ist nicht gesichert."
Einer nach dem anderen kletterte vorsichtig herunter. Sina hatte mit ihrer Höhenangst die größten Probleme.
Auf dem Balkon angekommen stiegen sie durch die Balkontür zurück ins Hausinnere. Die Scheibe dieser Tür war eingeschlagen, sodass man an den Griff von innen kam.
In der Wohnung ging Louis an einen kleinen Schrank und kramte seine Habseligkeiten herraus.
Fynn
Nach einer halben Weltreise kamen sie in das Zuhause des Omegas an. Fynn wusste nicht, was er erwartet hatte aber das war es definitiv nicht. Die Wohnung war arschkalt und dunkel. Durch das zerbrochene Fenster kam der Wind rein. Schimmel an den feuchten Wänden und bestimmt würden hier auch irgendwelche Käfer rumkrabbeln. Es gab kaum Möbel. Eigentlich nur der kleine Schrank an dem sich der Omega zu schaffen machte, eine Matratze auf dem Boden, ein Stuhl und ein kleiner Tisch auf dem ein Campingkocher und eine dicke Kerze standen. Die Freunde gingen durch die Wohnung. In der Küche standen auf der Ablage einige haltbare und trockene Lebensmittel sowie einige Wasserflaschen. Im Bad stand in der kleinen Dusche ein Eimer mit Wasser und es hing ein Handtuch am Harken. Sonst nichts. Das wars. Sie gingen zurück ins Wohnzimmer wo Louis bereits mit gepackter Tasche stand. Eine Sporttasche. Das sollte alles sein?
"Verarsch uns nicht Louis. Wo wohnst du wirklich." Fynn hatte langsam keine Geduld mehr. Louis sah ihn trotzig an "Hier!" Fynn konnte keine Lüge riechen und sah den Omega fassungslos an. Hier? Das war kein Ort zum Wohnen das war ein Abriss!
"Jetzt guckt nicht so verdattert. Was habt ihr gedacht wo ich wohne? Im Rudel durfte ich nicht und für was besseres braucht man Geld. Hier im Haus stehen die meisten Wohnungen leer. Es ist sicher und ich habe meine Ruhe. Klar, daß Wasser und der Strom gehen nicht aber das brauch ich auch nicht. Die meiste Zeit bin ich doch eh in der Schule oder an der Arbeit.... so... wir können gehen. Zieht bitte die Tür hinter euch zu. Ist ne Fluchttür. Man kommt immer raus aber nicht mehr rein." Damit ging Louis durch die Wohnungstür ins Treppenhaus. Raus kamen sie wesentlich leichter.
Nun ging Fynn voraus. Keiner sagte etwas. Sie alle waren zu geschockt. Das war kein Zuhause... Gott sei dank kam Louis da weg. Ein Omega alleine in so einem Haus. Undenkbar. Ein Wunder, dass der durch die Kälte und Nässe darin nicht schon totkrank war.
Im Rudel begaben sich die fünf ins Rudelhaus. Sie gingen nach oben und neben, Louis schon bekannten, Zimmer des angehenden Alphas durch eine Tür. "Ich dachte ihr hättet kein Gästezimmer." Bemerkte Louis spitz. Fynn sah genervt zurück zu Louis. "Ich habe gesagt, dass keins frei ist. Meine Mutter hat es heute frei geräumt und mir geschrieben. Sonst hatten wir hier alte Ordner und Kartons gelagert. Zick nicht rum!" Sie gingen hinein und Louis sah sich um. Ein Bett, ein Kleiderschrank der viel zu groß für seine wenigen Klamotten war, eine Kommode, ein Schreibtisch mit Stuhl und ein großer Sessel. Es war warm und roch frisch geputzt. An sich das schönste Zimmer das er beziehen durfte seit Jahren. "Die Badezimmer mit Dusche und Wanne sind nur an den Schlafzimmern meiner Eltern und mir angrenzenden. Wenn du also duschen willst, sag bescheid. Für alles weitere kannst du im Erdgeschoss ins Gäste WC gehen. Mein Vater ist noch unterwegs und wird dich heute Abend ins Rudel aufnehmen. Bis dahin kannst du dich hier etwas einrichten. Ich hol dich später zum Essen." Fynns Stimme war kalt und bescherte Louis einen Schauer. Der Alpha verließ das Zimmer. Dicht gefolgt von Mark.
"Ich und Frederik bleiben hier in helfen meinem Süßen beim auspacken. Bis später." Entschied Sina einfach grinsend und schloß die Türe hinter den Beiden Jungen. Kaum war die Türe geschlossen ging sie auf Louis zu und nahm ihn in die Arme. Auch Frederik kam zu ihnen und legte einen Arm um Louis.
Der war von dem ganzen Tag so erschöpft, dass er die Augen schloss und leise weinend einschlief.
Sina und Frederik sahen sich besorgt an. Das musste ein schwerer Tag für Louis gewesen sein...
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Kleiner Wolf
Hombres LoboLouis ist laut, sagt seine Meinung, ist mutig und auf keinen Fall unterwürfig. Er ist alles was ein Omega nicht ist. Er ist defekt. Sein Rudel hasst ihn und auch das verfeindete Rudel kann ihn nicht sonderlich leiden. Für viele ist er unsichtbar...
