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Vier Gestalten lösten sich aus der Dunkelheit. Sie bewegten sich, als würde die Straße ihnen gehören. Langsam, präzise, unaufhaltsam. Der Regen, der noch immer in Strömen vom Himmel fiel, schien sie nicht weiter zu stören.

Lucien machte instinktiv einen Schritt nach vorne und stellte sich schützend vor Sam. Er kannte sie. Alle vier gehörten zu Satans Eliteeinheit - den Rittern der Hölle. Vorne ging Azazel, ihr Anführer. Seine Haare waren schwarz wie die Nacht, als wären sie aus der Dunkelheit selbst geformt. Ein Relikt aus seinem alten Leben, bevor er zum Dämon wurde. Direkt neben ihm ging Voryn, seine rechte Hand.

Die Dämonen blieben direkt vor ihnen stehen. Lucien verkrampfte sich, sein Herz raste.

"Azazel. Lange nicht gesehen", sagte er dunkel und kühl. Ruhig. Unbeeindruckt. Oder er versuchte es zumindest. Er wusste, das hier würde kein leichter Kampf werden.

"Du weißt wieso ich hier bin?" Azazels Stimme klang wie dunkler Samt, und trotzdem so scharf, als könnte sie Glas schneiden.

"Bestimmt nicht zum Karten spielen", entgegnete Lucien und ballte die Hand zur Faust.

Azazel lachte leise.
"Schön, dass du's mit Humor nehmen kannst."

Dann wurde sein Blick hart. Er zog etwas unter seiner Jacke hervor. Eine Waffe. Und er richtete sie direkt auf Lucien. Sie hatte Ähnlichkeit mit einer Pistole, doch sie war aus glänzendem, schwarzem Obsidian geschliffen. Überall auf ihr waren Runen eingeschnitzt. Der Lauf war lang und spiralförmig.

Lucien erstarrte. Er hatte nicht damit gerechnet, diese Waffe jemals wieder zu sehen. Er war sicher gewesen, sie wäre längst zerstört. Veythar. Eine Waffe, die vor Urzeiten geschmiedet wurde, noch bevor Engel und Dämonen diese Welt betraten.

"Ah, du erkennst sie."
Der Hauch eines Lächelns huschte über Azazels Gesicht.
"Ich würde dich nur ungern töten. Der alten Zeiten wegen."
Er kam einen Schritt näher.
"Also. Was hältst du davon: Du gibst mir den Nephilim, und dafür bleibst du am Leben."

Sie waren einmal Freunde gewesen. Oder zumindest so etwas Ähnliches. Damals, als Azazel noch unter ihm gedient hatte - nicht unter Satan. Jetzt stand er vor ihm, eine uralte Waffe auf ihn gerichtet und wollte verhandeln.

Fast hätte Lucien gelacht. Die Situation wirkte grotesk. Er war es nicht gewohnt, bedroht zu werden. Schon gar nicht, dass jemand Forderungen stellte. Die wenigsten waren so mutig. Oder so töricht.

"Dazu müsstest du mich erstmal treffen. Und du hast nur einen Schuss", sagte er ruhig.

Azazel legte seinen Daumen auf den Hahn und zog ihn. Sofort begann Veythar zu leuchten. Helles, gleißendes Licht floss von Azazels Hand über den spiralförmigen Lauf und sammelte sich als Kugel an der Öffnung.

"Willst du es darauf ankommen lassen?"

Lucien starrte stur auf die Energiekugel. Er hörte Sam erschrocken aufkeuchen. Plötzlich machte sie einen Schritt nach vorne, sodass sie fast neben ihm stand.

Sein Blick schnellte zu ihr. Seine Hand zuckte hoch. Was tat sie da? Sie hatte keine Chance. Nicht in diesem Zustand.

Azazel folgte seinem Blick. Ein Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus.
"Aber sie treffe ich bestimmt."
Er richtete die Waffe auf sie.

Sam stand wie erstarrt da und starrte auf Veythar. Luciens Blick sprang zwischen ihr und der Waffe hin und her. Sein Atem stockte. Wenn er Azazel Angriff - selbst wenn er schnell genug wäre ihn zu treffen, bevor er abdrückt - die anderen Ritter würden nicht tatenlos zusehen.

Drei von ihnen waren selbst für ihn eine Herausforderung. Aber er würde sie nicht kampflos hergeben.

"Den Versuch überlebst du nicht", sagte er wesentlich schärfer als beabsichtigt.

Nephilim - Verfluchte HerkunftWo Geschichten leben. Entdecke jetzt